Bad Honnef – Bad Honnef kann sich glücklich schätzen, eine freiwillige Feuerwehr zu haben. Gäbe es die ehrenamtlichen Frauen und Männer nicht, die sich Tag und Nacht zu jeder Zeit bereithalten, das Leben der Bürgerinnen und Bürger zu schützen und zu retten, müssten diese Aufgaben von einer Berufsfeuerwehr übernommen werden. Für die SteuerzahlerInnen wäre das eine hohe Belastung und auch andere Leistungen im Rahmen der bürgerschaftlichen Hilfe würden dann wohl entfallen.

Letzte Nacht kam es wieder einmal auf die Wehr an. In Selhof entzündete sich ein Feuer unter einem Carport. Hätten die Flammen auf das Wohnhaus übergegriffen, hätte das für die BewohnerInnen wohl zu großem Leid geführt.

In kürzester Zeit war die Feuerwehr vor Ort und auch dank der guten Vorarbeit einiger Nachbarn führten die Löscharbeiten schnell zu einem Erfolg.

“Honnef heute” fragte beim Pressesprecher der Bad Honnefer Feuerwehr, Björn Haupt, nach:

Honnef heute: Heute Nacht gab es einen Alarm: Feuer unter einem Carport in Selhof. Um 0:49 haben Sie die Feuerwache verlassen, elf Minuten später war das Feuer bereits gelöscht. War das Rekord?

Björn Haupt: Das war tatsächlich sehr schnell. Die Anfahrt von der Feuerwache zur Einsatzstelle hat etwa 3 Minuten für das erste Fahrzeug gedauert. Die Nachbarn des betroffenen Hauses hatten inzwischen sehr gut vorgearbeitet. Mit zwei Gartenschläuchen haben sie dafür gesorgt, dass sich der Brand langsamer ausbreitete. Nach der Ankunft hatten wir innerhalb von 2 Minuten Wasser am ersten C-Rohr und konnten die Flammen schnell niederschlagen. Um 1 Uhr war das offensichtliche Feuer aus. Deutlich länger hat der Kampf gegen die Glutnester gedauert.

Gibt es eigentlich einen Zeitrahmen, in dem ein Brandort erreicht werden soll?

Ja, dieser ist im Brandschutzbedarfsplan vorgeschrieben. Im Bereich des Löschzuges Bad Honnef beträgt dieses erste Schutzziel 10 Minuten (in der Vergangenheit 8 Minuten). Das bedeutet, dass 10 Minuten nach der Alarmierung die erste Gruppe (9 Personen) vor Ort sein muss. Nach weiteren 5 Minuten ist das zweite Schutzziel erreicht. Hier müssen weitere 7 Einsatzkräfte eintreffen. Aufgrund der guten Lage der Feuerwache gibt es praktisch kein Objekt, welches wir nicht innerhalb dieser Zeit mit ausreichend Personal erreichen.

Wie muss sich ein Laie eine Alarmierung vorstellen: Hat jedes Einsatzmitglied ein Alarmgerät bei sich, nachts sogar eins neben dem Bett liegen? Und: In welchem Fall ertönt eigentlich die Sirene?

Jedes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bad Honnef hat einen sogenannten „digitalen Meldeempfänger“ (DME), umgangssprachlich „Melder“. Dieser wird ständig mitgeführt und liegt nachts in der Regel in Bettnähe. Sobald die Leitstelle einen Notruf über die 112 erhält, teilt sie die benötigten Einheiten dem Einsatz zu. In diesem Augenblick wird der Alarm via Funk an die Meldeempfänger gesendet und diese lösen aus. So erreicht uns der Alarm wenige Sekunden nach dem Anruf der Notrufnummer.
Die Sirene hat zwei Aufgaben. Einerseits ist sie das Mittel zur Bevölkerungswarnung im Rahmen des Katastrophenschutzes, andererseits warnt sie die Bevölkerung bei Feuerwehreinsätzen. Letzteres geschieht in Bad Honnef erst ab einem bestimmten Alarmierungsniveau. Bei Bränden ist es Level 4 von 5. Heute waren wir bei Level 3, ein alarmierter Löschzug. Beim Level 4 kommt ein weiterer Löschzug dazu. Wenn also die Sirene mit dem Ton für Feuerwehr (3x unterbrochener Ton) zu hören ist, dann kann man davon ausgehen, dass es sich um einen größeren Einsatz handelt. Für die Bevölkerung ist dies lediglich ein Hinweis, dass vermehrt mit Einsatzfahrzeugen gerechnet werden muss.

Björn Haupt im Einsatz als Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr beim Großbrand auf dem Schulgelände von St. Josef

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Wenn das Feuer gelöscht ist, bedeutet das aber noch nicht das Ende des Einsatzes. Was muss noch alles erledigt werden, bis sie den Brandort verlassen können?

Ein gelöschtes Feuer bedeutet in der Regel erst einmal nur, dass es keine Flammen und somit keine Ausbreitung mehr gibt. Dann beginnt in der Regel die Suche nach Glutnestern. „Worst Case“ ist ein gelöschter Brand, der zwei Stunden später wieder aufflammt. Aus diesem Grund sind wir da sehr gründlich. In manchen Fällen muss das Brandgut auseinandergezogen werden, um ganz sicher zu sein, dass alle Glutnester gefunden werden.
Sollte ein Objekt verraucht sein, ist jetzt die Zeit, den Rauch mit einem Überdrucklüfter aus dem Gebäude zu drücken. Ziel ist, dass man sich sehr bald wieder ohne Atemschutz darin aufhalten kann.
Nach all diesen Arbeiten muss dann aufgeräumt werden. Alles wird ordentlich verlastet, teilweise noch an der Einsatzstelle gereinigt. Die Atemschutzgeräteträger (auch heute) wechseln die kontaminierte Kleidung gegen frische aus und verpacken sie in Plastiksäcke, in denen sie dann zur Reinigung gehen.

Und was ist noch zu tun, nachdem Sie zur Wache zurückgekehrt sind?

Zurück in der Wache geht es dann weiter. Man sagt so schön „Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz“. Bevor wir also ganz am Ende nach Hause fahren, muss alles wieder aufgefüllt werden. Wasser im Tank, neue saubere Schläuche, neue Atemschutzgeräte, neue Masken usw. Wenn wir die Wache verlassen ist alles perfekt vorbereitet für den nächsten Einsatz. Und es gibt eine Einsatznachbesprechung. Hier ist dann Platz für Kritik, Ideen oder einfach nur das Gespräch über das gerade Erlebte.

Wer die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Bad Honnef unterstützen (oder sich auch einmal bedanken) möchte, findet hier die Kontaktdaten.

Aktionstag am 29. Mai 2021

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