Bad Honnef. Die Stadt Bad Honnef ändert ihre Pläne für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses. Statt die Feuerwehr vollständig an der Linzer Straße unterzubringen, soll der bisherige Standort an der Selhofer Straße 2 durch einen Neubau ersetzt werden. Die für das schnelle Erstausrücken benötigten Fahrzeuge sollen dort bleiben. An der Linzer Straße ist dagegen ein Logistik- und Unterstützungsstandort mit Bevölkerungsschutzzentrum vorgesehen.
Das geht aus mehreren Verwaltungsvorlagen für die Sitzung des Ausschusses für Bevölkerungs- und Feuerschutz am 6. Oktober hervor. Hintergrund der Kursänderung sind insbesondere Zweifel daran, ob von der Linzer Straße aus die im Brandschutzbedarfsplan festgelegten Hilfsfristen für die Innenstadt eingehalten werden können. Auch der Kreisbrandmeister hatte nach Angaben der Verwaltung Bedenken gegen die ursprüngliche Standortlösung geäußert.
Erstausrücken soll an der Selhofer Straße bleiben
Nach der nun vorgelegten Konzeption soll an der Selhofer Straße 2 ein neues Feuerwehrgerätehaus entstehen. Dort sollen künftig die Fahrzeuge und Einsatzmittel stationiert werden, die für das unmittelbare Erstausrücken benötigt werden. Damit will die Verwaltung insbesondere die Einhaltung der Hilfsfristen im Stadtzentrum sicherstellen.
Der Ausschuss soll die Verwaltung am 6. Oktober beauftragen, die Planung zunächst bis zur Leistungsphase 2 der HOAI, also der Vorplanung, voranzutreiben. Außerdem sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen geprüft und gegebenenfalls erforderliche Verfahren eingeleitet werden. Für diesen Planungsschritt sind rund 30.000 Euro als einmaliger Aufwand angegeben.
Die Stadt hatte bereits in den vergangenen Jahren verschiedene Varianten für den Neubau untersucht. Eine frühere Planung musste nach Bedenken des Kreisbrandmeisters hinsichtlich der Hilfsfristen verworfen werden. Nach einer ersten Vorprüfung sieht die Verwaltung die Anforderungen an Stellplätze, Materiallager, Schulungsräume und Jugendfeuerwehr nun durch die Aufteilung auf zwei Standorte als erfüllbar an.
Linzer Straße wird zum Logistikstandort
An der Linzer Straße im Bereich des neuen Friedhofs soll dagegen kein vollständiges Feuerwehrgerätehaus mehr entstehen. Vorgesehen ist dort ein Logistik- und Unterstützungsstandort. Untergebracht werden sollen unter anderem Fahrzeuge und Einsatzmittel, die nicht für das unmittelbare Erstausrücken benötigt werden. Genannt werden beispielsweise der Gerätewagen Logistik 2 sowie Boote und weiteres Material. Auch die Jugendfeuerwehr soll dort Räume erhalten.
Die Verwaltung erwartet dadurch zugleich einen geringeren Platzbedarf an der Selhofer Straße. Weil dort künftig weniger Fahrzeuge und keine Räume für die Jugendfeuerwehr sowie bestimmte logistische Aufgaben untergebracht werden müssen, könne der Neubau kompakter geplant werden.
Für den Logistik- und Unterstützungsstandort soll ebenfalls zunächst die Vorplanung bis zur Leistungsphase 2 erfolgen. Der Ausschuss soll die Verwaltung mit diesem Planungsschritt beauftragen. Dafür sind rund 40.000 Euro als einmaliger Aufwand vorgesehen.
Brandschutzbedarfsplan soll Grundlage schaffen
Parallel dazu liegt der neue Brandschutzbedarfsplan der Stadt Bad Honnef vor. Der bisherige Plan stammt aus dem Jahr 2020 und muss nach den gesetzlichen Vorgaben spätestens alle fünf Jahre fortgeschrieben werden. Mit der Fortschreibung wurde im Februar 2025 das Büro Forplan beauftragt. Der Entwurf wurde im Juli 2026 vorgestellt und im September mit dem Kreisbrandmeister, der Verwaltung und der Wehrleitung abgestimmt.
Der Plan soll unter anderem die künftige Ausstattung, Fahrzeuge, Technik, Ausbildung und Organisation der Feuerwehr bestimmen. Die Verwaltung verweist dabei auch auf neue Anforderungen durch Elektromobilität, technische Entwicklungen und häufiger auftretende Extremwetterereignisse.
Der Brandschutzbedarfsplan soll zunächst im Ausschuss am 6. Oktober und anschließend im Haupt- und Finanzausschuss am 19. November beraten werden. Die endgültige Beschlussfassung durch den Rat ist für den 10. Dezember 2026 vorgesehen.
Bevölkerungsschutzzentrum als weitere Perspektive
Die Stadt stellt darüber hinaus die Frage nach einem Bevölkerungsschutzzentrum. Im Brandschutzbedarfsplan heißt es, perspektivisch solle geprüft werden, ob ein solches Zentrum sinnvoll und umsetzbar sei. Es könne insbesondere bei Extremwetterlagen und anderen außergewöhnlichen Gefahrenlagen zusätzliche Bedeutung für den Bevölkerungsschutz haben.
Mit der Vorlage für den Standort an der Linzer Straße geht die Planung nun einen konkreten Schritt weiter. Über den Neubau selbst ist damit allerdings noch nicht entschieden. Zunächst geht es um die weitere Planung und die Prüfung der planungsrechtlichen Voraussetzungen. Die endgültigen Investitionskosten stehen ebenfalls noch nicht fest. Die Verwaltung weist beim Brandschutzbedarfsplan darauf hin, dass wegen des vorgesehenen Zeitraums von fünf Jahren derzeit keine verlässlichen Angaben zu den finanziellen Auswirkungen möglich seien.
Für Bad Honnef zeichnet sich damit eine neue Feuerwehrstruktur mit zwei funktional unterschiedlichen Standorten ab: Erstausrücken und schnelle Hilfe an der Selhofer Straße, Logistik, Unterstützung und Ausbildung an der Linzer Straße.










