Bad Honnef-Rhöndorf. Als die weiße Pudeldame Rosi ihre Pfote auf Sabrinas Hand legt, ist das weit mehr als eine liebevolle Geste. Für die 32-jährige Rhöndorferin bedeutet dieser Moment Sicherheit, Stabilität und die Chance auf ein selbstbestimmteres Leben. Möglich wurde dies durch eine außergewöhnliche Spendenaktion der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bad Honnef und der Bürgerstiftung Bad Honnef.
Vor rund einem Jahr hatten beide Organisationen gemeinsam das Ziel ausgegeben, die Finanzierung eines Assistenzhundes für Sabrina zu ermöglichen. Heute zeigt sich, wie erfolgreich diese Initiative war: Rosi begleitet ihre Besitzerin inzwischen täglich und hilft ihr dabei, schwere Krisensituationen zu bewältigen.
Sabrina leidet infolge schwerer Gewalterfahrungen und Missbrauchs in ihrer Kindheit an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Die Erkrankung führt immer wieder zu sogenannten Dissoziationen, bei denen Betroffene die Orientierung verlieren und sich selbst gefährden können. Obwohl Ärzte und Psychotherapeuten die Notwendigkeit eines Assistenzhundes mehrfach bestätigten, lehnte die Krankenkasse eine Kostenübernahme ab.
Die Anschaffung und Ausbildung eines speziell geschulten Assistenzhundes kostet rund 32.000 Euro – eine Summe, die für Sabrina allein nicht zu stemmen gewesen wäre. Deshalb initiierte die stellvertretende AWO-Vorsitzende Inge Ivan gemeinsam mit der Bürgerstiftung Bad Honnef eine Spendenaktion.
Die Resonanz war beeindruckend: Insgesamt 113 Spenderinnen und Spender beteiligten sich an der Aktion. Auf diese Weise kamen 24.000 Euro zusammen. Weitere 8.000 Euro brachte Sabrina selbst auf. Damit war die Finanzierung gesichert.
Noch bevor die gesamte Summe vollständig eingegangen war, begann die aufwendige Suche nach dem passenden Hund. Nach zahlreichen Gesundheitsuntersuchungen und Eignungstests fiel die Wahl schließlich auf die Pudeldame Rosi. Gemeinsam mit einem österreichischen Züchter und Trainer wurde sie gezielt auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet.
Heute unterstützt Rosi ihre Besitzerin in kritischen Situationen auf vielfältige Weise. Sie erkennt frühzeitig Anzeichen einer Krise, legt sich auf Sabrina oder ihre Hände, um sie zurück in die Gegenwart zu holen, bringt Medikamente und warnt, wenn Gefahr besteht. Dadurch kann Sabrina inzwischen wieder viele Dinge selbstständig erledigen, die zuvor kaum möglich waren – etwa allein einkaufen zu gehen oder sich sicher im öffentlichen Raum zu bewegen.
Wie groß die Veränderung ist, zeigte sich besonders während der vergangenen Pfingstzeit. In den Jahren zuvor waren diese Tage für Sabrina häufig mit schweren Belastungen und Klinikaufenthalten verbunden. In diesem Jahr blieb sie erstmals stabil.
„Diese Spendenaktion war das Beste, was wir tun konnten. Der Erfolg ist unübersehbar“, sagt Inge Ivan rückblickend.
Für Sabrina bedeutet die Unterstützung weit mehr als die Anschaffung eines Hundes. Sie hat neue Perspektiven gewonnen und blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Ihr Wunsch ist es, ihr unterbrochenes Studium der Sozialen Arbeit wieder aufzunehmen. Langfristig möchte sie selbst Menschen begleiten und unterstützen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie sie.
Die Geschichte von Sabrina und Rosi zeigt eindrucksvoll, was gemeinschaftliches Engagement bewirken kann – und wie aus einer erfolgreichen Spendenaktion neue Hoffnung und Lebensqualität entstehen.
red / Bürgerstiftung Bad Honnef










