Bad Honnef / Rhein-Sieg-Kreis. Bezahlbarer Wohnraum wird im Rhein-Sieg-Kreis immer knapper – mit spürbaren Folgen auch für Bad Honnef. Besonders junge Menschen in Ausbildung sowie ältere Menschen im Ruhestand geraten zunehmend unter Druck. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Köln-Bonn unter Berufung auf den aktuellen „Sozialen Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts hin.
Azubis finden kaum bezahlbare Wohnungen
Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es rund 7.380 Auszubildende. Viele von ihnen wohnen noch bei den Eltern – häufig nicht freiwillig. Grund sind die hohen Mieten und der Mangel an kleinen, bezahlbaren Wohnungen. „Eine eigene Wohnung oder auch nur ein WG-Zimmer ist für viele Azubis finanziell nicht machbar“, sagt Mehmet Perisan, Bezirksvorsitzender der IG BAU Köln-Bonn.
Das habe auch Auswirkungen auf Betriebe in Städten wie Bad Honnef: Ausbildungsverträge kämen teilweise nicht zustande, weil junge Menschen keine Wohnung in der Nähe ihres Ausbildungsplatzes finden. „Wenn Ausbildungen am Wohnungsmarkt scheitern, ist das ein ernstes Problem für die regionale Wirtschaft“, warnt Perisan.
Die IG BAU fordert deshalb Förderprogramme von Bund und Land Nordrhein-Westfalen für den Neubau von Azubi-Wohnungen – vor allem im Umfeld von Ausbildungszentren. Auch steuerliche Anreize für Unternehmen, die Wohnraum für ihre Auszubildenden bereitstellen, seien sinnvoll. Ähnliche Engpässe gebe es zudem bei Studierenden.
Steigende Mieten: Gefahr von Wohnarmut im Alter
Neben jungen Menschen sind auch ältere Bürgerinnen und Bürger betroffen. Im Rhein-Sieg-Kreis leben rund 80.700 Baby-Boomer, die bis 2035 vollständig in Rente gehen werden. Viele von ihnen erhalten nur niedrige Renten – oft aufgrund früherer Arbeitslosigkeit oder langjähriger Beschäftigung im Niedriglohnbereich.
„Die Mieten steigen seit Jahren. Viele werden sich ihre bisherige Wohnung im Alter kaum noch leisten können“, so Perisan. Die IG BAU warnt vor einer zunehmenden „Wohnarmut im Alter“, die auch Städte wie Bad Honnef vor große soziale Herausforderungen stellen könne.
Mehr Sozialwohnungen als Schlüssel
Um den Wohnungsmarkt zu entlasten, fordert die IG BAU einen massiven Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. Der „Soziale Wohn-Monitor“ nennt als Ziel eine Verdopplung der Sozialwohnungen bundesweit auf zwei Millionen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts.
Für Nordrhein-Westfalen bedeute das konkret: Bis 2035 müssten landesweit 454.900 Sozialwohnungen zur Verfügung stehen – rund 17.900 neue pro Jahr. Dafür seien umfangreiche Fördermittel von Bund und Land notwendig, die bereits zum Baubeginn bereitgestellt werden müssten.
Günstiger bauen und Transparenz schaffen
Ein weiterer Ansatzpunkt sei das sogenannte „Erleichterte Bauen“. Durch einfachere Standards könnten Baukosten gesenkt und mit den vorhandenen Mitteln mehr Sozialwohnungen realisiert werden – bei weiterhin guter Qualität.
Zudem fordert die IG BAU eine öffentliche Statistik für Nordrhein-Westfalen, aus der monatlich hervorgeht, wo wie viele Sozialwohnungen neu gebaut werden. Das sei wichtig, um Fortschritte messbar zu machen und politischen Handlungsdruck zu erzeugen.











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