Bonn – Der Rhein ist deutlich stärker mit menschengemachtem Müll belastet als bisherige Schätzungen vermuten ließen. Eine aktuelle Studie von Forschenden der Universitäten Bonn und Tübingen, der sowie des Kölner Vereins K.R.A.K.E. e.V. zeigt, dass täglich rund 53.000 Teile Makromüll den Rhein in Köln passieren. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das einem Gesamtgewicht von bis zu 3.391,8 Tonnen – ein Vielfaches früherer Annahmen.
Neue Methode, erschreckende Erkenntnisse
Bisher basierten Schätzungen zur Müllmenge im Rhein vor allem auf visuellen Zählungen vorbeischwimmender Teile. Doch diese Methode erfasst weniger auffällige oder tiefer schwimmende Abfälle kaum. Das Forschungsteam um Dr. Leandra Hamann (ehemals Universität Bonn, jetzt University of Alberta) setzte daher auf eine : Über 16 Monate sammelten Wissenschaftler:innen und Freiwillige des K.R.A.K.E. e.V. mithilfe der schwimmenden Müllfalle „RheinKrake“ auf einer Breite von drei Metern und einer Tiefe von 80 Zentimetern systematisch Makromüll – Abfälle größer als ein Zentimeter.
Das Ergebnis: 20.339 Müllteile aus neun Materialarten, klassifiziert in 183 Kategorien. Die Hochrechnung ergab, dass der Rhein in Köln täglich mit etwa 53.000 Müllteilen belastet wird. Pro Jahr summiert sich das auf 2.169 bis 3.391,8 Tonnen – je nach Szenario. „Auf den gesamten Rhein hochgerechnet, liegen wir damit um das “, erklärt Hamann.
Rund 70 Prozent der Müllteile bestehen aus Kunststoff, machen aber nur 15 Prozent des Gewichts aus. Der Rest setzt sich aus Textilien, Glas, Keramik und anderen Materialien zusammen. Besonders problematisch: Einwegprodukte – vor allem aus Plastik – machen 40 Prozent des gesammelten Mülls aus. „“, betont Katharina Höreth von der Universität Bonn. Die Forschenden fordern daher eine Ausweitung des Pfandsystems auf Flaschen und Verpackungen, um die Müllflut nachhaltig zu reduzieren.
Hauptverursacher: Privathaushalte und saisonale Spitzen
Über die Hälfte des Mülls stammt aus dem privaten Konsum: Holzstäbe von Feuerwerkskörpern, Glasflaschen und Plastikdeckel gehören zu den häufigsten Funden. Besonders nach Silvester oder bei steigenden Wasserpegeln spült der Fluss deutlich mehr Abfall ins Wasser. „Gezielte Reinigungsaktionen und die Leerung von Mülleimern vor Hochwasser könnten das Problem eindämmen“, schlägt Nina Gnann von der Universität Tübingen vor.
Handlungsempfehlungen: Pfand, Prävention, Verantwortung
Die Studie zeigt erste Lösungsansätze auf:
- Ausweitung des Pfandsystems auf weitere Einwegprodukte.
- Regelmäßige Reinigungsaktionen an Ufern und in Flüssen.
- Sensibilisierung der Bevölkerung für die Folgen von Müll im Wasser.
Nico Schweigert, Initiator der „RheinKrake“, betont: „Wir wollen nicht nur Müll sammeln, sondern auch das Verantwortungsbewusstsein bei Behörden und Bürger:innen wecken.“ Der Verein finanziert sich bisher durch Spenden und kooperiert mit lokalen Partnern wie der Kölner Rheinau-Marina.
Hintergrund: Bürgerwissenschaft für saubere Flüsse
Die „RheinKrake“ ist ein zur Müllforschung. Die Ergebnisse der Studie sind nun im Fachjournal „Communications Sustainability“ veröffentlicht. Beteiligt waren neben den Universitäten Bonn und Tübingen auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde und der K.R.A.K.E. e.V. – ein Verein, der sich seit Jahren für saubere Gewässer einsetzt.
Fazit: Die Studie beweist, dass die Müllbelastung des Rheins massiv unterschätzt wurde. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen droht die Verschmutzung weiter zu steigen – mit gravierenden Folgen für Ökosysteme und die Umwelt.
Publikation: Nina Gnann, Katharina Höreth, Nicolas Schweigert, Mariele Evers, Thomas A. Ternes, Leandra Hamann. „The river Rhine transports around 4,000 tons of macrolitter towards the North Sea each year.” Communications Sustainability, 2025, DOI: 10.1038/s44458-025-00007-5.
https://www.nature.com/articles/s44458-025-00007-5
Quelle: Pressemeldung der Universität Bonn / K.R.A.K.E. e.V.







