Weihnachten gilt in Deutschland als das wichtigste Fest des Jahres. Christinnen und Christen feiern die Geburt Jesu Christi, die Menschwerdung Gottes, verbunden mit der Hoffnung auf Frieden, Nächstenliebe und Versöhnung. Doch kaum ein anderes Weihnachtsfest der vergangenen Jahrzehnte steht in einem so scharfen Kontrast zur weltpolitischen Realität wie das heutige.
Die Welt ist aus den Fugen geraten. Kriege toben, neue Konflikte zeichnen sich ab. In Europa verteidigt sich die Ukraine nun schon seit vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Bei den Kämpfen im Gazastreifen mussten über 100.000 Menschen ihr Leben lassen. Bilder von Zerstörung, Leid und Tod sind Teil unseres Alltags geworden – flüchtig wahrgenommen zwischen Nachrichten, Terminen und Konsum. Wir sehen zu, oft ohnmächtig, manchmal abgestumpft, manchmal erschrocken darüber, wie schnell sich das Unfassbare normalisiert.
Besorgniserregend ist nicht nur die Gewalt selbst, sondern auch der Blick auf manche politischen Führer dieser Welt. Machtstreben, fehlende Empathie und offensichtliche Verantwortungslosigkeit scheinen zunehmend Einfluss auf die globale Entwicklung zu nehmen. Entscheidungen von enormer Tragweite werden getroffen, ohne Rücksicht auf menschliches Leid. Das nährt Ängste – nicht nur um die Gegenwart, sondern vor allem um die Zukunft.
Und dann ist da Weihnachten. Das „Fest der Liebe“, wie es oft genannt wird. Ein Fest, das von Frieden spricht, während Kriege eskalieren. Von Hoffnung, während Verzweiflung wächst. Von Gott – und doch scheint es, als bliebe eine Antwort auf das Übel in der Welt aus.
Weihnachten entzieht sich der Logik von Macht und Gewalt. Es stellt keine politischen Programme auf, beendet keine Kriege. Aber es stellt Fragen – an uns. Wie gehen wir mit Leid um? Wie viel Mitgefühl lassen wir zu? Wo übernehmen wir Verantwortung, statt sie an „die da oben“ abzugeben?
Gerade in dunklen Zeiten ist Weihnachten kein Fest der einfachen Antworten. Es sollte ein stiller Widerspruch gegen Gleichgültigkeit sein. Ein leiser Appell, Menschlichkeit nicht aufzugeben. Vielleicht ist das wenig angesichts der großen Katastrophen dieser Welt. Aber ohne diesen kleinen Anfang – im Denken, im Handeln, im Mitgefühl – wird es keine größere Veränderung geben.
Auch Weihnachten 2025 erinnert uns daran, dass Frieden nicht vom Himmel fällt. Er beginnt dort, wo Menschen sich nicht damit abfinden, dass Gewalt und Hass das letzte Wort haben. Für die Demokratie gilt das auch.











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