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Bad Honnef doch familienfreundlich – Aber: Schilder müssen Anwohner selbst bezahlen

Bad Honnef | Es klingt wie ein Schildbürgerstreich. In einer idyllischen Wohngegend in Bad Honnef durften Kinder nicht auf der Straße spielen. Nun hat sich die Stadt eines Besseren besonnen und einen Teil der Bachstraße wieder zum Spielen freigegeben.

Dort baute ein Investor in der Stichstraße vor über zehn Jahren schmucke Familienhäuser im Landhausstil. Die neue Straße bezahlte er gleich mit. Junge Familien siedelten sich schnell an, mittlerweile wohnen dort 30 Kinder und stehen für die Zukunft der Stadt. Allerdings wollte die ihnen erst einmal den Spaß verderben.

War die Bachstraße zunächst eine verkehrsberuhigte Zone, in der sich die Kinder nach Herzenslusten tummelten, wurde sie 2013 bei Nacht und Nebel zur Tempo 30-Straße umgewidmet. Bewohner  und Straßeneigentümer wurden in diese Entscheidung nicht einbezogen, erfuhren davon nichts.

Alles noch kein Problem. Denn die Kinder spielten weiter auf dem Asphalt, fuhren Skateboard und spielten Basketball. Bis Anfang des Jahres die Landhausidylle mitten in der Stadt brachial gestört wurde. Die Stadt verbot den Kindern der Bachstraße das Spielen auf der Straße – auch in der Stichstraße. Sogar Bußgelder habe sie laut einer Anliegerinitiative bei Zuwiderhandlung angedroht. Denn: Auf Straßen mit Tempo 30 ist das Spielen verboten. Die Stadt habe diese Maßnahme auf Grund einer einzelnen Anliegerbeschwerde vollzogen, so die Initiative.

Die Anwohner der Stichtsraße reagierten schnell, schickten eine Unterschriftenliste ins Rathaus und baten um ein Gespräch der Bürgermeisterin mit den Bachstraßenkindern.

Statt der Bürgermeisterin kam im März 2014 eine Erklärung: Gemäß den Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung seien im Bereich der Bachstraße zwischen Heckenstraße und der Stichstraße die Vorausetzungen für einen verkehrsberuhigten Bereich nicht gegeben. Anders verhielte es sich im Bereich der Stichstraße. Dort lägen die Voraussetzungen für einen verkehrsberuhigten Bereich dem Grunde nach vor. Wenn die “Anwohnerschaft” es wolle, solle doch der Eigentümer der Straße einen entsprechenden Antrag stellen. Sodann würden die Verkehrszeichen durch die Straßenverkehrsbehörde angeordnet und durch den Eigentümer errichtet. Freilich: der Empfehlung folgten seitens der Stadt keine Taten.

Kurz vor der Bürgermeisterkanidatenbefragung des Stadtelternrates am vergangenen Dienstag in der Jugendherberge erschien auf Honnef heute ein Leserbrief der Anliegerin Astrid Schmitz. Sie schilderte die Sachlage und wünschte sich von dem neuen Bürgermeister mehr Dialogbereitschaft und keine einseitigen unsachgerechten und unausgereiften Entscheidungen, eine Stadtverwaltung die das Recht kennt und beachtet und einen Bürgermeister, der Kinder fördert und unterstützt und nicht mit Ordnungsmaßnahmen und Bußgeldern droht.

Honnef heute recherchierte weiter und fragte bei der Stadt nach. Die bestätigte dann am Donnerstag, dass die Anwohner nicht in die Umwidmung in einen Tempo-30-Bereich einbezogen worden seien, bestritt aber, dass sie aufgrund einer Anwohnerbeschwerde aktiv geworden sei und Ordnungsgelder angedroht hätte. Weiter: “Die Anordnung und Genehmigung zur Aufstellung der Schilder ist erteilt. Fußgänger- und Kfz-Verkehr sind gleichberechtigt, sobald die Beschilderung errichtet ist.”

Am Samstag ging der Entscheid bei der Vertreterin der Anlieger und des Investors, Astrid Schmitz, ein. Die fragt sich nun, warum die Stadt die Umwidmung der Stichstraße in einen Tempo-30-Bereich überhaupt vorgenommen hat.

Die Anwohner müssen zwar nun die Schilder selbst bezahlen, wollen dann die Umwidmung aber feiern. Astrid Schmitz: “Ich hoffe, dass diese nun abgeschlossene Auseinandersetzung dazu beigetragen hat, dass die Stadtverwaltung nach Bürgermeisterwechsel kinderfreundlicher arbeitet, sich juristisch verstärkt und fortbildet und besser mit ihren Bürgern kommuniziert.”

Übrigens: Heute Abend treffen die Bürgermeisterkandidaten um 18 Uhr in der Sibi-Aula noch einmal zusammen und stellen sich den Fragen der Jugendlichen Bad Honnefs.

 

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