Bausünden in Rhöndorf

Richtige Opposition gibt es nicht mehr, Ortspresse „gleichgeschaltet“

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LeserInnenbrief
Foto: Pixabay/blende12 | bearbeitet: Hh

Ende 1955 wurde der Leitplan für Bad Honnef fertiggestellt, der die grundsätzlichen Richtlinien für die bauliche Entwicklung der Stadt festsetzte. Als „Grünflächen“ sollten in Rhöndorf erhalten werden u.a. der Merkens Park (Haus im Turm), das Gelände des Mütterkurheims sowie das Dreieck Rhöndorfer Straße/Mühlenweg. Wobei Grünflächen in erster Linie bedeutete „Schutz der dort stehenden Bäume“, denn auf dem Dreieck standen bis in die 1950er Jahre große Bäume, vor denen sich das 1951 vom Rhöndorfer Bildhauer Edmund Weßling 1951 restaurierte Denkmal sehr gut ausmachte. Zugleich markierte das kleine, mitten im Ort liegende Wäldchen den Übergang von der geschlossenen Bauweise nördlich des Dreiecks zur offenen Bauweise südlich davon.

Wer als Normalbürger im Leitplan und dann im Flächennutzungsplan eine Grünfläche sieht, der denkt zuerst an eine nicht bebaute Fläche, die auch so erhalten werden sollte. Was bezüglich des Dreiecks auch so blieb, denn in den 1960er Jahren wurde, auch wegen der Grünfläche, eine dort geplante Tankstelle nicht realisiert, und auch die Stadtsparkasse, die das ganze Grundstück 1968 für 211.000 DM erwarb, hielt sich weitgehend an die „Grünflächen“-Vorgabe und gestaltete daraus eine kleine „Parkanlage“ (die alten Bäume wurden, wie in Honnef in solchen Fällen noch heute üblich, als „krank“ deklariert). Als nun vor Jahren der auch Rhöndorf abdeckende Bebauungsplan gerichtlich für ungültig erklärt wurde und nur §34 BauGB gilt, wäre es Pflicht und Schuldigkeit der Stadtverwaltung gewesen, den Politikern klar zu machen, welche Konsequenzen das nach sich zieht, u.a. die fast freie Bebaubarkeit von Grünflächen.

Nun aber alle Schuldigkeit der Stadtverwaltung zuzuschieben, greift zu kurz. Sie weiß um die Passivität unserer Stadtvertreter. Eine richtige Opposition gibt es nicht mehr, das, was sich Ortspresse nennt, ist für mich „gleichgeschaltet“, und auch die sich sonst für Protest zuständig gebenden Grünen scheinen, ebenso wie die Rhöndorfer Vereine, in eine Covid-Schockstarre verfallen zu sein, aus der die Grünen nur dann aufwachen, wenn jemand „CO2“oder „Fahrradweg“ ruft.

Diese Honnefer Passivität in Bauangelegenheiten, die sogar bei der Kreisverwaltung bekannt ist, wird ausgenutzt, einmal von der Verwaltung, um solche Bauvorhaben wie jetzt in Rhöndorf geschickt an allen Gremien vorbei durchzubringen, dann von den Bauherren, die sicher sein können, dass ihren Vorstellungen nicht widersprochen wird. Denn einen neuen Bebauungsplan zu erstellen (laut einem Richter am Kölner Landgericht mir gegenüber, der einzige Weg, die sich häufenden Bausünden in Rhöndorf zu vermeiden bzw. in Griff zu bekommen), dafür meint man, kein Geld und kein Personal zu haben. Leider gibt es für die Erstellung von Bauplänen keine staatlichen Zuschüsse. Wäre es anders, könnten wir uns bei der in den letzten Jahren so erfolgreichen Zuschuss-Jagd unseres Stadtoberhauptes gar nicht mehr vor Bauplänen Pläne retten!

Ist es nicht traurig, dass niemand in Rhöndorf von diesem Bauvorhaben an einer örtlich so exponierten Stelle wusste oder wissen wollte? Und genauso traurig ist es, dass ein Rhöndorfer Bürger als Bauherr ohne Zaudern so zur Verunstaltung seines Wohnortes beiträgt. „Do kann man nix maachen“ hört man von denen, die das verhindern könnten. Doch, man kann! Man muss nur wollen!

„Ein 1947 zugezogener alter weißer Mann“

(Name ist der Redaktion bekannt)

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7 Kommentare

  1. „Ich kann nur unterstreichen, dass in der Ortspresse nur rumgesülzt wird.“

    Empfinde ich als etwas zu hart und entspricht für mich auch überhaupt nicht Kernaussage dieses Lesebriefs.

