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Bewirtschaftungsgebühren: Droht Bad Honnef sportlich der Sozialismus?

Sportstadt Bad Honnef

Bad Honnef | Die Stadt am Fuße der seit Freitag unbewirtschaftbaren Weinberge kommt nicht zur Ruhe. Immer lauter wird der Ruf von Sportlern und den Vereinen, endlich die Voraussetzungen für einen wettkampffähigen Sportbetrieb und für Bad Honnef als Sportstadt zu schaffen. Zudem wehren sich die Vereine gegen die Sportstättenbewirtschaftungskosten.

Wie häufig berichtet, hat Sponsor Joseph Bellinghausen 500.000 EUR für eine wettkampffähige Sporthalle zur Verfügung gestellt. Die Spende verfällt, wenn die Halle nicht bis Ende 2017 in Aegidienberg steht. Neurdings wühlt auch der Beschluss der Stadt die Vereine auf, Bewirtschaftungskosten für Sportstätten zu erheben. Gibt es nicht bald mehr Hallenzeiten für die Vereine, können die auch keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen. Eine versteckte Sportstättengebühr würde viele Mitglieder dazu bewegen, wegen hoher Beiträge auszutreten.

Für manchen Sportanbieter bedeutet das den Ruin.

Mittlerweile gibt es konkrete Hinweise auf Widerstand. So soll im September eine Großdemo gegen die Sportfeindlichkeit der Stadt und für bessere Voraussetzungen für die Vereine stattfinden. Sogar die Gründung einer Sportpartei steht im Raum. Und alles hat seine Berechtigung.

Denn der Vereinssport ist ein wesentliches Element unserer demokratischen Gesellschaftsordnung. Nicht umsonst wurde und wird der Sport in Diktaturen verstaatlicht, weil die autoritären Regime so besser Macht über ihre Bürger ausüben und sich international Anerkennung verschaffen können. Einen anderen Weg gehen die USA.  Dort steht der Sport fast gänzlich unter der Regie von Universitäten und Konzernen. Amateursport, wie wir ihn in Deutschland kennen, gibt es kaum.

Das hat seinen Grund: Geld. Während der Profisport ausschließlich von den Wirtschaftskonzernen gelenkt wird, ist auch der College-Sport ein Milliardengeschäft. So hat das Newsweek-Magazin errechnet, dass 2011 während der March Madness 12,2 Milliarden Dollar umgesetzt wurden.

Gäbe es in Deutschland keine ehrenamtlich geführten Vereine, würden also Staat, Konzerne oder finanzstarke Privat-Unis das Sportgeschäft lenken. Amateur- und Breitensport ade.

Schon Dr. Fanz-Josef Neuhoff, von 1963 bis 2003 Vorsitzender des TV Eiche, ordnete die Aufgaben der Kommunen und der Vereine nach dem politischen und gesellschaftlichen Verständnis in Deutschland:

“Es ist seit langem ein in Deutschland praktizierter Grundsatz, daß im Sport die Teilung der Aufgaben so gehandhabt wird, daß die Kommunen die Sportstätten bereitstellen und deren Unterhaltung tragen, während Vereine die Menschen betreuen.”

In anderen Ländern sei das anders, so Neuhoff weiter. In den Ostblockstaaten sei es der Staat in allen Bereichen, in den angelsächsischen Ländern vorwiegend die Schulen und Universitäten, die die sportliche Betreuung wahrnehmen. Das sei teuer und entbehre eines wesentlichen Elements des Vereinssports: die eigenverantwortliche, ehrenamtliche Tätigkeiten der Menschen in den Vereinen.

Anlass seiner kritischen Bemerkungen war schon damals ein Versuch der Stadt, eine Sportgebühr einzuführen.

Neuhoff resümierte: “Ist der Sport ein privates Vergnügen, das jeder voll zu bezahlen hat, oder ist der Sport ein sozialpolitisches und gesundheitliches Anliegen, das vom Staat zu fördern ist?”

Träfe letzteres zu, sei die kostenfreie Nutzung der Sportstätten ein Kernpunkt jeder staatlichen Sportförderung.

Bad Honnefer Bürger, die den lokalen Sport  nicht gefährdet wissen wollen, sollten sch den 10.9.2013 und den 19.9.2013 Zeit nehmen.

 

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