Bad Honnef. Auf den Tafeln der Zeitleiste am Annapfad gibt es spannende Informationen zur jüdischen Geschichte in Bad Honnef. Die Mitglieder des Vereins Jüdische Vergangenheit und Gegenwart in Bad Honnef (JVGH e. V.) haben sorgfältig recherchiert, um die Vergangenheit lebendig und anschaulich darzustellen und um an das Schicksal der Honnefer Jüdinnen und Juden zu erinnern.
Die ersten Informationstafeln wurden im Juli 2025 aufgestellt. Sie sind angebracht an Stelen und von Beginn an war geplant, dass weitere Tafeln hinzugefügt werden. Jetzt ist es soweit: Drei Thementafeln kommen zeitgleich mit der Gedenkveranstaltung an die Pogrome am 9. November hinzu.
Die Zeitleiste erzählt von Orten, Personen und Ereignissen jüdischer Geschichte. Jede Tafel widmet sich einem Datum. Beschrieben wird das Ereignis mit einem kurzen Text. Ein QR-Code führt auf die Website des Vereins. Mit und ohne QR-Code findet sich dort mehr zu jedem Thema und vor allem eine Video-Dokumentation, die anschaulich und beeindruckend über das Ereignis berichtet. Wer möchte, wird zu den Originaldokumenten geführt, um sich selbst ein Bild zu machen.
Bisher gab es vier Themen: Verlorenes Erbe mit Hinweis auf die Honnefer Synagoge, 1666 zum Jüdischen Friedhof, 1938 Reichpogromnacht und 1986 Einladung der Stadt an ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger.
Neu hinzukommen werden drei Tafeln: 1902 Einweihung der Synagoge, 1952 Luxemburger Abkommen, 2026 Antisemitismus heute.
Das Video zur Einweihung der Synagoge zeigt den Umbau der ehemaligen evangelischen Kirche zur Synagoge. Arno Bendels, der die spannenden Videos für den Verein erstellt, zeigt ein nahezu historisch korrektes Abbild der 1938 abgebrannten Synagoge, das er auf Basis von Bauplänen und von Archivmaterial auch mit Hilfe von KI rekonstruiert hat.
1952 wurde das Luxemburger Abkommen der Bundesrepublik Deutschland, Israel und der Jewish Claims Conference über Reparationszahlungen an Israel besiegelt. Bundeskanzler Adenauer unterschrieb es auf deutscher Seite. Verlauf der Verhandlungen und Adenauers Motivation werden anschaulich und spannend im Video erklärt.
Die Zeitleiste war einige Male Ziel von Vandalismus, der antisemitisch motiviert war. Der Verein musste die Tafeln teuer und zeitaufwändig instand setzen. So wurde beschlossen, eine Tafel anzubringen, die davon berichtet und darauf hinweist, dass Antisemitismus keinen Platz in unserer Gesellschaft hat. Das ist die Tafel: 2026 Antisemitismus heute.
Rolf D. Cremer, Vorsitzender des JVGH e. V., sagt: „Wir wollen die Leidenschaft für die Freiheit und die Würde aller Menschen stärken, vor allem in der jungen Generation. Dazu dient auch die Zeitleiste am Annapfad. In den Worten von Michel Friedman: ´Wir können die Welt nicht gestalten, wenn wir von der Vergangenheit nicht wissen.´ “
Der JVGH e. V. kann seit seiner Gründung 2023 auf einige Projekte blicken: Das Sammeln von Zeitzeugenaussagen, Dokumenten und die Forschung sind Teil der Arbeit des Vereins. Eine Parkbank wurde auf dem Jüdischen Friedhof aufgestellt. Vorträge zur Geschichte oder zu aktuellen Themen, Konzerte mit Klezmer-Musik und Exkursionen haben stattgefunden. Für 2027 wird das Jahresprogramm mit den Veranstaltungen gerade zusammengestellt. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen.
Wichtig ist dem JVGH e. V., junge Menschen einzubeziehen. Deshalb besteht auch ein enger Kontakt zu den weiterführenden Schulen.
Die einzigartige Zeitreise, die auf der Grundlage der Tafeln am Annapfad unternommen werden kann, lohnt sich, um Geschichte auch über die der Stadt Bad Honnef hinaus kennenzulernen und die Voraussetzungen des Miteinanders unserer heutigen Gesellschaft besser zu verstehen.
Die Zeitleiste findet sich am Annapfad, der etwas südlich von der Mülheimer Straße am Ohbach von der Linzerstraße in Richtung Selhof führt.
Videos und weitere Informationen über die Website des Vereins Jüdische Vergangenheit und Gegenwart in Bad Honnef: https://jvgh.de/ .
Christine Pfalz









