Bad Honnef. Volles Haus bei „Bühne 38“: Am Samstagabend, 24. Januar, war das Café „Pieke & Fein“ bis auf den letzten Platz gefüllt. Anlass war die Vernissage der Rheinbreitbacher Künstlerin Doris Lenz, die ihre aktuellen Arbeiten im Rahmen des Kulturprogramms präsentierte.
Die Ausstellung zeigt bis zum 20. März 2026 insgesamt 16 Schwarz-Weiß- und Farbzeichnungen. In ihrer reduzierten, an Scherenschnitte erinnernden Formensprache eröffnen sie eine fantasievolle Bildwelt, die Betrachterinnen und Betrachter zum genauen Hinsehen, Entdecken und Verweilen einlädt.

Im Zentrum der Ausstellung steht jedoch ein Objekt aus dem Werkzyklus „Kindsein – Spurensuche“, mit dem sich Doris Lenz intensiv mit prägenden Erfahrungen aus der Kindheit auseinandersetzt. Für die Künstlerin ist Kindsein eine Phase besonders intensiven Lebens – Erlebnisse und Eindrücke wirken weit über diese Zeit hinaus, im Positiven wie im Negativen.
Das Objekt „Langes Fädchen, faules Mädchen“ (2019) zieht allein durch seine Dimensionen Aufmerksamkeit auf sich. Eine umfunktionierte Kabeltrommel dient als überdimensionale Garnrolle, bestückt mit einem 200 Meter langen Tauwerkseil als „Nähgarn“. Ergänzt wird die Installation durch eine zwei Meter lange Nadel aus Edelstahl, gefertigt von einem Bad Honnefer Handwerker, sowie ein vergrößertes Original-Firmenlogo des traditionsreichen Nähgarnherstellers Amann.
Mit diesem Werk macht Doris Lenz die Macht pädagogischer Botschaften sichtbar, die Eltern – oft unbewusst – an ihre Kinder weitergeben. Der Titel greift ein altes deutsches Sprichwort auf, das aus der Zeit des handwerklichen Nähens stammt. Gemeint war damit der Vorwurf der Bequemlichkeit: Wer mit einem zu langen Faden nähte, wollte sich das häufige Neueinfädeln ersparen – mit dem Risiko des Verhedderns. Übertragen auf die Erziehung wurde daraus eine abwertende Zuschreibung.
Durch die monumentale Umsetzung wird spürbar, wie prägend und verletzend solche Worte für Kinder sein können und wie groß die gefühlte Unterlegenheit gegenüber der verbalen und physischen Überlegenheit Erwachsener ist. Doris Lenz versteht ihre Zeichnungen und Objekte zugleich als Einladung zum Dialog – und als Anstoß, Kommunikation zwischen Eltern und Kindern bewusster und positiver zu gestalten.
Die Ausstellung im „Pieke & Fein“ zeigt eindrucksvoll, wie Kunst persönliche Erinnerungen, gesellschaftliche Prägungen und aktuelle Fragen von Erziehung und Kommunikation miteinander verknüpfen kann.










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