Bad Honnef – Ohne die Kölner Stunksitzung gäbe es „Jeck Meck“ wahrscheinlich nicht. Damals, vor 43 Jahren, wurde in der Alten Mensa der Uni Köln beschlossen, dass Sitzungskarneval auch anders geht: politischer, frecher, unbequemer. Heute wird im E-Werk geschunkelt – alternativ, versteht sich.
Und in Bad Honnef? Da haben die Jecken Piraten ihren ganz eigenen Weg gefunden. Vom Partykeller eines Mexikaners über das Weinhaus Steinbach bis ins Lilo – das ist keine klassische Karriereleiter, sondern eine jecke Erfolgsgeschichte. Im Weinhaus war beim 200. Gast Schluss. Im Lilo stehen nun knapp 500 Plätze bereit. 499 Karten wurden verkauft.

Seit 15 Jahren machen die Piraten generationsübergreifend das, was man offiziell wohl jeck sein am Rhein nennt. Mit ihrer Sitzung zelebrieren sie ziemlich treffsicher Heimat-Satire. Vor zehn Jahren feierte „Jeck Meck“ Premiere. Damals standen die Kinder der Akteure noch etwas wackelig auf der Bühne. Heute studieren sie in Bonn, Köln oder sonst wo – aber wenn „Jeck Meck“ ansteht, sind sie zurück. Diesmal unter anderem als Dance Team. Karneval als Familienbetrieb mit Rückholgarantie.

Moderiert wurde der Abend von Stephan Gerwing. Westfale. Im rheinischen Karneval. Allein das ist schon Comedy. Dass er einmal eine Sitzung leiten würde, hätte er sich früher nicht träumen lassen. Inzwischen ist er womöglich der dienstälteste westfälische Sitzungsmoderator weit und breit, mutmaßt Michael Solzbacher. Der wiederum hatte vor 15 Jahren die Piraten aus der Taufe gehoben – und sammelt schon wieder Ideen für 2027, während andere noch das Konfetti aus den Haaren pulen.

Auf der Bühne: Klamauk mit Kalkül. Magic MAC ließ mit imaginären Illusionen 499 Menschen kollektiv an Dinge glauben, die es gar nicht gibt – also fast wie im Wahlkampf. Fastfood-Ferdi Mücürü verteidigte Döner, Fritten Rut Wiess und Pizza mit Champignon als Kulturgut.
Das „Ordnungsamp“ besang mit Krätzchen-Anmut die Freuden des Knöllchenschreibens:
„Hand in Hand am Straßenrand, schlendern wir Zwei fürs Ordnungsamt.
Un blievste im Parkverbot stehen und mir han dich jesehn,
dann krieste en Knöllchen-Problem. Ach ne, wat is dat schön“.

Und natürlich kam die Lokalpolitik nicht ungeschoren davon. Der alte und der neue Bürgermeister saßen im Saal – allerdings mit Sicherheitsabstand. Mindestens zehn Biertische trennten die beiden. Man könnte es diplomatische Pufferzone nennen. Oder einfach kölsche Sitzordnung mit Aussagekraft.
Was macht einen guten Bürgermeister aus? Musik muss er machen und Lebensfreude haben … Ob das reicht, wird sich zeigen.

Der Abend zeigte jedenfalls: Der alternative Sitzungskarneval ist zukunftssicher – wenn er gemacht wird wie Jeck Meck. Das Lilo hat sich als perfekte Bühne erwiesen: groß genug für 499 Jecke und atmosphärisch perfekt. Die Bad Honnefer Piraten haben nicht nur inhaltlich, darstellerisch und räumlich ihre Sitzung getoppt, sondern auch technisch. Dafür sorgte Ehrenmitglied Nico.
Keine Frage, dass im Anschluss noch eine gigantische After Show-Party im Lilo stattfand.

Wer 2027 wieder zehn Biertische Abstand zwischen einem alten und einem neuen Bürgermeister sehen will, sollte sich rechtzeitig um Karten kümmern. Und KGs, die eine ideale Eventlocation für ihre Sitzungen, Feiern und Feste suchen, sollten sich schnell einen Termin für die kommende Session sichern.










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