Bad Honnef. Zehn Wochen sollten eigentlich ein komfortabler Puffer sein. Im Frühjahr war der Leichtathletikverein Bad Honnef (LVB) sogar gefragt worden, ob er bereits am 18. Juli eine Eröffnungsveranstaltung im neuen Menzenberger Stadion ausrichten könne. Das Stadion sollte zu diesem Zeitpunkt also weitgehend fertig sein.
Jetzt, Anfang September, zieht der LVB die Konsequenz: Das für den 26. September geplante Glow-in-the-dark-Sportfest (GITD) wird abgesagt. Aus Sicht des LVB fehlt die entscheidende Voraussetzung: Planungssicherheit.
Dabei war für die Veranstaltung bereits vieles vorbereitet. Die deutschlandweite Ausschreibung war erfolgt, Kampfrichter, Gastronomie und Veranstaltungstechnik waren organisiert. Gemeinsam mit dem Leichtathletik-Verband Nordrhein, dem Bad Honnefer Unternehmen Quint Events und Sponsoren hatte der Verein zudem ein umfangreiches Glow-Konzept vorbereitet.
Der Verein verweist auf noch nicht abgeschlossene Arbeiten am Stadion. Unter anderem seien Korrekturen an der Kunststoffanlage erforderlich, die Sanitärcontainer noch nicht einsatzbereit und das Flutlicht noch nicht in Betrieb. Auch bei Transportwegen für Sportgeräte und weiteren offenen Punkten sieht der LVB Unsicherheiten. Einen verlässlichen Zeitplan für deren Erledigung gebe es nicht.
„Wir möchten unser GITD-Sportfest in einem neuen Stadion zu einer ganz besonderen Leichtathletik-Veranstaltung machen“, sagt LVB-Vorsitzender Sebastian Stüber. Dieses Ziel sehe man derzeit erheblich gefährdet.
Der Verein wolle nicht bis unmittelbar vor dem Veranstaltungstermin warten, um dann möglicherweise eine Absage aussprechen zu müssen. Hinter dem Sportfest stünden „hunderte Menschen“, die Zeit, Geld und Energie investierten. Dazu gehörten Athleten, Trainer, Kampfrichter, Helfer, Gastronomen, Veranstaltungstechniker und Sponsoren.
„Wenn Stadt und Bauunternehmen sich nicht zu einer klaren Aussage durchringen können, müssen wir eben die Konsequenzen ziehen“, so Stüber. Lieber wolle man die Veranstaltung im kommenden Jahr „richtig und sicher“ durchführen.
Stadt: Abnahme hat noch gar nicht stattgefunden
Die Stadtverwaltung widerspricht allerdings einem zentralen Punkt der Darstellung. Eine Abnahme des Stadions habe bislang nicht stattgefunden und könne deshalb auch nicht negativ verlaufen sein.
Die Abnahme der Leichtathletikanlagen ist nach Angaben der Stadt für den 8. September vorgesehen. Danach soll entschieden werden, ob die Anlagen noch in der Kalenderwoche 37 oder erst in der folgenden Woche für den Sportbetrieb freigegeben werden können.
Die Verzögerungen bei den Bauarbeiten führt die Verwaltung unter anderem auf die Witterung zurück. Inzwischen befänden sich die Arbeiten in der abschließenden Phase.
Auch mehrere vom LVB angeführte Probleme bewertet die Stadt anders. Die Materialcontainer sollen am 4. September an ihren vorgesehenen Standort gebracht werden. Ihrer Umsetzung stehe einer Freigabe der Sportanlagen nicht entgegen.
Bei den Sanitärcontainern habe ein Wassereinbruch unvorhergesehene Schäden verursacht. Die Reparaturen liefen derzeit. Nach Auskunft des beauftragten Unternehmens sollen sie spätestens Ende dieser Woche abgeschlossen sein.
Dass das noch nicht in Betrieb befindliche Flutlicht einer tagsüber stattfindenden Sportveranstaltung entgegensteht, sieht die Stadt ebenfalls nicht (Das Glow-in-the-dark-Sportfest sollte um 18.30 Uhr beginnen – Anm. d. Red.). Und ein Problem mit sicheren Transportwegen für Sportgeräte sei der Verwaltung nicht bekannt.
