Ein totes Pferd ist ein totes Pferd. Oder?

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Das Kiezkaufhaus ist ein Erfolg, sagte heute Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff während der Pressekonferenz im Rathaus. Es ging um die Neuvorstellung des Portals Rhein-Kaufhaus, Nachfolger des Kiezkaufhauses. Das wurde vor vier Jahren mit Fördergeldern gestartet und wird nun (weil es so erfolgreich ist?) durch das Rhein-Kaufhaus ersetzt. Im Amtsdeutsch nennt man so etwas mittlerweile „Weiterentwicklung“.

Wenn man dem Kiezkaufhaus etwas Gutes will, dann muss man über den Mut sprechen, ein solches Projekt mit Onlineshop, Präsentation, Vertrieb, Information … überhaupt begonnen zu haben. Man könnte dabei aber genauso gut an Naivität denken. Und auch das Engagement der Mitarbeiterinnen ist sicherlich zu loben. Denn die trauten sich an eine Aufgabe heran, für die es mindestens zehn weitere KollegInnen hätte geben müssen.

Wohlgemerkt: Es geht nicht um die digitale Entwicklung in Bad Honnef, sondern um das Kiezkaufhauskonzept mit allem drumherum.

Was die Verantwortlichen auch immer geritten haben mag – das Projekt Kiezkaufhaus war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das lag nicht nur an der geringen Bereitschaft der Bad Honnefer Geschäftswelt, sich zu beteiligen, sondern auch an der geringen Einwohnerzahl Bad Honnefs. Die Mittelstadt hat zwar eine hohe Kaufkraft, aber die Konsumenten mit dem vielen Geld, die nicht in der City kaufen, werden es auch auf dem lokalen Online-Marktplatz nicht tun.

Und die anderen?

Sie hätten ja die Möglichkeit gehabt. Warum haben sie nicht bestellt?

Eine vernünftige Marktanalyse hätte Aufschluss geben können. Die wurde aber nicht erstellt. Vielleicht wäre dann schnell erkennbar gewesen, dass Bad Honnef kein Kiezkaufhaus braucht. Auch wenn der Lieferservice während der Pandemie für einige wenige hilfreich war. Aber als das Kiezkaufhaus gestartet wurde, gab es Corona nicht.

Nun gibt es beim Rhein-Kaufhaus wieder keine Marktanalyse, obwohl Größen wie IHK, Fraunhofer Institut und Einzelhandelsverband Bonn-Rhein-Sieg-Euskirchen e.V. mit im Boot sitzen. Mit anderen Worten: Niemand weiß, ob es für ein Rhein-Kaufhaus im Bereich Rhein-Sieg, Bonn und Euskirchen überhaupt eine Nachfrage gibt. Kleines Einmaleins einer Unternehmensgründung. Und die Konkurrenz heißt nach wie vor Amazon und Co.

In der Presseeinladung steht: „… überregionale und bundesweite Medien, der Schweiz und Österreich haben berichtet: seit seiner Eröffnung steht das Kiezkaufhaus Bad Honnef im Fokus der Öffentlichkeit und zahlreiche Vertreterinnen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik haben sich das Erfolgsmodell angeschaut.“

PR-mäßig ist das Kiezkaufhaus vielleicht überregional und international (mangels Unkenntnis?) ein Erfolgsmodell. Nur in Bad Honnef funktioniert das Marketing nicht. Bürgerinnen und Bürger rollen ihre Steuer-Euros somit weiter in ein großes dunkles Loch.

Noch einmal zur Erinnerung: Bis heute hat die Stadt der Öffentlichkeit keine Zahlen über Einnahmen, Ausgaben, Umsatz etc. über das Kiezkaufhausprojekt vorgelegt. Auch bei der Pressekonferenz wurden sie verweigert. Konkrete Anfragen von Honnef heute wurden im Vorfeld mehrfach ausweichend beantwortet. Warum? Es handelt sich doch um ein Erfolgsprojekt.

Die Politik sollte endlich einmal klare Kante zeigen und die Öffentlichkeit informieren – wenn es die Verwaltung nicht tut. Schließlich hat sie zweimal für das Projekt Kiezkaufhaus gestimmt. Und wird vermutlich bald über das Rhein-Kaufhaus abstimmen müssen. Oder muss sie das nicht?

 

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2 Kommentare

  1. Die Unfähigkeit des Stadtrates, diesem unwürdigen Schauspiel nun endlich ein Ende zu setzen, wird noch weit übertroffen von der Dreistigkeit, eine von Beginn an dahinsiechende, viel Geld verschlingende und letztlich ohne Zweifel völlig gescheiterte Idee (oder sollte man lieber von einer Fata Morgana sprechen?) als Erfolg zu verkaufen. Wer zieht hier endlich die Notbremse?

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