Bonn. Am Samstag, 7. März 2026, rufen verschiedene linke und antifaschistische Gruppen zu einer Vorabend-Demonstration in der Bonner Innenstadt auf. Unter dem Motto „Gemeinsam Antifeminismus bekämpfen!“ soll ab 20 Uhr auf dem Friedensplatz ein Zeichen gegen patriarchale Gewalt, Queerfeindlichkeit und rechte Hetze gesetzt werden.
Nach Angaben der Veranstalter*innen steht der Protest im Kontext einer aus ihrer Sicht erstarkenden antifeministischen Bewegung. Sie verweisen auf gestiegene Zahlen von Femiziden in Deutschland. Während 2023 statistisch noch etwa jeden dritten Tag eine Frau durch ihren (Ex-)Partner oder einen Mann aus dem nahen Umfeld getötet worden sei, habe sich die Zahl bis 2025 auf 251 getötete Frauen erhöht. „Der gefährlichste Ort ist für viele Frauen nicht die Straße, sondern das eigene Zuhause“, heißt es in der Mitteilung.
Auch queere Menschen sähen sich zunehmend Bedrohungen ausgesetzt. Von bundesweit 245 angemeldeten Christopher-Street-Days im Jahr 2025 seien nach Angaben der Initiative mindestens 110 durch rechte Gegenproteste gestört worden. In Bonn habe es 2025 eine rechte Gegendemonstration gegen „Beethovens Bunte“ auf dem Münsterplatz gegeben. Als besonders drastisches Beispiel nennen die Organisator*innen den Tod des trans Mannes Malte C., der 2022 nach einem Angriff beim CSD in Münster an seinen Verletzungen starb.
Antifeminismus zeige sich jedoch nicht nur auf der Straße, sondern auch im digitalen Raum. Dort verbreiteten sogenannte Incels, selbsternannte „Alphas“ oder Pick-Up-Artists entsprechende Ideologien. Gleichzeitig verweisen die Veranstalterinnen auf weltweite Konflikte und patriarchale Strukturen, die insbesondere FLINTA-Personen beträfen – etwa in der Ukraine, im Gaza, im Sudan, in Rojava, im Iran oder in Afghanistan.
Zugleich betonen sie auch feministische Erfolge. So sei 2024 der Paragraf 219a gestrichen worden, der Informationen über Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellte. Das frühere Transsexuellengesetz (TSG) sei durch das Selbstbestimmungsgesetz ersetzt worden. Internationale Aufmerksamkeit habe zudem 2025 der Vergewaltigungsprozess von Avignon erhalten, den Gisèle Pelicot öffentlich führte und damit eine breite Debatte über sexualisierte Gewalt anstieß.
Die Demonstration soll vom Friedensplatz durch Altstadt und Innenstadt führen. Im Anschluss ist dort ein Flashmob im Rahmen der internationalen Kampagne One Billion Rising geplant. Eine öffentliche Tanzprobe findet bereits am Freitag, 6. März, um 19 Uhr im Tanzlabor statt. Weitere Informationen und ein Tutorial sind online abrufbar.
Die Veranstalterinnen betonen zudem ihren Anspruch, einen solidarischen und sicheren Raum für alle Teilnehmenden zu schaffen – ausdrücklich auch für palästinensische sowie jüdische und israelische Aktivist*innen. Ziel sei eine feministische Solidarität, die unterschiedliche Perspektiven anerkennt und sich gemeinsam gegen Antifeminismus stellt.
Die Initiator*innen laden alle Interessierten ein, sich dem Protest anzuschließen und am Vorabend des Weltfrauentages sichtbar für Gleichberechtigung und gegen Gewalt einzutreten.











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