    Wo steht der Verweis auf die Ortspresse?

  2. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Wer die über Bad Honnef berichtenden Damen und Herren der Presse und ihre Beiträge kennt weiß, was ich meine.

    • Liebe Frau Gumbich

      Wenn sie doch das „Rumgesültze der Ortspresse“ so stört, warum lesen sie denn die Ortspresse?
      Vielleicht wäre die „Süddeutschen“ oder der „Welt“ eher eine Lektüre für sie!
      K. Schön

  3. @Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
    Danke für Ihre wertschätzenden Worte. (Fühle mich gerade wie Facebook.)

    Ortspresse „gleichgeschaltet“:
    Ja Sie haben recht … habe ich übersehen und mich mehr dem grossen Textblock zugewandt. :-)

    Diesen Leserbrief kann die Redaktion „oben anpinnen“ – unterschreibe ich sofort.

  4. Ich halte es für bedenklich, Leserbriefe zu veröffentlichen, deren Urheber nicht bekannt ist. Noch schlimmer finde ich, dass sich der Urheber nicht traut, seinen Namen preis zu geben. Was fürchtet er eigentlich ?

    In der Sache stimmt vieles, aber eben auch nicht:

    Die Verwaltung hat nach dem Wegfall des Bebauungsplanes 1 & 1a. auf Flächen hingewiesen, die jetzt nach § 34 BauGB bebaut werden könnten, was es ggf. zu vermeiden gilt. Sie hat aber nur in wenigen Fällen selbst einen Bebauungsplan angeregt. In Rhöndorf allerdings nicht! Die Politik hat anders reagiert: Sie hat – was eigentlich völlig ungewöhnlich ist – 2020 fünf (!) Bebauungspläne aus eigenem Antrieb und ohne Anstoß durch die Verwaltung aufstellen lassen, die dem Zweck dienten, Fehlentwicklungen zu vermeiden. Drei davon in Rhöndorf. Allerdings kann nur die Verwaltung dafür sorgen, dass sie letztlich auch umgesetzt werden. Und an dieser Stelle passiert leider nichts. Mein Eindruck ist, dass in den Kreisen der Verwaltung eher die Tendenz vorherrscht, Freiflächen zu verdichten um Wohnraum zu schaffen und deshalb auf die Bearbeitung dieser Bebauungspläne zu verzichten. Dagegen kann die Politik nur schwer etwas ausrichten. Schließlich kann ein Politiker nicht Planzeichnungen erstellen und Gutachten einholen. Politik kann aber darauf hinwirken, andere Schwerpunkte in der Verwaltung zu setzen. Das versucht sie seit geraumer Zeit: mit bescheidenem Erfolg. Die Presse thematisiert diese frage sicher zu wenig. Aber in Anlehnung an den Namen einer maßgeblichen Redakteurin davon zu sprechen, dass sie „sülzt“ finde ich unanständigt.

  5. An diesen „Projekten“ sollten wir für die Zukunft lernen.
    Anschl. den Schuldigen zu suchen führt uns nicht weiter.

    Ich fordere schon heute 2022 freien Zugang zum Rhein
    und halte es auch in Zukunft wichtig, dass und deren Kindeskinder freien Zugang zum Rhein haben. (nicht nur zum Fähranlieger)

    Lohfeld
    Bei einer drohenen „Monokultur aus Ockenfels“ könnte hier ähnliches im Bereich Lohfeld entstehen. Nur ein „wenig“ grösser …

    Inseln
    Das selbe sollte auch für Inseln bzw. Schule möglich sein.
    Nonnenwert ist ja scheinbar auch so ein Investoren-Ding
    und entwickelt sich in eine andere Richtung als gewünscht.

    Sagen wir dann unseren Kindern bei der Bebauung vom Rheinufer auch wieder: „Schade 2022 …§ 34 BauGB wir konnten nicht tun / haben dass nicht gewußt? Auf die Pläne hatten wir keinen Einfluss. Glaubt es uns.“

    Leute rauft euch zusammen, hier muss nicht nur drüber geredet werden. Zum Wohle von Bad Honnef und seiner Mitbürger sind Taten erforderlich.

    Danke dafür
    auch an alle Mitbürger in Politik und Verwaltung und auch den zahlreichen Ehrenämtlern!

    PS: Gibts eigentlich mittlerweile die Möglichkeit, öffentliche Sitzungen der Stadt Bad Honnef online zu verfolgen? oder ist das für uns immer noch „Neuland“? Für mehr Transparenz wäre ich dankbar.

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