Rasen bleibt Problem
Bei der Rasenfläche gibt es dagegen tatsächlich noch eine längere Perspektive. Wegen der Hitze und der langanhaltenden Trockenheit habe sich der Rasen nicht wie vorgesehen entwickeln können. Nach aktuellem Stand könnte die Fläche ab Anfang Oktober genutzt werden. Für das GITD-Sportfest im September ist der Zustand des Rasens allerdings nur dann relevant, wenn die Veranstaltung dessen Nutzung voraussetzt. Zu den vom Verein genannten „weiteren offenen Punkten“ erklärt die Stadt, diese seien für sie nicht konkret nachvollziehbar und müssten zunächst benannt werden.
Deutliche Kritik äußert die Verwaltung deshalb an der Kommunikation des Vereins. Sie bedauere, dass der LVB weder vor der Planung des Sportfestes noch vor dessen Absage das Gespräch mit den zuständigen Stellen gesucht habe. Bei einer direkten Abstimmung hätte die Stadt nach eigener Darstellung über den tatsächlichen Stand der Arbeiten, die noch ausstehenden Schritte und deren Auswirkungen auf die geplante Veranstaltung informieren können.
2027 soll es einen neuen Versuch geben
Der LVB will dagegen kein Risiko eingehen. Für den Verein ist die Absage deshalb weniger eine Bewertung der Frage, ob das Stadion theoretisch bis zum 26. September fertig sein könnte, sondern eine Entscheidung über die notwendige Verlässlichkeit für eine Veranstaltung dieser Größenordnung.
Das GITD-Sportfest soll im kommenden Jahr zurückkehren. Der LVB plant traditionell am letzten Samstag im September. Der nächste Termin steht bereits fest: 25. September 2027.
Dann sollen die Glow-Effekte wieder für leuchtende Augen sorgen – diesmal möglichst ohne die Unsicherheit, die die Premiere im neuen Stadion in diesem Jahr verhindert.










Gerne darf jeder seinen Standpunkt darstellen.
Wir, der LVB, wären z.B. „froh“ gewesen, hätte eine offenere, bereitwilligere Kommunikation stattgefunden , um Planungssicherheit zu gewährleisten.
Entscheidend für das Flutlicht ist nicht der Beginn der Veranstaltung. Die Veranstaltung sollte bis 22:00 Uhr andauern.
Gerne darf auch ausprobiert werden beispielsweise Hürden entweder den ganzen Weg um die Halle herum auf den Sportplatz zu schleppen, oder alternativ den unbefestigten Hügelweg dafür nutzen (der Transportwagen fährt sich dort fest).
Wünschenswert wäre vor allem positivere Kommunikation. Es ist ein Unterschied, ob man nur ein Problem kommuniziert, oder ein Problem bennent und zeitgleich einen praktischen und zeitlichen Fahrplan für die Lösung mitgibt (Sanitär-Container).
Ehrenamtler, die Vollzeitberuf und Verpflichtungen außerhalb des Ehrenamts haben, haben nicht immer die Zeit Informationen hinterherzulaufen.
Was mich interessiert: Zahlen die Sportverbände und – Vereine eigentlich irgendeine Nutzungsgebühr für diese Sportstätte, die für sehr viel Geld aus Steuermitteln finanziert wurde?
Wenn nicht, dann sollten die mal schön den Ball flachhalten. Einem geschenkten Gaul…..
Die Vereine zahlen zeit- und auch größenabhängige Nutzungsgebühren, sowohl für die Nutzung des Stadions als auch für die Nutzung der Dreifachhalle. Wie viel eine Großveranstaltung die beteiligten Vereine kostet, kann ich Ihnen allerdings nicht sagen. Da kommt ja noch einiges andere dazu.
Hallo Elias,
deine Frage lässt sich erst beantworten, wenn das Stadion fertig ist und wir es tatsächlich nutzen, denn Nutzungsgebühr zahlt man nur für etwas was man nutzen kann.
