Bad Honnef-Rhöndorf – Seit 2017 ist die Neue Kapelle auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf wegen baulicher Mängel gesperrt. Die örtliche Topographie (Hanglage), eine fehlerhafte Entwässerung und eine mangelhafte Abdichtung waren laut Stadt die Ursache dafür, dass regelmäßig vom Hang abfließendes Wasser ins Erdgeschoss der Kapelle eindrang, über die Wendeltreppe ins Untergeschoss lief und dort wieder aus dem Gebäude in Richtung Löwenburgstraße austrat. Die dauerhafte Durchfeuchtung hatte an mehreren Stellen Beschädigungen der Bausubstanz und die Bildung von Schimmel zur Folge.
Die Stadt führte dringend erforderliche statische Sicherungsmaßnahmen an der Kapelle durch. Nun muss sowohl über den weiteren Umgang mit dem Objekt entschieden werden, als auch über die Errichtung einer öffentlich zugänglichen barrierefreien Toilette.
Auf dem Waldfriedhof finden nach Zahlen der Stadt jährlich 60 Beerdigungen statt. Bei der Hälfte der Beerdigungen wurde die Trauerhalle genutzt. Perspektivisch geht die Verwaltung von einem weiteren Rückgang bei der Inanspruchnahme der Halle aus.
Nun beabsichtigt die Stadt, die Kapelle ab der Decke über dem Untergeschoss abzureißen. Zur Toilettenanlage macht sie den Vorschlag, die bestehende WC-Anlage barrierefrei umzubauen. Bei den Baukosten geht die Verwaltung von 207.700 EUR brutto und bei den jährlichen Folgekosten von 14.000 EUR aus.
Aber es gibt zwei weitere Optionen. Bei der ersten könnte die Kapelle so weit wieder hergestellt werden, dass Trauerfeiern stattfinden können. Einschließlich der barrierefreien Toilette schlügen bei diesem Modell 353.510 EUR an Baukosten zu Buche, die Folgekosten gibt die Stadt mit 20.000 EUR jährlich an. 172.970 EUR müssten aufgebracht werden, wenn die Kapelle bis auf die Lagerräume im Untergeschoss abgerissen und die vorhandene Toilette ersatzlos zurückgebaut würde.
Mehr oder weniger schockiert reagierte der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf auf die Friedhofsperspektiven und appelliert in einem Brief an Bürgermeister Otto Neuhoff, die Neue Kapelle zu erhalten und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.
Die Kapelle sei ein bedeutendes historisches und kulturelles Erbe, betont der 1. Vorsitzende, Patrick Pieper. Sie habe nicht nur architektonischen Wert, sondern sei auch ein Ort des Gedenkens,
der Trauer und des Trostes für viele Rhöndorferinnen und Rhöndorfer. „Gerade in unserer heutigen Zeit, in der Orte der Stille und Besinnung immer wichtiger werden, sehen wir den Verlust dieses Gebäudes als äußerst bedauerlich und inakzeptabel an“, so Pieper weiter. „Die Komplettsanierung der Kapelle mag zwar die kostenintensivste Lösung sein, doch wir sind der Überzeugung, dass die langfristigen Vorteile – sowohl in funktionaler als auch in kultureller Hinsicht – diese Investition rechtfertigen“. Der Bürger- und Ortsverein unterstütze deshalb die Komplettsanierung der Kapelle und den Umbau der bestehenden WC-Anlagen zu einer barrierefreien Toilette.
2020 – Mit Renate Mahnke auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf
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Wird die Kapelle abgerissen, war die bereits erfolgte aufwendige Ertüchtigung des Tragwerks sinnlos und wir verlieren einen wichtigen Begegnungs- und Ruheort für die Öffentlichkeit sowie sämtliche Ressourcen die in den Bau der Kapelle gegangen sind!
Die Schäden betreffen insbesondere den unteren Bereich der Kapelle, der Vorschlag der Verwaltung nun den oberen Bau, also die gesamte Kapelle abzureißen, löst doch nicht die Probleme. Das Sockelgeschoss muss so oder so saniert werden, das ist auch Konsens bei der Stadtverwaltung. Die Kapelle oben drauf wäre über einen längeren Zeitraum schrittweise und mit Bedacht sanierfähig. Es wurde jahrelang behauptet, durch konstruktive Fehler würde Wasser eindringen. Doch ich kann bezeugen, dass nicht einmal trotz vieler Hinweise in regelmäßigen Abständen die Regenrinne gereinigt wurde. Sie ist mittlerweile komplett undicht und durch ein zerstörtes Rohr schießt seit Jahren wissentlich das Wasser in die Kapelle hinein. Durch die Entfernung der kompletten vorderen Fassade und der unsachgemäßen Baustellensicherung gelangt nun viel mehr Wasser in das Untergeschoss. Wohin soll das Wasser auch wandern, das Entwässerungssystem durch mangelnde Wartung und Pflege defekt. Bis vor kurzem konnte man sich das ja alles genau anschauen, nun wurde eine Bauplane vor die Kapelle gehangen, ganz nach der Vorstellung: „Aus den Augen, aus dem Sinn“!
Die Stadt muss dringend den Umgang mit ihren Ressourcen und ihrem kulturellem Erbe überdenken, sonst stehen wir bald nur noch vor Ruinen und leeren Brachen wo einst unsere wertvollen Gebäude standen. Schade!
„Die Stadt muss dringend den Umgang mit ihren Ressourcen und ihrem kulturellem Erbe überdenken, sonst stehen wir bald nur noch vor Ruinen und leeren Brachen wo einst unsere wertvollen Gebäude standen.“
Das ist nicht nur Schade, es ist sehr traurig. Vor allem, wenn die Beobachtung von Tizian Rein richtig ist, dass noch nicht mal die Regenrinne gereinigt wurde. Gerade weil ich eben noch den Artikel über den funktionierenden Notfall-Plan im Strom- und Kommunikationsbereich gelesen habe, erinnert mich das an ein, hier zutreffendes, Sprichwort: „Was sie mit den Händen aufbauen, stoßen sie mit dem Hinten wieder um.“
Viele, vor allem politische, Parteien rühmen sich vor ihren Wählern, dass Steuern gesenkt, mindestens aber nicht erhöht worden sind. Was soll diese Augenwischerei? Sowas kommt von sowas