Fahrradfreundliche City: Chance für mehr Umsatz?

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Bad Honnef – Viele Innenstädte kämpfen ums Überleben. Auch in Bad Honnef ist es für den Einzelhandel nicht einfach. Corona dürfte die wirtschaftliche Lage in manchen Fällen noch verschlechtert haben. So konnten auch wirksame Marketing- und Verkaufsaktionen wie Märkte und City-Feste 2020 nicht stattfinden. Ob in diesem Jahr noch etwas geht, bleibt abzuwarten.

Allgemein werden in Bad Honnef fehlende Parkplätze reklamiert. Dabei denkt man sofort an Parkplätze für Autos. Inwieweit das 2017 vom Rat beschlossene Parkraumbewirtschaftungskonzept mehr Kunden in die City gelockt hat, ist nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage von „Honnef heute“ im vergangenen Jahr blieb unbeantwortet.

Die Frage ist, ob neben einer vernünftigen Parkraumsituation für PKW nicht auch eine fahrradfreundliche Innenstadt zu besseren Umsatzergebnissen beim Handel führen würde. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club NRW (adfc) meint, das könnte funktionieren. Zwar bestreitet der Club Erfahrungen nicht, dass Radfahrer im Schnitt pro Einkauf weniger ausgeben als Kunden, die das Auto nutzen. Aber: Dafür gingen sie in der Woche etwa doppelt so häufig einkaufen wie Autofahrer.

Dass Fahrradfahrer durchaus ein Motor für eine Belebung von Einkaufszeilen sein können, hat auch eine Untersuchung der University of Toronto ergeben. Darüber berichtet die WELT. In einer Verkaufsstraße ersetzte die Stadt Toronto 136 Autoparkplätze auf einer Strecke von 2,4 Kilometern mit Radwegen. Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob die Annahme von Ladenbesitzern richtig sei, dass ihre Verkäufe zurückgehen würden, wenn es für ihre Kunden weniger einfach wird, direkt vor Ort zu parken.

Ergebnis: Der Anteil von Shoppern, die mit dem Auto zum Einkaufen kamen, blieb gleich, der Anteil von Radfahrern stieg hingegen von acht auf 22 Prozent. Fazit der Wissenschaftler: Der Effekt der neuen Radwege auf die lokale Wirtschaft sei neutral bis positiv.

Einen weiteren interessanten Fakt, dass eine bessere Fahrradinfrastruktur in der Innenstadt zur Belebung der Wirtschaft beitragen könnte, liefert die European Cyclists‘ Federation. Der frühere adfc-Landesvorsitzende NRW, Thomas Semmelmann, zitiert ECF wie folgt: „Die Umnutzung eines Parkplatzes kommt gleich mehreren Radfahrern zu Gute und erhöht die Kundenrentabilität pro Quadratmeter“.

In Bad Honnef könnte man dementsprechend schon viel für eine lebendigere Innenstadt tun, würde FahrradfahrerInnen das sichere Abstellen ihrer Zweiräder in der City ermöglicht. Denn auch bei ihnen gilt: Wenn ich nicht weiß, wohin mit meinem Fahrzeug, bleibe ich zu Hause – oder fahre woanders hin.

Der Lockdown geht, der Sommer kommt. Die Umwandlung von ein oder zwei PKW-Parkplätzen sollte kurzfristig möglich sein, zumal nach wie vor häufig kostenpflichtige Autoparkplätze unbesetzt bleiben.

Was ist Ihre Meinung: Würden sichere Abstellplätze für Fahrräder in der City zur Belebung der Innenstadt beitragen?

 

 

2 Kommentare

  1. Es hat keinen Sinn, schneller zu laufen, wenn man in die falsche Richtung läuft. Mit dem sog. Parkraumkonzept war man schon auf dem Holzweg, die vorliegende Idee bedeutet Holzweg zum Quadrat.

  2. Am Parkraumkonzept gibt es noch so Einiges zu ändern, auch wenn wir um Erfahrungswerte nicht herumkommen und diese erst einmal auswerten müssen. Das sollte jetzt aber relativ schnell erfolgen.

    Wäre es nicht sinnvoller, sich erst einmal die Altersstruktur der Honnefer Bürger anzuschauen ? Und dann die Frage nach der Radbenutzung zu stellen ? Beim Einkaufen mit dem Rad wird systematisch weniger gekauft als mit dem Auto. Und dass Kunden mehrmals pro Tag mit dem Rad fahren, um mehrere Einkäufe zu tätigen, das bezweifle ich.

    Was Honnef braucht, ist ein zentral gelegenes vernünftiges Lebensmittelgeschäft. Oder einen Lebensmittelmarkt, z. B. nach französischer Gestaltung. Davon würden alle umliegenden Geschäfte ebenfalls profitieren. Nach der Covid-Krise und dem Weggang von so bewährten Geschäften wie Atelier de Cuisine, Frankl, Retz ( alphabetisch geordnet !! ) u. a. ist es schwierig, eine Infrastruktur wieder aufzubauen, die Alt und Jung gerecht wird, und Tourismus anzieht. Aber das scheint mir der einzige Weg. Und ein regelmässiger Fahrservice mit Kleinbussen, die problemlos Gehbehinderte und ihren Rollator mitnehmen können.

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