Vernetzen

Titel

Speisung der Armen für 600 Euro Miete

Beitrag

| am

Aufopferungsvoll, ehrenamtlich: Mitarbeiterinnen der Bad Honnefer Tafel

Aufopferungsvoll, ehrenamtlich: Mitarbeiterinnen der Bad Honnefer Tafel

Bad Honnef | Bei Wind und Wetter sammeln sie jedes Jahr gemeinsam mit den Leos Lebensmittel für bedürftige Bad Honnefer. Jeden Montag öffnen sie zwischen 14.30 Uhr und 16 Uhr ihre Ausgabestelle im ehemaligen Katholischen Jugendheim und geben in ihrer Freizeit Nahrungsmittel aus. Zusätzlich wird gelagert, sortiert, geputzt, geworben, getröstet, motiviert … Die Mitarbeiter der Bad Honnefer Tafel, die zur AWO Bad Honnef gehört, leisten Großes zum Nulltarif – lediglich für die Miete muss die Initiative einen ordentlichen Happen zahlen.

“600 Euro, jeden Monat”, sagt Lucia Olbrück, AWO-Vorsitzende, beträgt die Miete für die Räumlichkeiten im ehemaligen Katholischen Jugendheim hinter der Kirche am Kirchplatz. Dabei handelt es sich bei dem Vermieter, der Kath. Kirchengemeinde Bad Honnef, nicht nur um einen sozial-caritativen Partner, sondern die Immobilie ist nach Aussage der Kirche auch nicht mehr sanierungsfähig. Eine Mitarbeiterin der Tafel: “Das geht doch eigentlich nicht, so viel Geld für die Vergabe von Essen an Bedürftige”.

Manch einer fragt sich, warum ein ehrenamtlich tätiger Verein ohne eigene Einkünfte überhaupt etwas dafür zahlen muss, dass er Menschen dabei hilft, sich zu ernähren. Für Irene Kleimann ist das ein Zeichen für eine verkehrte Welt: “Da finanziert die eine Organisation mit Spenden das Abrisshaus einer anderen Organisation, die Ehrenamtler in ihrer Freizeit mühsam eingesammelt haben.”

Wie krude die Realität ist, beschreibt der Kirchenvorstand: “Wenn die Kirchengemeinde auf diese Miete verzichtet, müsste sie den Gegenwert aus ihren für sozial-caritative Ausgaben zur Verfügung stehenden Mitteln finanzieren.”

Bedeutet: Dann gäbe es für Kleiderstube, Sozialberatung, Adoptionshilfe, Schulranzen-Aktion, Unterstützung Ferienfreizeit, Unterstützung Einzel- und Familienhilfe weniger Geld. Mit den Spendengeldern der Tafel werden also auch Sozialprojekte der Kirche gefördert. Kleimann: “Was macht das denn für einen Sinn?”

Natürlich beklagen sich die Ehrenamtler nicht weiter. Sie sehen es nicht als ihren Job an Fragen zu stellen, sie wollen Menschen helfen, die oftmals aus eigenem Verschulden in Not geraten sind. Und auch die Kirchengemeinde steht unter Zwängen. “Das Erzbistum kommt seit einigen Jahren für diesen Gebäudeteil nicht mehr auf. Deswegen ist es überhaupt erst zu der Vermietung gekommen, um die Kosten zu refinanzieren.”

Die Politik wollte sich nicht dazu äußern, ob die Miete im richtigen Verhältnis zu der sozialen Leistung der Tafel steht. Lediglich Sebastian Wolff (CDU) nahm sich des Themas an: “Für die Honnefer Tafel sollte eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden”. Er empfahl ein Gespräch mit der Kirchengemeinde. Würde das zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führen, sollten weitere Gespräche mit Vereinen/Institutionen angestrebt werden. Wolff: “Es gibt in der Innenstadt durchaus weitere Möglichkeiten”. Als Beispiele nannte er das Schulgebäude und die DRK-Wache in der Bergstraße.

Unabhängig von der Bad Honnefer Situation unterstützt der katholische Caritas-Verband Aktionen gegen die Tafeln. Sie würden Menschen zu Bettlern machen. Anstatt ihre Lage zu verbessern, würde man sie in Abhängigkeit halten. Dafür hat die Caritas die Aktion “Erbarmen als soziale Form” ins Leben gerufen.

Kritiker sehen darin wiederum den Versuch, gegen eine Hilfe vorzugehen, die eigentlich zur Basisarbeit der Kirche gehört – so zählt zum Beispiel die Armenspeisung zu den sieben Werken der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote bestatten.

