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Bad Honnef-Rhöndorf – Tizian Rein brachte den Stein ins Rollen. Der Unternehmer, Künstler und Architekturstudent aus Rhöndorf entdeckte in einem Container am Rhöndorfer Waldfriedhof die zu Kleinholz gemachten Stühle aus der Kapelle – vermutlich wurden alle 42 zerstört (Honnef heute berichtete). Es handelte sich um Designerstühle, die einen Schätzwert von 500 EUR pro Stück haben.
Tizian Rein ist der Enkel von Hans Uwe Rein. Der Großvater hatte die Pläne für die neue Kapelle auf dem Waldfriedhof entworfen, ein Gebäude, das nicht nur von einem einmaligen Stil geprägt ist, sondern auch bis ins kleinste Detail durchdacht wurde. Leider wurde es nicht entsprechend gepflegt, sodass es die Stadt sogar abreißen wollte. Nur durch den Protest des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf und von anderen konnte das verhindert werden.
Mit großer Leidenschaft verfolgt Tizian Rein die Entwicklung der Kapelle und machte die vollkommen intakten Stühle sauber, als es sie noch gab, in der Hoffnung, dass sie bald wieder benutzt werden könnten. Ein Trugschluss, wie sich später herausstellte.
Doch der Enkel des Planers tat noch mehr und machte der Stadt das Angebot, bei der Sanierung kostenlos mitzuhelfen. Immerhin ist er vom Fach und wie kein anderer vertraut mit der Planung der Kapelle. Er bot sogar an, die Regenrinne zu säubern. Die ist immer noch verstopft, sodass Wasser weiterhin ins Holz fließt, was die Sanierung nicht leichter macht.
Statt Reins Angebot dankbar anzunehmen, machte die Verwaltung ihm barsch klar, sie sei an einer Zusammenarbeit nicht interessiert. Dafür wies sie ihn darauf hin, dass sie von einer Strafanzeige u. a. wegen Hausfriedensbruch zunächst absehe, schließlich sei das Gebäude aufgrund starker Kontamination gesperrt. Immerhin hat Rein als Erbe von Planer Hans Uwe Rein hinsichtlich von gestalterischen Veränderungen vermutlich sogar Urheberechte, die er in Anspruch nehmen könnte.
Es ginge um Schimmel, deshalb seien auch die Stühle entsorgt worden. Immerhin gab die Stadt zu, dass der mögliche Wert der Stühle den zuständigen Mitarbeitern nicht bekannt gewesen sei.
Nach Honnef heute griffen auch andere Medien das Thema auf. Der Fall „Waldfriedhof“ dürfte noch nicht abgeschlossen sein.

Im kommenden Jahr würde Konrad Adenauer, der auf dem Friedhof die letzte Ruhe gefunden hat, 150 Jahre alt. Große Feierlichkeiten stehen also bevor. Bis dahin müsste nicht nur die neue, sondern auch die alte Kapelle saniert sein. Die befindet sich ebenfalls aufgrund mangelnder Pflege in einem katastrophalen Zustand und liegt nahe dem Grab des früheren Kanzlers.
Nahe liegt jetzt auch eine Namensänderung in Bundeskanzler-Konrad-Adenauer-Friedhof. Immerhin sollen die beiden Bad Honnefer Bahnhöfe diesen Zusatz anlässlich des 150. Jahresjubiläums von Adenauer im nächsten Jahr erhalten. Über eine weitergehende Nutzung der Friedhofshalle könnte auch nachgedacht werden, beispielsweise eine kulturelle: Der Friedhof lebt! Und was die Kosten angeht: Die Stadt spricht bei der Kapelle von 60 Beerdigungen im Jahr. Pro Nutzung müssen 216 EUR bezahlt werden. So gesehen gibt es ja auch jährliche Einnahmen von fast 13.000 EUR. Und bei der denkmalgeschützten traumhaften Anlage könnte doch auch über eine Stiftung nachgedacht werden.
Ich nehme an, dass die Denkmalpflege die Sanierung begleitet. Bei einem sachkundigen Blick (vor Ort!) wäre doch zu erwarten gewesen, dass das Mobiliar in seinem Wert und seiner Zugehörigkeit zum Denkmal erkannt wird.