Wie wir das zum Beispiel schon für die Nutzung der städtischen Sporthallen und für die Sporthalle der St. Josef-Schule tun.
Abgesehen davon zahlen unser Vorstand, Trainerteam und unsere Mitglieder auch Steuern.
Der LV Bad Honnef hat rechtzeitig die Veranstaltung beantragt und bereits im März 2026 dazu die Genehmigung erhalten. Unabhängig von den internen Schuldzuweisungen über die Verzögerung des Bauvorhabens sehen wir die Stadt schon in der Pflicht, Veranstalter von genehmigten Veranstaltungen sehr rechtzeitig über mögliche Probleme für den beantragten Termin zu informieren. Wenn die Nutzer von Sportstätten Veranstaltungen planen, die eine Aushängeschild für die Stadt und hier den Sport in dieser Stadt sind und damit auch zeigen, dass mit staatlichen Mitteln geförderte Sportstätten genutzt werden, kann man eine exzellente Kommunikation und Zusammenarbeit in diesem Sinne zwischen Stadt und Verein erwarten, Im übrigen hatten die Vereine sich angeboten, mit ausgewiesenen Kennern des Sports sich ehrenamtlich an der Planung und dann auch Begleitung der Baumaßnahmen zu beteiligen. Dies hat in einer frühen Phase einmal stattgefunden, dann nicht mehr. Das Angebot steht weiterhin, wenn es auch jetzt zu spät erscheint.
Sehr gute Antwort! Eine Frage stellt sich mir noch angesichts der offensichtlichen Informationsasymmetrie: Wofür leistet sich die Stadt eigentlich einen hauptberuflichen Vereinsbeauftragten?
Als ehemaliges Mitglied des LVB, der dort selbst viele Jahre Leichtathletik und insbesondere Zehnkampf betrieben hat, finde ich die Entwicklung sehr schade.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel ehrenamtliche Arbeit hinter einem Leichtathletik-Sportfest steckt. Eine solche Veranstaltung besteht eben nicht nur daraus, am Veranstaltungstag das Stadion aufzuschließen. Athleten, Kampfrichter, Helfer, Zeitplan, Technik, Gastronomie und vieles mehr müssen lange vorher organisiert werden.
Auch die angesprochenen Transportwege für Sportgeräte sollte man nicht unterschätzen. Wer selbst Leichtathletik betrieben und bei Wettkämpfen mit angepackt hat, weiß, was es bedeutet, Hürden, Hochsprung- und Stabhochsprungmaterial, Speere, Wurfgeräte und weiteres Equipment an die jeweiligen Wettkampfstätten zu bringen. Gerade bei einem Zehnkampf bekommt man sehr gut mit, wie viele unterschiedliche Geräte und Materialien im Laufe eines Wettkampfes benötigt und bewegt werden müssen. Ein vernünftiger und sicherer Transportweg ist daher keine Nebensache.
Deshalb kann ich die Entscheidung des LVB nachvollziehen. Entscheidend ist nicht allein die Frage, ob das Stadion am 26. September vielleicht irgendwie nutzbar gewesen wäre. Ein Veranstalter braucht vorher Planungssicherheit. Gerade bei einer besonderen Veranstaltung wie dem Glow-in-the-dark-Sportfest kann man nicht bis wenige Tage vorher abwarten und hoffen, dass alle offenen Punkte rechtzeitig erledigt werden.
Und zu der hier geäußerten Ansicht, Vereine sollten bei einer aus Steuermitteln finanzierten Sportstätte „den Ball flachhalten“: Eine Sportstätte lebt von den Menschen, die sie nutzen. Vereine, Trainer, Athleten und zahlreiche Ehrenamtliche sorgen überhaupt erst dafür, dass aus einer teuren Sportanlage ein Ort für Sport und Gemeinschaft wird.
Umso bedauerlicher ist es, dass die Premiere für das neue Stadion nun ausfällt. Für den LVB, die Leichtathletik und auch für Bad Honnef wäre dieses Sportfest sicherlich eine tolle Werbung gewesen.
Ich hoffe, dass es 2027 unter besseren und vor allem verlässlichen Voraussetzungen klappt.