Bonn/Köln. Beworfene Einsatzkräfte, brennende Müllcontainer und massive Sachbeschädigungen: Die Halloween-Nacht hat Polizei und Feuerwehr in Bonn und Köln bis in die frühen Morgenstunden beschäftigt. In Bonn konzentrierte sich das Geschehen nach Einbruch der Dunkelheit auf Tannenbusch. In Köln kam es sowohl im Umfeld einer Versammlung der Initiative „Gen Z regelt“ als auch unabhängig davon zu gewalttätigen Ausschreitungen.
Polizei löst Versammlung in Bonn auf
Rund 500 Menschen versammelten sich am Samstag bis 15 Uhr im Bonner Hofgarten. Anlass waren bundesweite Aufrufe der Initiative „Gen Z regelt“. Da sich trotz mehrfacher Lautsprecherdurchsagen der Polizei niemand als Versammlungsleiter zur Verfügung stellte, stufte die Polizei die Zusammenkunft als Versammlung ein.
Im weiteren Verlauf bewegten sich größere Gruppen mehrfach unkoordiniert durch die Innenstadt. Nach Angaben der Polizei reagierten Beteiligte nicht auf Ansprachen und verhielten sich gegenüber den Einsatzkräften unkooperativ. Zudem seien wiederholt Personen in verkehrsgefährdender Weise auf Fahrbahnen getreten.
Gegen 16.45 Uhr stoppte die Polizei rund 250 Menschen am Zentralen Omnibusbahnhof und löste die Versammlung wegen einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung auf. Die Teilnehmer kamen den polizeilichen Anordnungen nach. Weitere Versammlungen gab es anschließend in der Bonner Innenstadt nicht.
Pyrotechnik und brennende Mülltonnen in Tannenbusch
Am Abend verlagerte sich der Einsatzschwerpunkt nach Bonn-Tannenbusch. Gegen 19.15 Uhr wurden Rettungskräfte nach Polizeiangaben mit Pyrotechnik beworfen. Im weiteren Verlauf gingen immer wieder Meldungen über Feuerwerkskörper und brennende Mülltonnen ein. Auch Polizei und Feuerwehr wurden wiederholt mit Pyrotechnik angegriffen.
Gegen 21.50 Uhr schoben sich die Ereignisse auf der Ostpreußenstraße zu einem weiteren Vorfall zusammen: Ein 18-Jähriger soll einen Müllcontainer gegen einen fahrenden Linienbus geschoben haben. Die Polizei stellte den Tatverdächtigen. Nach ersten Maßnahmen im Polizeipräsidium wurde er wieder entlassen. Die Ermittlungen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr dauern an.
Wegen der Angriffe auf Einsatzkräfte leitete die Polizei mehrere Ermittlungsverfahren ein. Nach Mitternacht beruhigte sich die Lage weitgehend. Gegen 1 Uhr beendete die Polizei den Großeinsatz.
Gewalt und Sachbeschädigungen auch in Köln
Auch in Köln war die Halloween-Nacht von Ausschreitungen geprägt. Die Polizei stellte insbesondere ab Mitternacht in der Innenstadt und weiteren Stadtteilen größere Gruppen randalierender Jugendlicher und junger Männer fest. Nach bisherigem Ermittlungsstand bestand kein Zusammenhang zwischen diesen Gruppen und den Teilnehmern der Versammlung.
Aus den Gruppen heraus wurden unter anderem die Fensterfront eines Geschäfts eingeschlagen und Müllcontainer angezündet. Zudem zogen Beteiligte E-Scooter und andere Gegenstände auf die Straßen, um Barrikaden zu errichten. Einsatzkräfte nahmen mehrere aggressiv auftretende Männer in Gewahrsam.
Wiederholt flogen Pyrotechnik und Glasflaschen auf Polizei und Rettungskräfte. Selbst Feuerwehrleute wurden während Löscharbeiten angegriffen. Ob aus den beschädigten Geschäften Gegenstände gestohlen wurden, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.
Die vorläufige Bilanz der Kölner Polizei: 23 eingesetzte Polizeibeamte wurden im Laufe der Nacht verletzt. An fünf Streifenwagen wurden Schäden festgestellt. Dazu gehörten eingeschlagene Scheiben, beschädigte Außenspiegel und Türen sowie Farbschmierereien.
Knapp 1000 Personen in Köln kontrolliert
Im Zusammenhang mit der Versammlung stellten Einsatzkräfte bis etwa 1.30 Uhr in der Nacht die Personalien von knapp 1000 Personen fest. Aus einer Gruppe heraus waren nach Polizeiangaben vermummte Personen gezielt mit Glasflaschen, Steinen und Knallkörpern auf Einsatzkräfte losgegangen. Die Polizei setzte unter anderem Wasserwerfer ein.
Bei den Kontrollen wurden zahlreiche Gegenstände sichergestellt, darunter Stichwaffen, Nothämmer, selbstgebaute Pyrotechnik, Molotowcocktails, Schutzbrillen und Vermummungsmaterial.
Ein 56-Jähriger soll noch im Laufe des Sonntags einem Haftrichter vorgeführt werden. Er soll zunächst während der Kundgebung Polizisten beleidigt und später bei der Feststellung seiner Personalien auf Einsatzkräfte eingeschlagen haben. In seinem Rucksack fanden die Beamten nach eigenen Angaben selbstgebaute Molotowcocktails und spitze Stichwaffen.
Einsatzleiter Martin Lotz betonte, dass zwischen friedlichen Versammlungsteilnehmern und gewaltbereiten Personen unterschieden werden müsse. Nach Einschätzung der Polizei seien Menschen nach Köln gekommen, um zu randalieren und die Versammlung als Deckmantel für Gewalt zu nutzen. Die aufgefundene Bewaffnung und Vermummung deuteten auf ein vorbereitetes Vorgehen hin.
Polizei bittet um Hinweise
Die Polizei Köln hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Sie wertet neben Fotos und Videos aus einem Hinweisportal auch Aufnahmen der polizeilichen Videobeobachtung aus.
Zeugen können sich über das Hinweisportal der Polizei Nordrhein-Westfalen melden. Alternativ nimmt die Polizei Köln Hinweise unter der Telefonnummer 0221 229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen.
Wie viele Ermittlungsverfahren eingeleitet werden und gegen wie viele Tatverdächtige sich die Ermittlungen richten, steht noch nicht abschließend fest. Die Polizei rechnet mit weiteren Hinweisen.
(red)









