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Oder wie Politiker die Sache mit dem Outlet Center sehen

Bad Honnef | Moderne Zeiten. Wer Wachstum will, muss Ideen haben. Am Ende zählt jedoch, wo der Kunde kauft. 

Nachdem bekannt wurde, dass Königswinter ein Factory Outlet Center plant, befürchten viele Geschäfstleute in Bad Honnef, dass bei ihnen dann die Kasse nicht mehr klingelt. Sie hoffen auf politische Unterstützung. Mittlerweile positionieren sich immer häufiger Partei- und parteilose Vertreter zum regional beherrschenden Wirtschaftsthema. Gemeinsamer Nenner: FRÜHlich geht über FOClich. Denoch gibt es unterschiedliche Ansätze, mit der Entwicklung umzugehen.

Drei Lokalpolitiker haben sich aktuell geäußert. Honnef heute veröffentlicht die Meinungen von Sebastian Wolff (Bürgermeisterkandidat der CDU), Otto Neuhoff (parteiloser Bürgermeisterkandidat) und Klaus Wegner (grüner Stadtverordneter).

 

Sebastian Wolff:

„Interessen der Bad Honnefer Innenstadt haben für mich Priorität“

Wolff„Für mich haben die Interessen der Bad Honnefer Innenstadt Priorität und nicht die Entwicklung in Königswinter, so, wie Königswinterer Kollegen eben in erster Linie die Interessen Königswinters wahrnehmen. Auch wenn unsere Innenstadt gut aufgestellt ist und sich gegen ein FOC behaupten würde, so kann eine solche Ansiedlung in der Nachbarstadt nicht in unserem Interessen sein.

Die positive Einschätzung der Ansiedlung eines FOC in Königswinter für die Innenstadtentwicklung in Bad Honnef überrascht mich. Sie steht im Widerspruch zu vielen Erfahrungen, die andere Kommunen in der unmittelbaren Nähe solcher Centren gemacht haben, weshalb FO Centren nicht nur dort, sondern auch auf der Ebene der Landesregierung kritisch gesehen werden. Sie hat erst kürzlich ein neues Landesentwicklungsprogramm beschlossen, welches u.a. den Gefahren solcher Einkaufscentren begegnen soll.

Betrachtet man die Situation in Deutschlands größtem FOC in Metzingen, so wird schnell deutlich, dass noch nicht einmal dort der Verbund zur eigenen Innenstadt geglückt ist, obwohl das FOC ( ohne von einer Bahnlinie abgeschnitten zu sein ) unmittelbar an die Innenstadt angrenzt. Das lässt mich zweifeln, dass das in Königswinter glückt. Erst recht aber glaube ich nicht an die Mitnahmeeffekte, die Herr Nordhorn – aus wohlverstandenem Eigeninteresse – für Bad Honnef preist.

Selbst wenn es diese aber gäbe, beträfen die das Hotel- und Gaststättengewerbe, nicht aber die Innenstadtgeschäfte. Denn Textilien und Sportartikel kauft keiner mehr, der zuvor im FOC seinen Einkauf getätigt hat. Fallen diese Geschäfte in der Innenstadt von Bad Honnef weg, bleibt auch für die Gastronomie nicht mehr viel übrig: Nur für die vermeintlichen Wochenend-gäste aus Königswinter werden sie Ihre Betriebe nicht aufrechterhalten können.

Im Übrigen sehe ich gewaltige Probleme für die ohnehin schon schwierige Verkehrssituation in unserer Region. Bei den prognostizierten Besucherzahlen ist insbesondere an den Wochenenden mit erheblichen Verkehrsbelastungen und Staus auf der B 42 und in Rhöndorf zu rechnen; just zu der Zeit also, zu der wir uns eigentlich auf Touristen freuen.“

 

Otto Neuhoff

Möglichst früh in den Planungsprozess einbringen

Otto Neuhoff“Mein Team und ich haben bereits Mitte Februar die Auswirkungen eines FOC in Königswinter auf das Bad Honnefer Zentrum thematisiert und uns dafür ausgesprochen, dass wir in Bad Honnefer Belange die zentrumsrelevante Angebote herausstellen und sichern müssen und uns möglichst früh in den Planungsprozess des FOC aktiv einbringen müssen. Dazu gehört natürlich auch, dass die verkehrsindizierende Wirkung eines FOC mit geplant 3 Millionen Besuchern pro Jahr zu berücksichtigen ist.

