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Joachim Löw schafft “Mannschaftsrat” der deutschen Nationalelf ab

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fußball - Joachim Löw schafft "Mannschaftsrat" der deutschen Nationalelf ab

 Zeitenwende in der deutschen Fußballnationalmannschaft: Der Mannschaftsrat, traditionell von älteren Akteuren bzw. Meinungsführern gebildet und Ausweis der Hierarchie innerhalb der Truppe, hat ausgedient. Ein derartiges Gremium alter Prägung entspreche nicht mehr dem Miteinander innerhalb der Auswahl, erklärte DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

 Der Umbruch in der deutschen Nationalmannschaft macht auch vor etablierten Strukturen nicht Halt. Nachdem Bundestrainer Joachim Löw im Frühjahr zunächst das Weltmeister-Trio Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller ins Abseits gestellt hatte, trifft es nun auch den Mannschaftsrat, der außerhalb des Platzes als Bindeglied zwischen Spielern und Trainerteam fungierte. Nach der Ausbootung der drei langjährigen Bayern-Akteure waren von dem Fünfer-Zirkel ohnehin nur Toni Kroos und Mannschaftskapitän Manuel Neuer übriggeblieben.

„Auch das ist Ausdruck von gegenseitigem Vertrauen und gelebten flachen Hierarchien bei der Nationalmannschaft“, so Bierhoff im Gespräch mit der “Sport Bild”. In länderspielfreien Zeiten werden Verantwortliche und Mannschaft demnach über eine spezielle App miteinander kommunizieren. „Wir haben einen intensiven und regelmäßigen Austausch mit der Mannschaft und sitzen je nach Thema, Projekt und Vorhaben in unterschiedlichen Konstellationen zusammen“, führt Teammanager Thomas Beheshti aus.

Dass Entscheidungen künftig “modernen Leadership-Ansätzen“ gemäß fallen sollen, klingt zunächst einmal verheißungsvoll. Ob Joachim Löw mit derlei Formalien allerdings wirklich eine neue – und erfolgreiche – Ära einläutet, bleibt abzuwarten. Zumindest ist “modern” nicht unbedingt ein Attribut, das sich mit Blick auf die bevorzugte Art der Menschenführung seitens des DFB-Cheftrainers geradezu aufdrängt. So war in der Vergangenheit des Öfteren zu beobachten, dass sich Löw insbesondere mit autonomen Spielerpersönlichkeiten eher schwertut.

Anhaltende Kontroverse um Personalentscheidungen

Der seit 2006 amtierende Bundestrainer steht seit dem blamablen Ausscheiden bei der Fußball-WM in Russland nahezu unablässig in der Kritik. Personalentscheidungen wie die Nicht-Berücksichtigung des Manchester City-Stars Leroy Sané und das Festhalten an Spielern wie Müller und Boateng, die vermeintlich über ihren sportlichen Zenit hinaus sind, fielen Löw nach dem Scheitern krachend auf die Füße.

Der personelle Umbruch im März dieses Jahres sorgte für eine öffentliche Kontroverse, insbesondere wegen der Art und Weise, wie der Bundestrainer ihn kommunizierte. Sogar der inzwischen zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel rüffelte Löw später in aller Öffentlichkeit für dessen Vorgehensweise. Derweil kommt die Diskussion um die Verjüngung der Truppe aus anderen Gründen nicht zur Ruhe.

So fällt der designierte Abwehrchef Niklas Süle mit Kreuzbandriss bis weit ins nächste Jahr aus, und Antonio Rüdiger sucht nach einer Meniskus-OP und Leistenproblemen noch den Anschluss. Überdies blieben andere Zukunftshoffnungen wie Jonathan Tah bislang den Nachweis schuldig, dass sie in die Fußstapfen des Weltmeister-Duos Hummels und Boateng treten können. Ein von etlichen Experten gefordertes Comeback des Dortmunder Innenverteidigers hat Nationalmannschaftsmanager Bierhoff zwar unlängst ausgeschlossen – allerdings bloß für das laufende Jahr.

Etwas Ruhe könnte Löw sich durch überzeugende Auftritte seiner Mannschaft in den anstehenden EM-Qualifikationsspielen gegen Weißrussland und Nordirland verschaffen. Nach durchwachsenen bis besorgniserregenden Auftritten der DFB-Elf wie bei der 2:4-Heimpleite gegen die Niederlande sieht Bierhoff den Bundestrainer in der Pflicht. „Natürlich weiß auch Jogi, dass er einen gewissen Kredit verspielt hat und Ergebnisse bringen muss“, räumte nun Bierhoff in einem Gespräch mit dem TV-Sender „Sky“ ein.

Die nächste Gelegenheit zur Wiedergutmachung haben Löw und seinen Mannen am 16. November beim Qualifikationsduell mit Weißrussland in Mönchengladbach (20.45 Uhr).

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