Bad Honnef/Alfter. Zwei neue Professoren übernehmen eine von Sonett unterstützte Professur: Johanna Hueck und Jens Heisterkamp sollen die philosophischen Grundlagen, die historische Entwicklung und die gesellschaftliche Praxis der Anthroposophie wissenschaftlich untersuchen. 2027 verlegt die Hochschule ihre gesamten Angebote an den Standort Bad Honnef.
Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter baut ihre Forschung zur Anthroposophie aus. Mit Dr. Johanna Hueck und Dr. Jens Heisterkamp hat die Hochschule zwei neue Professoren berufen, die unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven einbringen sollen.
Die Berufungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem Rudolf Steiners Welt- und Menschenbild, das unter anderem die Waldorfpädagogik prägt, verstärkt öffentlich diskutiert und kritisch hinterfragt wird. Auch der Wissenschaftsrat hatte im Rahmen früherer Akkreditierungen der Hochschule auf die Bedeutung einer vertieften kritisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Anthroposophie hingewiesen.
Philosophische Grundlagen und eigenständiges Denken
Dr. Johanna Hueck übernimmt die Professur für Philosophie, insbesondere philosophische Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie. In Forschung und Lehre will sie sich unter anderem mit der Frage beschäftigen, wie eigenständiges, kreatives Denken gefördert werden kann und welchen Beitrag die Anthroposophie dazu leisten könnte.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die historische Einordnung von Steiners Denken. Dazu untersucht Hueck philosophische Quellen der Anthroposophie und vergleicht Steiners Positionen mit anderen philosophischen Ansätzen.
Hueck promovierte 2021 an der Universität Freiburg mit einer Arbeit über das Denken des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Zuvor hatte sie von 2010 bis 2013 an der Alanus Hochschule mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Philosophie studiert. Von 2019 bis 2026 war sie am Philosophischen Seminar e. V. in Stuttgart tätig.
Soziale Dreigliederung und gesellschaftliche Praxis
Dr. Jens Heisterkamp übernimmt die Professur für Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie und ihrer Praxisfelder. Er will sich unter anderem mit Rudolf Steiners Konzept der sozialen Dreigliederung beschäftigen, das dieser 1918/19 vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs und der politischen Umbrüche in Deutschland entwickelte.
Steiner verband damit die Vorstellung einer grundlegenden Neuordnung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Heisterkamp will die historischen Voraussetzungen und praktischen Umsetzungsversuche dieses Konzepts untersuchen. Auch die Bedeutung der Kunst für gesellschaftliche Entwicklungen gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten.
Heisterkamp studierte Geschichte und Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte 1988 über Rudolf Steiners Geschichtsauffassung. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war er in der anthroposophischen Erwachsenenbildung, der Heilpädagogik und als Waldorflehrer tätig. Seit 1995 arbeitet er für die Zeitschrift info3, deren Chefredakteur er heute ist.
Nachfolge von Wolf-Ulrich Klünker
Hueck und Heisterkamp teilen sich die von der Firma Sonett unterstützte Professur. Sie treten die Nachfolge von Prof. Dr. Dr. Wolf-Ulrich Klünker an, der diese seit 2014 innehatte.
Mit den beiden Berufungen will die Alanus Hochschule ihre Arbeit zu den philosophischen Grundlagen, der historischen Entwicklung und den gesellschaftlichen Anwendungsfeldern der Anthroposophie fortsetzen.
Quelle: Alanus Hochschule (redaktionell bearbeitet)