Ich bin in keiner Weise für Gelassenheit in Bezug auf ein FOC in Königswinter, sondern spreche mich unter Einbeziehung der rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere des neuen Landesentwicklungsplans, für einen konstruktiven Dialog zwischen relevanten Akteuren aus Königswinter und den Nachbarkommunen aus. Dabei sollten auch Verwaltung und Politik in Bad Honnef eine aktive Rolle einnehmen und nicht nur auf Pläne aus Königswinter reagieren.

Allerdings bin ich auch der Auffassung, dass es nicht gut ist, sich darauf zu beschränken, Bedenken in die Planung der Stadt Königswinter einzubringen. Mindestens genau so wichtig ist, dass wir uns der Zukunft stellen und die eigene Innenstadt beleben, städtebaulich entwickeln, was in den letzten Legislaturperioden sträflich vernachlässigt wurde.”

 

Klaus Wegner

Bad Honnef muss eine aktive Rolle einnehmen

Klaus Wegner“Bereits Mitte Februar habe ich die Auswirkungen eines FOC in Königswinter auf das Bad Honnefer Zentrum thematisiert und mich für den Ausbau und die Sicherung zentrumsrelevanter Angebote in der Bad Honnefer Innenstadt eingesetzt. Wichtig ist m.E., dass sich Politik,Verwaltung und Einzelhandel früh, professionell und aktiv in den Planungsprozess des FOC einbringen. Dazu gehört natürlich auch, dass die verkehrsindizierende Wirkung eines FOC berücksichtigt wird.

Beim Besuch des FOC in Ochtrup am 4.4. haben Herr Nordhorn, der Projektentwickler des FOC in Ochtrup und Königswinter und Herr Huesmann, Inhaber eines Modehauses in der Innenstadt, ihre interessengeleiteten Ansichten vertreten. Beide haben sich positiv zu den Chancen für die Innenstadt und den Tourismus geäußert. Insbesondere Herr Husemann, der auch Vorstand der Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup (VWO e.V.) ist, hofft auf eine positive Entwicklung durch die geplante Sanierung der Ochtruper Innenstadt mit der Neugestaltung von Teilbereichen der Fußgängerzone. Die Innenstadtsanierung ist jedoch vom selben Investor abhängig, der auch die Investitionen im FOC getätigt hat. Er hat bereits mehrere leerstehende Geschäfte in der Innenstadt von Ochtrup gekauft. Zur Investitionssumme, zur Umsatz- und Gewerbesteuerentwicklung und zu belastbaren Zahlen bezügliche der touristischen Wirkung des FOC wollte oder konnte niemand in Ochtrup Auskunft geben.

Positive Wirkungen eines FOC in Königswinter auf den Einzelhandel, die Gastronomie und den Tourismus in Bad Honnef wurden durch den Besuch in Ochtrup in keiner Weise belegt.

In der 15 km entfernten Nachbarstadt Gronau wurde auch ein FOC geplant, bevor Ochtrup die Initiative übernahm. Uneinigkeit in Politik und Wirtschaft haben die Realisierung verhindert. Heute stehen Herausforderungen wie die Folgenutzung des seit zwei Jahren leerstehenden Hertie-Gebäudes und die Abhängigkeit des städtischen Haushalts von Gewerbesteuern, aber auch der Vereine von Spenden der Uran-Aufbereitungsanlage (UAA) im Vordergrund. Allerdings können wir von Gronau auch lernen, da hier bereits ein integriertes Handlungskonzept für die Stadtentwicklung erarbeitet wird, dessen Ergebnisse dieses Jahr präsentiert werden. Der Handlungsdruck ist in Gronau jedoch im Vergleich zu Bad Honnef relativ gering, da hier die Kaufkraftbindung mit 90% deutlich über Bad Honnef liegt.

