Bad Honnef. Dramatische Vegetationsbrände – zuletzt im Hürtgenwald bei Düren und im Hohen Venn – haben Rettungskräfte, Entscheidungsträger und die Bevölkerung vor neue Herausforderungen gestellt. Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten muss in den kommenden Jahren immer wieder mit längeren Hitzeperioden gerechnet werden. Damit steigt auch die Gefahr von Vegetationsbränden.
Bad Honnef ist mit seinem Stadtwald und den angrenzenden Waldgebieten, aber auch mit großen Wiesenflächen, Feldern, Weiden und Brachflächen von einer Landschaft umgeben, in der sich Brände bei anhaltender Trockenheit schnell ausbreiten können. Zwar konnte die Freiwillige Feuerwehr in diesem Sommer bereits kleinere Vegetationsbrände schnell löschen. Dennoch stellt sich die Frage: Wie gut ist die Feuerwehr auf größere Szenarien vorbereitet? Und wie sind die ehrenamtlichen Einsatzkräfte bei solchen Einsätzen geschützt?
Honnef heute fragte bei der Stadt nach.
Honnef heute: Wie hoch schätzt die Feuerwehr Bad Honnef die Gefahr eines großflächigen Wald- oder Vegetationsbrandes im Stadtgebiet ein? Wäre ein Brand mit einer Dimension wie zuletzt im Hürtgenwald grundsätzlich auch in Bad Honnef denkbar?
Stadt Bad Honnef: Grundsätzlich kann man nichts ausschließen. Allerdings ist die Ausbreitung im Hürtgenwald auch der Munitionsbelastung geschuldet. Dort durften große Waldgebiete gar nicht betreten werden. Solche Gefahren gibt es im Honnefer Wald glücklicherweise nicht. Wir sind so aufgestellt, dass im Alarmfall mehrere Führungskräfte mit der Erkundung beginnen, um möglichst schnell ein Lagebild zu erhalten. Bei den letzten Einsätzen wurden wir mit einer verstärkten Alarmierung angefordert, das heißt, alle Einheiten rückten sofort zu dem Brandereignis aus und konnten das Feuer rasch eindämmen und löschen.
Welche Bedrohungslage würde sich im schlimmsten Fall für die Tallage und Teile Aegidienbergs ergeben?
Wenn sich die Wohnbebauung dicht am Wald befindet, ist es potenziell anspruchsvoller als im Wald direkt, da dort Menschen und Häuser gefährdet werden können.
Wie ist die Feuerwehr Bad Honnef technisch auf die Bekämpfung größerer Wald- und Vegetationsbrände vorbereitet? Welche speziellen Fahrzeuge und Geräte stehen dafür zur Verfügung?
In den letzten Jahren haben wir uns intensiv mit dem Thema Waldbrände beschäftigt und entsprechende Fahrzeuge und Gerätschaften angeschafft. Ein Beispiel ist das geländegängige TLF 3000, das kürzlich noch bei dem Brand im Hürtgenwald zum Einsatz kam. Es verfügt über einen 3.500 l Wassertank und spezielle Waldbrandrucksäcke, die 480 m D-Schläuche und insgesamt acht Strahlrohre beinhalten. Außerdem verfügen wir über ein geländegängiges MLF in Rhöndorf sowie ein weiteres Reservefahrzeug, ein LF10, das ebenfalls geländegängig ist.
Verfügt die Feuerwehr über ausreichend geländegängige Fahrzeuge und Technik, um auch schwer zugängliche Bereiche des Stadtwaldes schnell erreichen zu können?
Für schwer zugängliche Bereiche können wir den Polaris des DRK nutzen, der bei entsprechenden Alarmierungen direkt mit ausrückt. Darüber hinaus können wir weitere Fahrzeuge in Königswinter oder im gesamten Kreis anfordern. Mit insgesamt drei geländegängigen Löschfahrzeugen sind wir sehr gut aufgestellt.
Welche persönliche Schutzausrüstung wird bei Wald- und Vegetationsbränden eingesetzt? Gibt es spezielle, leichtere Schutzkleidung für diese Einsätze, die sich von der Ausrüstung bei Gebäudebränden unterscheidet?
