Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Bad Honnef. Ein besonderer Baum und ein besonderes Jubiläum: Vor 150 Jahren, am 3. Juli 1876, pflanzte der damalige Kronprinz Wilhelm, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm II., im Annatal die heute als „Kaisereiche“ bekannte Eiche. Ein Gedenkstein am Fuße des mächtigen Baumes erinnert bis heute an dieses historische Ereignis. Aus Anlass des Jubiläums luden der Rommersdorf-Bondorfer Bürgerverein und der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) Freitagabend gemeinsam zu einem kleinen Waldfest ein.
Die Verbindung des späteren Kaisers zu Honnef reicht bis in seine Jugendzeit zurück. Während seines zeitweisen Studiums in Bonn soll der Kronprinz regelmäßig Gast in der Villa Schaaffhausen gewesen sein. Besonders angetan hatte es ihm nach historischen Überlieferungen das Annatal mit seinen gepflegten Wegen und seiner idyllischen Landschaft. Zeitzeugenberichten zufolge wurde der Kronprinz bei seinen Spaziergängen von einem Gärtner der Villa Schaaffhausen begleitet, der den Weg vor ihm von Ästen und Unrat befreite.
Bürgermeister Philipp Herzog besuchte das Waldfest mit Frau und Kind, Dieter Kreutz vom Heimat- und Geschichtsverein berichtete über die Besuche des späteren Kaisers in Rommersdorf und Honnef. Im Anschluss gab der Vorsitzende des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge, Stephan Schütte, Einblicke in die Kultur- und Naturgeschichte der Eiche – einer Baumart, die seit Jahrhunderten als Symbol für Beständigkeit, Kraft und Heimatverbundenheit gilt.
„Die Beziehung von uns Deutschen zu unserem Wald ist tief in unserer Geschichte und Kultur verwurzelt“, betonte Schütte. Bereits der römische Historiker Tacitus habe vor rund 2.000 Jahren die ausgedehnten germanischen Wälder beschrieben, die für die Römer gleichermaßen bedrohlich wie unzugänglich gewesen seien. Diese Wälder hätten entscheidend dazu beigetragen, dass die germanischen Stämme unter Arminius in der Varusschlacht die römischen Legionen besiegen konnten.
Auch die Christianisierung Deutschlands sei eng mit der Eiche verbunden gewesen. So habe Bonifatius, der „Apostel der Deutschen“, die legendäre Donareiche bei Fritzlar gefällt, um den Übergang vom germanischen Heidentum zum Christentum zu symbolisieren. In der Romantik sei die Eiche schließlich erneut zum Sinnbild deutscher Identität geworden.
Im Mittelalter wurde der Wald zur wichtigsten Rohstoffquelle. Insbesondere die Eiche spielte dabei eine herausragende Rolle: Ihr hartes und dauerhaftes Holz wurde für Fachwerkhäuser verwendet, ihr Holz diente dem Fassbau für den Weinbau, und ihre Früchte, die Eicheln, waren eine wichtige Nahrungsquelle für die Schweinemast. „Auf den Eichen wächst der beste Schinken“, erinnerte der Redner an ein altes Sprichwort.
Heute nimmt die Eiche im Siebengebirge einen Flächenanteil von rund 25 Prozent ein – mit steigender Tendenz. Angesichts des Klimawandels gelte die Eiche als deutlich widerstandsfähiger als andere heimische Baumarten, insbesondere die Buche. Zudem sei sie von herausragender Bedeutung für die biologische Vielfalt: Mehr als 500 Käferarten leben an und mit Eichen, hinzu kommen zahlreiche Vogel-, Fledermaus- und Insektenarten.
„Die Eiche ist ökologisches Gold“, betonte der VVS-Vorsitzende. Umso wichtiger sei es, alte Eichenbestände zu erhalten und jungen Eichen eine Zukunft zu ermöglichen. Im Siebengebirge stehen bereits rund 1.000 Hektar Wald als Wildnisgebiete unter besonderem Schutz, davon mehr als die Hälfte im Eigentum des VVS. Dort werde auf jede forstliche Nutzung verzichtet, damit die Bäume ein hohes Alter erreichen können.
Auf den übrigen Waldflächen werde weiterhin naturnahe Forstwirtschaft betrieben. Nach den Schäden durch die Borkenkäferjahre zwischen 2018 und 2022 seien zahlreiche junge Eichen gepflanzt worden. Damit diese eines Tages ebenfalls ein Alter von mehreren Jahrhunderten erreichen können, müsse der Klimawandel jedoch entschlossen bekämpft werden.
Mit Blick auf die mächtige Kaisereiche äußerte der Redner die Hoffnung, dass auch in 150 Jahren noch Menschen an diesem Ort zusammenkommen werden: „Dann können unsere Nachfahren im Jahr 2176 das 300-jährige Jubiläum der Kaisereiche feiern.“
Zum Abschluss dankte er allen Helferinnen und Helfern des Bürgervereins, den ehrenamtlichen Unterstützern des VVS sowie den Organisatoren des kleinen Waldfestes, das an einem der schönsten Plätze des Siebengebirges einen würdigen Rahmen für das besondere Jubiläum bot.









