Bonn. Die geplante Ausstellung „SEX WORK – Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“ in der Bundeskunsthalle stößt auf wachsenden Widerstand. Insbesondere das Bündnis NRW pro Nordisches Modell erhebt schwere Vorwürfe gegen die Konzeption der Schau und fordert eine grundlegende Überarbeitung.
Nach Darstellung des Bündnisses werde in der Ausstellung ein verzerrtes Bild von Prostitution gezeichnet. Statt die Realität von Zwang, Gewalt, Menschenhandel und ökonomischer Abhängigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, drohe eine Verharmlosung des Systems. Kunst dürfe provozieren, so die Kritik – sie dürfe jedoch nicht dazu beitragen, Ausbeutungsverhältnisse zu relativieren.
Simone Kleinert vom Bündnis betont, Prostitution sei für viele Betroffene keine frei gewählte Tätigkeit. Häufig stünden Armut, fehlende Alternativen, Migration oder direkte Gewalt am Anfang. Eine Darstellung, die vor allem Aspekte von Selbstbestimmung hervorhebe, blende diese strukturellen Bedingungen aus und greife zu kurz.
Besonders kritisch sieht das Bündnis den kuratorischen Ansatz der Ausstellung. Diese entsteht in Zusammenarbeit mit einem Kollektiv forschender Sexarbeiter*innen und orientiert sich am Leitmotiv „Nichts über uns ohne uns“. Aus Sicht der Kritiker besteht die Gefahr, dass dadurch vor allem bestimmte Perspektiven dominieren, während Erfahrungen von Aussteigerinnen oder Betroffenen von Menschenhandel zu wenig berücksichtigt werden.
Auch die angekündigte kulturhistorische Herangehensweise wird hinterfragt. Die Darstellung historischer Figuren wie Hetären, Kurtisanen oder Tänzerinnen könne zur Romantisierung beitragen, wenn Machtverhältnisse und Abhängigkeiten nicht ausreichend beleuchtet würden. Das Bündnis befürchtet, dass dadurch ein Narrativ entstehe, das Prostitution als kulturell faszinierend darstellt, ohne die Rolle der Nachfrage – etwa durch Freier – angemessen zu thematisieren.
Die Bundeskunsthalle verfolgt mit der Ausstellung nach eigenen Angaben das Ziel, die Geschichte der Sexarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven darzustellen und dabei auch Stimmen von Sexarbeitenden selbst einzubeziehen. Neben kunst- und kulturhistorischen Aspekten sollen auch aktuelle gesellschaftspolitische Fragen sowie Themen wie Arbeits- und Menschenrechte aufgegriffen werden.
Die Kritiker halten dem entgegen, dass eine solche Darstellung nur dann angemessen sei, wenn sie die gesamte Bandbreite der Realität abbilde – einschließlich von Ausbeutung und Gewalt. Eine staatlich geförderte Kulturinstitution trage hier eine besondere Verantwortung.











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