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Honnef heute - Presse, Nachrichten, News > Alle Artikel > Siebengebirge > Bad Honnef > Gemeinsam statt fremd: Hohenhonnef stellt Menschen und ihre Geschichten vor
Bad HonnefTitel

Gemeinsam statt fremd: Hohenhonnef stellt Menschen und ihre Geschichten vor

Letztes Update: 26.06.2026
Honnef heute
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5 Min Lesezeit
Foto Uwe Ringel
Uwe Ringel - Quelle: Hohenhonnef GmbH
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Bad Honnef. Wenn Menschen mit Behinderungen am öffentlichen Leben teilnehmen, kann es gelegentlich zu Missverständnissen oder Unsicherheiten kommen. Verhaltensweisen, die durch eine Behinderung bedingt sind, werden von Außenstehenden manchmal falsch eingeordnet oder missverstanden. Umso wichtiger sind Aufklärung, Begegnung und gegenseitiges Verständnis.

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Auch in Bad Honnef leben zahlreiche Menschen mit Behinderungen, unter anderem in der Einrichtung Hohenhonnef. Mit einer bemerkenswerten Initiative möchte die Einrichtung dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen, Verständnis zu fördern und den Umgang miteinander zu normalisieren. Durch persönliche Einblicke in das Leben ihrer Bewohnerinnen und Bewohner werden nicht nur Informationen vermittelt, sondern auch Sympathie und Nähe geschaffen.

Einen solchen Einblick gibt der folgende Beitrag über Uwe Ringel, den uns Hohenhonnef heute zur Verfügung gestellt hat.

Hallo, ich heiße Uwe Ringel.

Ich lebe hier in Bad Honnef und bin gerne unterwegs. Vielleicht haben Sie mich schon einmal gesehen.

Ich liebe es, Menschen zu treffen, kleine Gespräche zu führen und zu schauen, was in meiner Nachbarschaft passiert. Oft bin ich zu Fuß unterwegs und freue mich über alles, was es zu entdecken gibt.

Manchmal schaue ich auch in Mülltonnen. Das klingt vielleicht ungewöhnlich, aber ich freue mich über Dinge, die andere nicht mehr brauchen – zum Beispiel Kuscheltiere, Kleidung oder kleine Schätze, die jemand weggeworfen hat.

Uwe ist Mitte fünfzig und lebt im Haus Hohenhonnef, einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Doch vor allem lebt er in Bad Honnef. Er gehört zu dieser Stadt wie die Rheinpromenade, der Wochenmarkt oder das vertraute Gesicht des Bäckers um die Ecke.

Uwe hat eine geistige Beeinträchtigung. Das bedeutet unter anderem, dass ihm soziale Regeln und Grenzen manchmal schwerer verständlich sind. Er erkennt nicht immer, wann ein Grundstück privat ist oder dass andere Menschen sich erschrecken können, wenn spät am Abend oder in der dunklen Jahreszeit wiederholt an ihrer Tür geklingelt wird.

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Was für Uwe ein freundlicher Kontaktversuch ist, kann für andere verunsichernd wirken.

Hinzu kommt: Wenn Uwe müde wird, sucht er Hilfe. Er spricht Menschen an und bittet darum, nach Hause gebracht zu werden. Viele Bad Honneferinnen und Bad Honnefer haben dies bereits getan – oft mit bemerkenswerter Geduld und Herzlichkeit.

Für diese Hilfsbereitschaft möchten wir Danke sagen.

Gleichzeitig möchten wir um Verständnis bitten: Uwe ist erwachsen. Er hat, wie jeder andere Mensch auch, das Recht, sich frei in seiner Stadt zu bewegen. Viele Menschen fragen uns, warum wir ihn nicht einfach in der Einrichtung behalten. Zum Glück sind die persönlichen Freiheitsrechte eines Menschen in Deutschland besonders geschützt. Freiheitsentziehende Maßnahmen stellen einen erheblichen Eingriff in diese Rechte dar und kommen nur unter sehr engen gesetzlichen Voraussetzungen sowie mit richterlicher Genehmigung in Betracht. Wir unterstützen Uwe dabei, seine Freiheit verantwortungsvoll zu leben, und begleiten ihn dabei, die Regeln des Zusammenlebens immer besser zu verstehen.

Wenn Sie Uwe begegnen, begegnen Sie ihm gerne so, wie Sie auch anderen Menschen begegnen würden: freundlich, respektvoll und klar. Sollte er Grenzen überschreiten, dürfen Sie ihm dies selbstverständlich deutlich mitteilen. Über kleine Hilfestellungen im Alltag freut er sich ebenso wie über ein kurzes Gespräch. Wenn Sie Fragen haben oder Ihnen eine Situation Sorge bereitet, nehmen Sie gerne Kontakt zu unserer Einrichtung auf.

Uwe lernt,  wie wir alle, ein Leben lang dazu. Manche Dinge gelingen ihm schon sehr gut, andere bleiben schwierig. Doch Entwicklung braucht Begegnung. Sie braucht Menschen, die Grenzen setzen können, ohne die Würde des anderen aus dem Blick zu verlieren.

Vielleicht begegnen Sie Uwe in den nächsten Tagen. Vielleicht erzählt er Ihnen von seinem neuesten Fund oder fragt nach einem Glas Wasser. Vielleicht läuft er einfach nur an Ihnen vorbei.

Dann sehen Sie nicht nur den Mann, der im Müll nach kleinen Schätzen sucht.

Sehen Sie einen Menschen, der Teil unserer Gemeinschaft ist.

Sollten Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen, erreichen Sie uns unter der Telefonnummer  02224/ 776-0

 

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2 Kommentare
  • Karin Schuhmann sagt:
    26. Juni 2026 um 20:22 Uhr

    Hallo
    ich habe mal in der Bergstraße gewohnt und kenne Herrn Ringel. Es ist wunderbar, wie sie ihn beschrieben haben und dass sie sein Verhalten mit den Mülltonnen erklären. Ich finde ohnehin, dass es mehr Begegnungen mit Menschen aus Hohenhonnef geben darf.

    Antworten
  • Sven Mielke sagt:
    1. Juli 2026 um 12:49 Uhr

    Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Kommentar. Er zeigt genau das, was wir uns mit dem Artikel erhofft haben: Verständnis entsteht durch Begegnung.

    Ja, wir wünschen uns ebenfalls, dass Menschen mit Beeinträchtigungen in Bad Honnef noch selbstverständlicher zum Stadtbild gehören – nicht als Besonderheit, sondern als Nachbarn, Kunden, Vereinsmitglieder oder einfach Menschen, denen man begegnet. Vielen Dank für Ihre wertschätzenden Worte und dafür, dass Sie Uwe noch in guter Erinnerung haben.

    Antworten

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