Bonn – Ende November läuft der Vertrag der Stadt Bonn mit dem Direktor des Kunstmuseums Bonn aus. Mit Blick auf einen reibungslosen Wechsel hatte der Rat im März 2024 Vertragseckpunkte für die künftige Intendanz beschlossen sowie die Einsetzung einer Expert*innen-Kommission, um die Verwaltung bei der Suche nach einer geeigneten Nachfolge zu beraten. Diese ist nun – auf Vorschlag der Findungskommission und nach Bestätigung durch den Rat der Stadt Bonn – mit Dr. Claudia Emmert gefunden. Sie wird somit ab dem 1. Dezember 2025 bis Ende 2033 die Nachfolge von Prof. Dr. Stephan Berg antreten.
Während seiner langen Amtszeit hat Prof. Berg das Kunstmuseum Bonn zu einem der führenden Museen Deutschlands und vielleicht Europas im Bereich der Malerei mit Schwerpunkt auf der Gegenwartsmalerei gemacht. Beispielgebend hierfür ist die wohl einmalige Ausstellung „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“, die von September 2019 bis Januar 2020 gezeigt wurde. Zwei Jahre lang besuchten Kurator*innen der beteiligten Museen – des Kunstmuseums Bonn, des Museums Wiesbaden und der Kunstsammlungen Chemnitz – junge Maler und Malerinnen, die um das Jahr 1980 geboren wurden, direkt in ihren Ateliers, um so eine Bestandsaufnahme zu erstellen.
Aber auch andere Positionen wurden unter seiner Regie in Bonn gezeigt, bekannte Vertreter*innen der Kunstgattung wie Katharina Grosse („Studio Paintings“), aber auch manche Neuentdeckung von Malerinnen und Malern in Deutschland, wie z. B. Tatjana Trouvé aus Italien („I Tempi doppi“, Januar bis Mai 2014) oder Juan Uslé aus Spanien („Dunkles Licht“, Februar bis Mai 2014). Dabei war es dem Team und Prof. Berg stets ebenso wichtig, den Sammlungsbestand gerade auch im Umfeld von August Macke zu ergänzen. Sie konnten und können sich dabei an so mancher Leihgabe erfreuen, wie etwa der Dauerleihgabe Alexej von Jawlensky, „Mädchen mit Zopf“ („eine Ikone der Moderne“) aus dem Besitz von Dr. Michael Reisen Hall, Sammler und Mäzen.

Naturgemäß wird Dr. Emmert in ihrer Arbeit andere Akzente setzen. In ihrer Zeit seit 2014 im Zeppelin Museum in Friedrichshafen, einem Zweispartenmuseum für Kunst und Technik, widmete sie sich vor allem innovativen Museumskonzepten, die wichtige gesellschaftliche Impulse formulieren. Sie freue sich, so erklärte sie in einer ersten Stellungnahme kurz nach ihrer Ernennung, über die großartige Aufgabe, die sie mit der Leitung des Kunstmuseums übernehme. Sie sei überzeugt, „dass sich verändernde Gesellschaften auch sich verändernde Museen benötigen. Gerade Museen seien Orte, an denen Zukünfte gedacht, Utopien entwickelt und Disruptionen erwogen werden.“
Und noch ein Zitat, diesmal aus der „taz“ vom 13. November 2020 in einem Gespräch mit Beate Scheder: „Ich glaube, dass Museen eine viel stärkere gesellschaftspolitische Rolle übernehmen müssen. Sie müssen ein Ort des Diskurses für aktuelle Fragestellungen werden, an dem Vergangenheit analysiert und daraus Rückschlüsse für unsere Gegenwart gezogen werden. Ein Museum muss auch immer ein globaler Ort sein, ein multikultureller, ein polyfoner Raum.“
Rolf Thienen











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