Bonn/Rhein-Sieg – Der Einzelhandelsverband Bonn – Rhein-Sieg – Euskirchen e.V. (EHV) hat sich kritisch zu den geplanten Investitionen der Stadt Bonn in neue Büroausstattung geäußert. Hintergrund ist der Umzug der Stadtverwaltung in das neue Gebäude an der Oberkasseler Straße. Dort sollen nach Angaben des Verbandes rund 1,5 Millionen Euro in neue Möbel, darunter Bürostühle, investiert werden.
Der 1953 gegründete Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband des Einzelhandels in Bonn sowie den Kreisen Rhein-Sieg und Euskirchen vertritt die Interessen seiner Mitgliedsunternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Als Regionalverband des Handelsverband Nordrhein-Westfalen ist er Teil einer starken Verbandsstruktur. Auf Bundesebene bündelt der HDE – Handelsverband Deutschland in Berlin und Brüssel die Interessen von mehr als 400.000 Mitgliedsunternehmen.
Unter der Überschrift „Neue Stühle für die Verwaltung – leere Stühle in der Innenstadt?“ positioniert sich der Verband deutlich zur aktuellen Haushaltspriorisierung.
Alexander Jentsch, der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen, erklärt dazu:
„Gute Arbeitsplätze für die Verwaltung sind selbstverständlich wichtig. Aber in wirtschaftlich angespannten Zeiten müssen wir offen über Prioritäten sprechen.“
Während in den Büros neue Stühle angeschafft würden, kämpften viele Händler in der Bonner Innenstadt mit Frequenzrückgang, steigenden Kosten und strukturellen Herausforderungen.
„Die Innenstadt ist das Herz unserer Stadt. Wenn dort Stühle leer bleiben, verlieren wir weit mehr als Umsatz – wir verlieren Aufenthaltsqualität, Arbeitsplätze und Identität.“
Der Einzelhandelsverband stellt ausdrücklich klar, dass es nicht um eine Gegenüberstellung von Verwaltung und Wirtschaft gehe. Vielmehr brauche Bonn eine Prioritätensetzung, die den Standort insgesamt stärkt.
„1,5 Millionen Euro sind kein symbolischer Betrag. Das ist eine Summe, mit der man spürbare Impulse setzen könnte – für Veranstaltungen, Marketing, die Aufenthaltsqualität oder die gezielte Unterstützung kleiner Betriebe.“
Der Verband sieht Bonn grundsätzlich gut aufgestellt – mit Kaufkraft, internationaler Strahlkraft und hoher Lebensqualität. Doch diese Potenziale müssten aktiv genutzt werden.
„Eine starke Innenstadt finanziert am Ende auch eine starke Verwaltung. Deshalb sollte jede größere Ausgabe auch unter dem Gesichtspunkt der Standortwirkung betrachtet werden.“
Abschließend fordert der Einzelhandelsverband eine transparente Diskussion darüber, wie Investitionen künftig stärker an wirtschaftlicher Wirkung und Frequenzentwicklung ausgerichtet werden können.











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