Der Kirchenvorstand: “Wir wissen sehr wohl, wie nötig auch Menschen in unserer Stadt unsere Hilfe und Solidarität brauchen. Wir sind dankbar für das große ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt und in unseren Gemeinden. Leider ist aber die soziale Hilfe mit Kosten verbunden”.

Menschen neben dem Gleis in Bad Honnef. Die Tafel hilft, muss aber allein für die Miete 600 Euro bezahlen

Menschen in Not in Bad Honnef. Die Tafel hilft, muss aber allein für die Miete 600 Euro an die Kirche bezahlen

 

Einen Kommentar verfassen

0 Comments

  1. Peter Kurth

    15. Juli 2014 eingestellt am 19:13

    Speisung der Armen für 600 Euro Miete: Das ist doch für die Ka.-Kirche
    normal; schließlich ist diese doch eine Kapital-Gesellschaft und nicht für die Armen zuständig. Bleiben Sie heiter.

    LG Peter Kurth

  2. Beate Schaaf

    17. Juli 2014 eingestellt am 19:43

    Lieber Herr Hombücher,
    hier stimmt aber einiges nicht in Ihrem Artikel. Die Tafelräume sind an die AWO im Rhein-Sieg-Kreis vermietet worden, nicht an ehrenamtlich Tätige. Dass die AWO die Tafel in Honnef trägt liegt daran, dass sich im Rhein-Sieg-Kreis der Caritasverband (der dazugehörige skm) und die AWO die 10 Tafeln in der Trägerschaft teilen. Vier Tafeln (die eher im Süden) betreut die AWO, sechs (die eher im Norden) der skm. Im Übrigen sagt die von Ihnen zitierte Caritas-Studie zu den Tafeln : “Die Ausgabe von Lebensmitteln ALLEIN ist nicht geeignet, die individuellen oder strukturellen Ursachen von Armut zu bekämpfen”, so ein Angebot müsse in Beratung und weitergehende Hilfen eingebettet sein. In Bad Honnef ist das vorbildlich gelöst durch eine professionelle, für alle offene wöchentliche Sozialberatung im Cura-Krankenhaus – initiiert von unserer (Honnefer) Caritas, finanziert von unseren (Honnefern) katholischen Kirchengemeinden.

    • -ho-

      17. Juli 2014 eingestellt am 23:56

      Liebe Frau Schaaf,

      vielen Dank, dass Sie sich mit den Beiträgen von honnef-heute.de auseinandersetzen.

      Dass die AWO Rhein-Sieg-Kreis die Räume angemietet hat, ist richtig. Spielt m.M. aber keine Rolle. Fakt ist, dass 600 Euro Miete jeden Monat von der AWO bezahlt werden, damit die Tafel in Bad Honnef betrieben werden kann. Das ist nun einmal sehr viel Geld für ein “Werk der Barmherzigkeit”.

      Fakt ist auch, dass offensichtlich diese 600 Euro mitverwendet werden, damit Sozialprojekte der Kirchengemeinde aufrechterhalten werden können. Jedenfalls formuliert das so der Kirchenvorstand.
      Und Fakt ist auch, dass 600 Euro Miete gezahlt werden für eine Immobilie, die auf Grund ihres Bauzustandes anderweitig schwer vermietbar wäre.

      Unterm Strich wirft das doch Fragen auf: Warum kassiert die Kirche Geld für die “Armenspeisung”? Warum zahlt der eine Wohlfahrtsverband Geld an den anderen Wohlfahrtsverband, der damit eigene Sozialprojekte finanziert? Hätte die Kirchengemeinde das Abriss-Objekt auf dem freien Markt zu diesem Preis, an diesem Ort, mit der Perspektive einer neuen Verwendung vermietet bekommen?
      Ich denke eher nein.

      In dem Beitrag beziehe ich mich nicht auf eine Caritas-Studie sondern auf die Aktion “Erbarmen als soziale Form”. Sie richtet sich nun einmal deutlich gegen die Arbeit der Tafeln, obwohl sie den Anspruch hat, nur anzuregen.

      Zitat im Kölner Stadt-Anzeiger: ” Wer Lebensmittel als Almosen verteilt, hat Freiheit, die derjenige nicht hat, der auf die Almosen angewiesen ist.”

      Kennen Sie: “Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!”

      Was denn nun?

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich stimme zu.

Werbung

Tipp Termine

April, 2019

27Apr20:3023:30PHIL ZE LOUD IM SEASONS IN BRÜHL

28Apr9:0010:00Erstkommunionfeier

28Apr19:0021:00Hot Club Harmonists mit „Von der Seine an die Donau“

SENAY DUZCU

Hitler war eine Türkin?!17. Mai 2019
Noch 26 Tage.

 

Physiotherapie in Bad Honnef

Anzeigen wimmeroth_logo

Bürgerforum

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Oft angeklickt

X
X