Foto: Israel Government Press Office

Bad Honnef – Am 5.2.2020 gastieren die hannoverschen Kammerspiele mit einer szenischen Lesung im Internat Schloss Hagerhof. Thema: Das Eichmann-Protokoll- „Arzt hätt‘ ich nicht werden dürfen“

„Das sind keine persönlichen Entscheidungen gewesen. Wäre ich nicht dort gewesen, irgendjemand anderer hätte genau dieselben Entscheidungen treffen müssen, auf Grund der vorliegenden Weisungen, Verordnungen und Erlasse …“

Der Inbegriff des Schreibtischtäters: Adolf Eichmann (1906-1962). Er war SS-Obersturmbannführer und zentrale Figur bei der Organisation der Judenvernichtung, wurde 1960 nach Israel entführt und dort zwei Jahre später hingerichtet. Die szenische Lesung der hannoverschen Kammerspiele zeigt Auszüge aus den Verhörprotokollen: Rechtfertigungen eines Mannes, der jegliche Verantwortung von sich weist. Die szenische Lesung mit anschließender Nachbesprechung thematisiert nicht nur die Untertanenmentalität, die mit dem Dritten Reich keineswegs ausgestorben ist, sondern grundlegende Fragen von Verantwortung und Verdrängung, Hinterfragung und Handlungsspielräumen.

Die mobile Produktion ist auf die Aufführung in Schulen zugeschnitten. Bühnenbild und Requisite spielen keine bedeutende Rolle, das ebenso eindringliche wie ungeheuerliche Textmaterial spricht für sich. Die Inszenierung macht historische Zusammenhänge deutlich und stellt zugleich die Frage nach dem Heute.

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