Bonn/Rhein-Sieg. Die wirtschaftliche Erholung kommt bei den Unternehmen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis bislang kaum an. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Der Konjunkturklimaindex liegt bei 82 Punkten und damit auf dem Niveau des Frühsommers. Erst Werte über 100 stehen für eine positive Wirtschaftsentwicklung.
Zwar ist das Bruttoinlandsprodukt zuletzt leicht gestiegen, auch die Prognosen der Forschungsinstitute haben sich verbessert. Nach Einschätzung der IHK profitieren davon bislang aber nur wenige Unternehmen. Staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung kommen vor allem größeren Betrieben zugute. Auch der Boom bei künstlicher Intelligenz hilft bisher nur einzelnen Branchen.
IHK-Präsident fordert mehr Tempo
IHK-Präsident Stefan Hagen sieht die Politik in der Pflicht. Die von der Bundesregierung angekündigten Reformen würden zerredet, verschoben oder nicht umgesetzt, kritisiert er.
Die Unternehmen bräuchten spürbare Entlastungen und verlässliche Bedingungen, um wieder investieren und wachsen zu können. Auch in den Kommunen dauerten Entscheidungen häufig zu lange. Gut ein Jahr nach den Kommunalwahlen sei der erhoffte Aufbruch noch nicht zu erkennen.
Hagen fordert deshalb schnellere Entscheidungen und mehr Mut zu Veränderungen. Die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts müsse Vorrang haben.
Nordbrücke verschärft Verkehrsprobleme
Auch die Verkehrssituation in Bonn belastet die regionale Wirtschaft. Nach Einschätzung von IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille verschärft die Sperrung der Nordbrücke die ohnehin schwierige Lage für Unternehmen.
Hille begrüßt die Bemühungen der Stadt und des Oberbürgermeisters, die Verkehrsprobleme zu entschärfen. Entscheidend sei allerdings, dass die Maßnahmen tatsächlich Entlastung bringen. Zugleich kritisiert er, dass wesentliche Forderungen aus dem Neun-Punkte-Plan der IHK bislang nicht umgesetzt worden seien.
Industrie hält sich teilweise besser
Ein Lichtblick zeigt sich in der Industrie: 32 Prozent der Unternehmen bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut. Besonders positiv fällt die Einschätzung bei den Herstellern von Investitionsgütern aus. Nach Einschätzung der IHK deutet das darauf hin, dass staatliche Investitionsprogramme bei einem Teil der Betriebe ankommen.
Für eine breite Erholung reicht das bislang nicht. Die Erwartungen der Industrie für die kommenden Monate haben sich gegenüber dem Frühsommer sogar eingetrübt.
In den meisten anderen Branchen bleibt die Lage schwierig. Unternehmen berichten von schwachen Umsätzen und hohen Kosten. Die Zurückhaltung bei Investitionen und der Abbau von Arbeitsplätzen setzen sich nach Angaben der IHK fort.
An der Umfrage im September 2026 beteiligten sich rund 300 Unternehmen. Die vollständigen Ergebnisse veröffentlicht die IHK Bonn/Rhein-Sieg in ihrem Wirtschaftslagebericht.
Quelle: IHK Bonn/Rhein-Sieg (redaktionell bearbeitet)









