Bad Honnef – Nordrhein-Westfalen plant die landesweite Einführung sogenannter ABC-Klassen, um die Sprachkompetenz von Kindern bereits im Jahr vor der Einschulung gezielt zu fördern. Das Landeskabinett hat den Weg für die Reform freigemacht. Ziel ist es, allen Kindern einen besseren Schulstart sowie faire Bildungs- und Entwicklungschancen zu ermöglichen.
Ministerpräsident Hendrik Wüst betonte bei der Vorstellung der Pläne in Düsseldorf die zentrale Bedeutung der Sprachkompetenz für den Bildungserfolg: „Unsere Kinder sind die Zukunft unseres Landes. Sie brauchen die bestmögliche Bildung. Um einen Bildungserfolg für alle zu ermöglichen, müssen Kinder das entsprechende Rüstzeug an die Hand bekommen. Grundvoraussetzung für erfolgreiches schulisches Lernen ist eine ausreichende Sprachkompetenz, denn ohne sie endet Bildung für viele Kinder, bevor sie so richtig begonnen hat.“
Die ABC-Klassen sind verpflichtende schulische Vorkurse im Schuljahr vor der Einschulung. Grundlage ist eine landesweit einheitliche Sprachstandsfeststellung bei der Schulanmeldung, die künftig vom Herbst auf das Frühjahr vor der Einschulung vorgezogen wird. Kinder mit festgestelltem Förderbedarf sollen in der Regel zweimal pro Woche jeweils zwei Stunden eine ABC-Klasse besuchen.
Schulministerin Dorothee Feller erklärte: „Mit verbindlichen ABC-Klassen setzen wir in Nordrhein-Westfalen einen neuen Maßstab für die frühzeitige schulische Sprachförderung. Aufbauend auf unserem klaren Schwerpunkt zur Stärkung der Basiskompetenzen in der Grundschule machen wir jetzt den nächsten großen Schritt, damit alle Kinder bei der Einschulung gut genug Deutsch können, um erfolgreich am Unterricht teilzunehmen.“
Der Landtagsabgeordnete und Bildungspolitiker Jonathan Grunwald aus Bad Honnef erklärt dazu: „Das Erlernen der deutschen Sprache ist das Fundament einer erfolgreichen Bildungslaufbahn eines jeden Kindes. Die Basis für einen guten Start in die Schule wird bereits vor dem Tag der Einschulung gelegt. Mit den ABC-Klassen schaffen wir ein verpflichtendes Angebot für alle Kinder und erreichen gerade auch diejenigen, die keinen Kindergarten besuchen.“
Die ABC-Klassen liegen in schulischer Verantwortung und werden von Grundschullehrkräften sowie sozialpädagogischen Fachkräften durchgeführt. Sie ergänzen die Bildungsarbeit der Kindertageseinrichtungen. Die Teilnahme ist verpflichtend; die Eltern tragen die Verantwortung für die regelmäßige Teilnahme ihrer Kinder.
Laut Schulministerium zeigen aktuelle Schuleingangsuntersuchungen, dass etwa ein Drittel der Kinder nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt. Feller sagte dazu:
„Zu viele Kinder bringen nicht alles mit, was für einen erfolgreichen Start in der Schule erforderlich ist, und benötigen deshalb vorab eine gezielte Vorbereitung auf den Schulstart.“
Zusätzlich sieht die Reform mit „ABC Plus“ die Möglichkeit vor, Kindern bei Bedarf von Beginn an mehr Zeit für die Schuleingangsphase zu geben. Die ersten verpflichtenden ABC-Klassen starten im Schuljahr 2028/29 für Kinder, die ab dem 1. August 2029 schulpflichtig werden.
Die entstehenden Mehrkosten für die kommunalen Schulträger will das Land über ein Belastungsausgleichsgesetz kompensieren. Der Gesetzentwurf geht nun in die Verbändebeteiligung und soll anschließend in den Landtag eingebracht werden.
Mit den ABC-Klassen setzt Nordrhein-Westfalen einen weiteren Schwerpunkt im Rahmen des Schulkompass NRW 2030 und reagiert damit auf die Ergebnisse aktueller Schulleistungsstudien. Ziel bleibt, allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft faire Startchancen im Bildungssystem zu sichern.










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