Wichtig ist m. E., sich frühzeitig auf Verhandlungen mit Königswinter vorzubereiten und die zentrumsrelevanten Angebote in unserer Innenstadt deutlich zu machen und auszubauen, um unsere Verhandlungsposition zu stärken und eine fundierte Verhandlungsgrundlage zu haben.

Wir müssen allerdings zur Kenntnis nehmen, dass ein FOC in Königswinter nach dem neuen Landes-entwicklungsplan (LEP) bessere Realisierungschancen hat als andere FOC, die auf der grünen Wiese geplant sind und hier eine relativ gute ÖPNV- Anbindung besteht. Politik, Verwaltung und Handel müssen insbesondere sicherstellen, dass ein FOC in Königswinter nicht unseren zentrumsrelevanten Angeboten schadet .
Ich möchte auch nochmals meine Positionen zu einem FOC in Königswinter deutlich machen, die ich öffentlich vertreten habe.

Verständlich ist, dass in Politik und Verwaltung das Angebot eines Investors zur Errichtung eines FOC in Königswinter auf Interesse gestoßen ist und viele in Königswinter die Chance sehen, dafür leerstehende Industriegebäude zu nutzen und die Altstadt attraktiver zu gestalten. In den weiteren Prozessen gewinnen die rechtlichen Rahmenbedingen an Bedeutung, wozu der neue Landesentwicklungsplan (LEP) gehört, der die Bedingungen für den großflächigen Einzelhandel weiter konkretisiert. Ein FOC als großflächiger Einzelhandel, hat nach dem neuen LEP auf der grünen Wiese kaum noch Realisierungschancen. Ein FOC darf nach dem LEP auch zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung zentralörtlicher Versorgungsbereiche in den benachbarten Gemeinden führen. Dies bezieht sich natürlich auch auf zentrumsrelevante Angebote in Bad Honnef

Vor der Beschreitung des Rechtsweges sollten m. E. alle Möglichkeit zum Dialog und zur interkommunalen Kooperation genutzt werden, wozu auch die Entwicklung eines regionales Einzelhandelskonzepts beitragen kann. Regionale Solidarität in Bezug auf die Planung eines FOC fordert auch der deutsche Einzelhandelsverband.

In benachbarten Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises ist bereits ohne die diskutierten 20.000 m² für ein FOC in Königswinter eine Verkaufsflächenerweiterung von über 70.000 m² geplant. Der Trend zur Realisierung großflächiger Einzelhandelsflächen in Deutschland geht weiter, obwohl die Flächenproduktivität seit Jahren sinkt (von 2000 bis 2010 um 10 %) und erheblich unter der von Nachbarländern wie Frankreich und Belgien liegt. Dies spricht gegen den weiteren Ausbau von Verkaufsflächen.

Nach Ansicht von Experten, wie Prof. Nadler von der TU Dortmund, haben FOC nicht nur eine verkehrsinduzierende Wirkung. Seine Erkenntnisse sprechen dafür, dass deren touristische Effekte gleich Null sind, dort entstandene Arbeitsplätze meist im Niedriglohnsektor liegen und umliegende Städte Kunden, Kaufkraft und Arbeitsplätze verlieren.

Ich spreche mich unter Einbeziehung der rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere des neuen Landesentwicklungsplans, für einen konstruktiven Dialog zwischen relevanten Akteuren aus Königswinter und den Nachbarkommunen aus. Dabei sollten Verwaltung, Politik und Geschäftsleute in Bad Honnef eine aktive Rolle einnehmen und nicht nur auf Pläne aus Königswinter reagieren.”

Lesen Sie auch Hunff und Honff: Kann diese Innenstadt überhaupt Zukunft?

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