Köln/Siebengebirge. Beim Kölner Stadt-Anzeiger steht ein weitreichender Umbau bevor. Die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG), die bislang unter anderem die Regionalteile für das Kölner Umland produziert, soll zum 30. September 2026 aufgelöst werden. Nach Angaben der Kölner Stadt-Anzeiger Medien fallen dadurch 57 Vollzeitstellen weg. Betroffen sind auch Journalistinnen und Journalisten, die über viele Jahre aus dem Siebengebirge berichtet haben.
Die Informationen über die Auswirkungen der Entscheidung stammen unter anderem vom Westdeutschen Rundfunk (WDR), der über die Vorgänge und eine Betriebsversammlung berichtet. Ein Redakteur des Kölner Stadt-Anzeigers bestätigte dem WDR die geplante Auflösung der RRG. Auch Honnef heute liegt eine entsprechende Mail vor.
WDR berichtet von Tränen und Unmut
Nach Angaben des WDR sorgte die Ankündigung bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag für Bestürzung. Ein Mitglied des Betriebsrats berichtete dem Sender, bei der Versammlung seien Tränen geflossen. Viele Beschäftigte hätten zunächst unter Schock gestanden, anschließend habe sich zunehmend Unmut breitgemacht.
Nach Informationen des WDR blieben bei der Versammlung zahlreiche Fragen offen. Insbesondere sei unklar, was die Auflösung der RRG für die einzelnen Beschäftigten bedeutet und wie es ab Oktober weitergeht.
Die Geschäftsführung will nach eigenen Angaben mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und sozialverträgliche Lösungen sprechen.
Verlag will Regionalproduktion neu organisieren
Die RRG war 2014 als eigenständiger Dienstleister gegründet worden und verantwortete die Planung und Produktion zahlreicher Regionalteile. Nach ihrer Auflösung sollen diese Aufgaben nach Angaben des Verlags weder verlagert noch an anderer Stelle fortgeführt werden.
Stattdessen wollen die Kölner Stadt-Anzeiger Medien die Produktion der Regionalteile künftig über digitale Regio-Teams organisieren. Inhalte sollen kanalübergreifend erstellt und anschließend für Nachrichtenportale, Apps, E-Paper und die gedruckte Zeitung aufbereitet werden.
Als Grund für den Umbau nennt der Verlag die seit Jahren sinkenden Auflagen gedruckter Tageszeitungen und die Veränderungen im Medienmarkt.
CEO Oliver Eckert spricht von einem notwendigen Umbau. Man müsse die Strukturen dort anpassen, wo der Markt schrumpfe, und gleichzeitig in digitale Bereiche investieren, in denen Wachstum erwartet werde.
Auch Automatisierung und Künstliche Intelligenz sollen nach Angaben des Unternehmens künftig eine größere Rolle spielen. Wiederkehrende Produktionsschritte könnten mithilfe neuer Technologien und KI automatisiert werden.
Nach Angaben des Verlags haben sich bereits erste RRG-Journalistinnen und -Journalisten erfolgreich auf neue Stellen in den digitalen Regio-Teams beworben. Offene Stellen sollen zunächst intern ausgeschrieben werden.
DJV kritisiert geplanten Stellenabbau
Der Deutsche Journalisten-Verband NRW (DJV-NRW) reagierte deutlich kritischer auf die Entscheidung. Der Verband spricht unter Einbeziehung der Teilzeitstellen von insgesamt 63 Lokalredakteurinnen und -redakteuren, die von der Auflösung betroffen seien.
DJV-Landesgeschäftsführer Volkmar Kah kritisierte gegenüber dem WDR insbesondere die angekündigte stärkere Nutzung von KI. Nach seiner Einschätzung könne guter Journalismus nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. Er befürchtet zudem einen Verlust an regionaler Sach- und Ortskenntnis.
Auch DJV-Landesvorsitzende Andrea Hansen bezeichnete die Entscheidung in einer Stellungnahme des Verbandes als „schwarzen Tag für den Lokaljournalismus“.
Der DJV wirft DuMont vor, mit deutlich weniger Journalistinnen und Journalisten künftig regionale Berichterstattung gewährleisten zu wollen. Dadurch werde nach Einschätzung des Verbandes die Qualität der Informationen für die Bürgerinnen und Bürger sinken.
Erneuter Einschnitt in der rheinischen Medienlandschaft
Die angekündigte Auflösung der RRG folgt auf weitere Veränderungen im regionalen Medienmarkt. Bereits im Februar hatte DuMont die Herausgeberschaft der Kölnischen Rundschau übernommen. Die eigenständige Redaktion wurde aufgelöst, 31 Stellen in Köln fielen weg.
Die Kölnische Rundschau erscheint weiterhin als eigenständiger Titel, wird redaktionell inzwischen jedoch von DuMont verantwortet.
Mit der geplanten Auflösung der RRG steht nun auch die bisherige Struktur der Regionalberichterstattung des Kölner Stadt-Anzeigers vor einem grundlegenden Wandel. Für Leserinnen und Leser im Kölner Umland und im Siebengebirge stellt sich damit die Frage, wie umfangreich und vor allem wie lokal die Berichterstattung künftig noch sein wird.
Der Verlag sieht in der Neuorganisation dagegen eine notwendige Anpassung an einen sich verändernden Medienmarkt.