Wir verwenden bereits seit einigen Jahren zwei verschiedene Schutzausrüstungen: eine für den klassischen Wohnungsbrand mit Schutz gegen Flashover oder Durchzündungen und eine dünnere für technische Hilfeleistungen, Flächenlagen und die Vegetationsbrandbekämpfung. Aufgrund der gestiegenen Temperaturen gehen wir hier noch einen Schritt weiter und stellen unsere Schutzausrüstung komplett auf ein noch klimafreundlicheres System um, um auch bei hohen Temperaturen einen guten Schutz zu gewährleisten.
Welche Erkenntnisse haben Bad Honnefer Einsatzkräfte aus ihren Einsätzen bei den jüngsten Wald- und Vegetationsbränden – insbesondere in Hürtgenwald – gewonnen? Haben diese Erfahrungen Auswirkungen auf Ausbildung, Ausrüstung oder Einsatzkonzepte?
Die Ereignisse im Hürtgenwald sind noch frisch und noch nicht abschließend aufgearbeitet. Allerdings können wir bereits jetzt sagen, dass wir mit unserem Fahrzeug die richtige Wahl für solche Einsätze getroffen haben. Wir werden uns stetig weiterentwickeln und auch diesen Sommer Revue passieren lassen, um unsere Konzepte zu erweitern.
Wie werden die Einsatzkräfte in Bad Honnef speziell auf Wald- und Vegetationsbrände vorbereitet? Wie häufig finden entsprechende Übungen statt und welche Szenarien werden dabei trainiert?
Vor der Waldbrandsaison trainieren wir regelmäßig die taktischen Besonderheiten sowie die Verlegung von Schlauchleitungen über lange Wegstrecken.
Wie ist die Löschwasserversorgung im Bad Honnefer Stadtwald organisiert? Welche Wasserentnahmestellen, Zisternen oder anderen Möglichkeiten stehen zur Verfügung, und reicht die vorhandene Infrastruktur auch für einen länger andauernden Großeinsatz?
Im südlichen Bereich bis zur Landesgrenze gibt es eine Versorgungsleitung sowie entsprechende Hydranten. Im Schmelztal wurde in diesem Jahr zudem eine 200.000 Liter fassende Zisterne installiert. Im nördlichen Bereich, im Rhöndorfer Tal, gibt es hingegen keine Wasserversorgung im Wald. Hier müsste Wasser per Pendelverkehr oder über eine lange Schlauchstrecke eingebracht werden.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren, dem Rhein-Sieg-Kreis, THW und weiteren Organisationen, wenn ein Waldbrand die Möglichkeiten der Bad Honnefer Feuerwehr übersteigt? Gibt es dafür vorbereitete Alarmierungs- und Einsatzkonzepte?
Wir üben regelmäßig mit den benachbarten Feuerwehren. Auch das THW ist im Waldbrandkonzept zur Wasserversorgung eingebunden. Darüber hinaus gibt es Kreis- und Landeskonzepte für große Lagen.
Wie wird sichergestellt, dass sich auch auswärtige Einsatzkräfte bei einem Großeinsatz im weitläufigen Stadtwald schnell orientieren und die betroffenen Bereiche erreichen können?
Zur Orientierung arbeiten wir im Wald mit Rettungspunkten, die gut ausgeschildert sind und auch von fremden Feuerwehren gefunden werden können. Die Einsatzleitung obliegt grundsätzlich den hiesigen Führungskräften, die dann entsprechende Informationen kommunizieren.
Welche zusätzlichen Maßnahmen hält die Feuerwehr beziehungsweise die Stadt für notwendig, um Bad Honnef künftig noch besser auf größere Wald- und Vegetationsbrände vorzubereiten? Gibt es konkreten Investitions- oder Handlungsbedarf bei Fahrzeugen, Schutzausrüstung, Ausbildung oder Löschwasserversorgung?
Wir beobachten die Lage ständig und versuchen, uns auf solche Fälle entsprechend vorzubereiten. Wie bereits erwähnt, wird die Schutzbekleidung in den nächsten beiden Jahren vollständig ausgetauscht. Auch bei Fahrzeugbeschaffungen achten wir darauf, Fahrzeuge mit Allradantrieb anzuschaffen. Aktuell befinden sich zwei Fahrzeuge in der Beschaffung, die jeweils als Logistikkomponente auch für die Brandbekämpfung im Wald vorgesehen sind.









