Bad Honnef/Paris. Ein blauer Oldtimer, eine mobile Bühne und Musik mitten im öffentlichen Raum: Mit „Stegreif & Ohrenschmaus“ brachte Gernot Gad in Bad Honnef während der Corona-Pandemie Kultur dorthin, wo Menschen sich begegnen konnten. Inzwischen kennt man den Bad Honnefer auch als Autor. Nach seinem Buch über die Brücken von Paris führt ihn sein nächstes Projekt in die Tiefe der französischen Hauptstadt. Sein Thema: das Leben unter der Stadt, ihre verborgenen Orte und die Geschichten, die sich dort abgespielt haben.
Honnef heute hat Gernot Gad in seiner Wahlheimat Paris getroffen. Im Gespräch geht es um seinen ungewöhnlichen Lebensweg, die deutsch-französische Freundschaft und die Frage, was eine Stadt über sich verrät, wenn man nicht nur ihre bekannten Sehenswürdigkeiten betrachtet.

Vom Musikstudium in die Welt
Geboren wurde Gad in Berlin. Musik und Germanistik studierte er auf Lehramt, später führte ihn sein beruflicher Weg ins Wissenschaftsmanagement. Statt einer klassischen Laufbahn als Lehrer entschied er sich für eine Karriere, die ihn weit über Deutschland hinausbrachte.
Er lebte mehrere Jahre in Japan und gemeinsam mit seiner Familie auch in Indien. Korea gehörte ebenfalls zu seinen Stationen im Ausland. Paris ist heute seine Wahlheimat, Bad Honnef blieb ein wichtiger Bezugspunkt.
Hier entstand auch „Stegreif & Ohrenschmaus“. Das Kulturprojekt setzte auf Musik an ungewöhnlichen Orten und auf eine mobile Bühne, die während der Pandemie neue Möglichkeiten für öffentliche Kulturveranstaltungen schuf.
Gad erinnert sich im Gespräch mit Honnef heute an die Begegnung am Rhein, als die ersten Aufnahmen des blauen Oldtimers entstanden. Das Projekt sei eine Möglichkeit gewesen, Kultur anzubieten, als Auftritte an festen Spielstätten kaum möglich waren.
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37 Brücken und die Geschichten einer Stadt
Im vergangenen Jahr erschien im Osburg Verlag Gads Sachbuch „Über die Brücken von Paris“. Darin widmet er sich 37 Brücken, die die Seine überqueren. Es ist kein gewöhnlicher Architekturführer, sondern eine literarische Annäherung an Paris, bei der Bauwerke zu Ausgangspunkten für Geschichten über Menschen, Geschichte und das Leben in der Stadt werden.
Jede Brücke hat ihr eigenes Kapitel. Leserinnen und Leser können sich in beliebiger Reihenfolge auf den Weg machen: stromabwärts, vom Zentrum aus oder einfach dorthin, wohin es sie gerade zieht.
Gad verbindet historische Fakten mit persönlichen Beobachtungen und Lebensgeschichten. Dabei geht es um Begegnungen und Grenzen, um Glücksmomente und Unglücke, um Brückenhäuser, Wassermühlen und Pumpen. Auch der große Ingenieur Gustave Eiffel findet seinen Platz. Paris verdankt ihm zwar keine Brücke, doch seine Türme zeigen, wie eng sich Architektur und die Idee des Brückenbaus miteinander verbinden lassen.
Die Olympischen Spiele 2024 rückten Paris als Stadt am Fluss weltweit ins Bild. Gads Buch nimmt diese Perspektive auf, geht aber über die bekannten Ansichten hinaus. Die Brücken werden zu Schauplätzen, an denen sich die Geschichte der französischen Hauptstadt und das Leben ihrer Bewohner ablesen lassen.

Wer über oben spricht, muss auch über unten sprechen

Mit seinem nächsten Buch wechselt Gad die Perspektive. „Das zweite Paris – Geschichten aus dem Untergrund“ soll im März 2027 ebenfalls im Osburg Verlag erscheinen.
Warum nach den Brücken nun der Untergrund? Gad sieht darin einen folgerichtigen Schritt. „Wer über oben spricht, muss auch über unten sprechen“, sagt er im Gespräch mit Honnef heute.
Das Thema hat für ihn auch eine persönliche Seite. Er sei selbst in einem Haus aufgewachsen, in dem die Familie im Souterrain lebte. Die Welt unterhalb des Straßenniveaus ist für ihn also nicht nur ein Gegenstand historischer Recherche.
Bei der Arbeit am neuen Buch stieß Gad auf eine Vielzahl von Geschichten, die sich unter Paris abgespielt haben. Sie erzählen von einer anderen Stadt, die sich den Blicken der meisten Besucher entzieht. Der Untergrund ist für ihn mehr als eine verborgene Ergänzung zum oberirdischen Paris.
„Das zweite Paris“ sei deshalb auch historisch ein reizvoller Titel, erklärt Gad. Wer an die Katakomben denke, erkenne, dass die Geschichte unter der Stadt weit zurückreiche. Manche ihrer unterirdischen Orte erzählen von einer Zeit, die lange vor dem heutigen Paris liegt.
Welche Geschichten Gad bei seinen Recherchen besonders beeindruckt haben, will er mit der Veröffentlichung des Buches zeigen. Im März 2027 sollen Leserinnen und Leser selbst in dieses zweite Paris eintauchen können.
Keine Versöhnung, sondern Freundschaft
Auch die deutsch-französischen Beziehungen kommen im Gespräch zur Sprache. Ob seine Bücher angesichts der wechselvollen Geschichte beider Länder auch einen Beitrag zur Versöhnung leisten könnten, wird Gad gefragt.
Er sieht dafür heute weniger einen Auftrag als vielmehr eine Gelegenheit, eine gewachsene Verbindung zu feiern. Seit den Élysée-Verträgen von 1963 habe sich eine enge deutsch-französische Freundschaft entwickelt.
Seine Bücher versteht Gad deshalb eher als eine Würdigung dieser Beziehung. Sie eröffnen einen persönlichen Zugang zu Paris, ohne die Stadt auf ihre touristischen Höhepunkte zu reduzieren. Wer sich auf die Geschichten hinter den Bauwerken und Orten einlässt, begegnet zugleich der Geschichte und Gegenwart des Nachbarlandes.
Kommt Gernot Gad mit seinem neuen Buch nach Bad Honnef?
Im März 2027 soll „Das zweite Paris – Geschichten aus dem Untergrund“ erscheinen. Ob es dann auch eine Lesung in Bad Honnef geben wird, ist noch offen. Gad würde sich darüber freuen.
Und falls sich keine passende Spielstätte findet? Dann könnte die mobile Bühne wieder ins Spiel kommen – jener blaue Oldtimer, mit dem Gad und seine Mitstreiter während der Pandemie Kultur auf die Straße brachten.
Es wäre eine passende Verbindung zwischen dem Bad Honnefer Musiker, dem Autor und seiner Heimatstadt im Siebengebirge. Während Gad seine Leser in zwei Büchern durch das Paris oberhalb und unterhalb der Seine führt, könnte er in Bad Honnef erneut dort anknüpfen, wo sein Kulturprojekt einst begann: mitten im Leben der Stadt.









