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Konflikt um Grabfeld-Schließungen in Bad Honnef: Kritik an Kosten, Kommunikation und fehlender Empathie

Letztes Update: 31.03.2026
Honnef heute
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11 Min Lesezeit
neuer friedhof
Quelle: Manuela Brammer
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Bad Honnef. Die geplante Schließung von Grabfeldern auf dem Neuen Friedhof sorgt weiterhin für Unmut unter betroffenen Bürgerinnen und Bürgern. In einem ausführlichen Leserbrief übt die Bad Honnefer Friedhofsgärtnermeisterin Manuela Brammer deutliche Kritik an der Vorgehensweise der Stadtverwaltung – und stellt sowohl finanzielle als auch menschliche Aspekte in den Mittelpunkt.

Übersicht
  • Hohe Kosten befürchtet
  • Emotionale Belastung bleibt außen vor
  • Offene Fragen zu Ablauf und Umsetzung
  • Vorwurf der Ungleichbehandlung
  • Vorschlag für Kompromisslösung
  • Engagement für Friedhofskultur
  • Leserbrief:
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Ausgangspunkt der Debatte ist die Ratssitzung vom 26. März 2026 sowie ein Fragenkatalog der Fraktionen Bürgerblock Bad Honnef und Volt. Brammer begrüßt ausdrücklich, dass diese politischen Gruppen das Thema aufgegriffen haben. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass die möglichen Folgen bislang nicht ausreichend durchdacht seien.

Hohe Kosten befürchtet

Im Zentrum ihrer Kritik steht die finanzielle Belastung für die Stadt. Sollten – wie von ihr angenommen – nur etwa die Hälfte der betroffenen Nutzungsberechtigten einer Umbettung zustimmen, könnten Kosten von bis zu 500.000 Euro oder mehr entstehen. Diese ergäben sich aus Umbettungen, Steinmetzarbeiten, Neubepflanzungen sowie der vollständigen Kostenübernahme bei künftigen Urnenbeisetzungen.

An ihrem eigenen Beispiel verdeutlicht Brammer die Dimension: In ihrem Fall würden sich die Kosten für die Stadt auf rund 10.500 Euro belaufen. Sie stellt daher die Frage, ob eine extensive Pflege der Flächen langfristig nicht die günstigere Lösung wäre.

Emotionale Belastung bleibt außen vor

Neben den finanziellen Aspekten kritisiert Brammer vor allem den Umgang mit den Betroffenen. Die Diskussion werde aus ihrer Sicht zu stark von rechtlichen und wirtschaftlichen Argumenten bestimmt, während die emotionale Bedeutung von Grabstätten kaum berücksichtigt werde.

Besonders kritisch sieht sie die Informationspolitik der Stadt. Erst nach öffentlichem Druck seien betroffene Bürger am 25. März 2026 angeschrieben worden. Dass die Verwaltung eine frühere Information für nicht notwendig hielt, hält Brammer für nicht nachvollziehbar – schließlich sei eine zentrale Nutzung, nämlich die Möglichkeit zur Erdbestattung, bereits entfallen.

Offene Fragen zu Ablauf und Umsetzung

Der Leserbrief wirft zudem zahlreiche praktische Fragen auf: So sei eine Umbettung von Särgen nur in den Wintermonaten zulässig – mit möglichen Wartezeiten von bis zu zwei Jahren. Unklar sei auch, wer in dieser Zeit die doppelte Grabpflege übernimmt.

Darüber hinaus äußert Brammer Zweifel an der praktischen Durchführung von Umbettungen und fragt, ob garantiert werden könne, dass Verstorbene vollständig in die neue Grabstätte überführt werden. Auch rechtliche Widersprüche werden angesprochen, etwa bei Urnen, deren Umbettung laut Satzung nach Ablauf bestimmter Fristen ausgeschlossen ist.

Vorwurf der Ungleichbehandlung

Für Unverständnis sorgt bei Brammer auch ein konkreter Fall auf dem Neuen Friedhof: Ein Reihengrab im Feld R6 sei seit Ende 2019 abgelaufen, jedoch bis heute nicht abgeräumt worden – entgegen den Regelungen der Friedhofssatzung. Sie fragt, ob hier Ausnahmen gemacht wurden und ob andere Nutzungsberechtigte ähnlich behandelt worden seien.

Dies verstärke bei ihr den Eindruck, dass auf dem Friedhof „mit zweierlei Maß“ gemessen werde.

Vorschlag für Kompromisslösung

Statt Schließungen plädiert Brammer für eine alternative Lösung: Betroffene Grabstätten könnten weiterhin genutzt werden – auch für Erdbestattungen –, während die umliegenden Flächen lediglich extensiv gepflegt würden. Nutzungsrechte für neue Grabstellen würden, wie bereits praktiziert, nicht mehr vergeben.

Zusätzlich verweist sie auf bestehende Konzepte der Stadt für Gemeinschaftsgrabfelder, die bislang nicht umgesetzt wurden. Solche Angebote könnten Friedhöfe attraktiver machen und Abwanderungen zu alternativen Bestattungsformen – etwa in den Michaelsgarten – entgegenwirken.

Engagement für Friedhofskultur

Brammer unterstreicht ihr langjähriges Engagement für die Friedhofskultur in Bad Honnef. So habe sie unter anderem die Pflege von Sternenkindergräbern ehrenamtlich übernommen und zur Gestaltung neuer Anlagen beigetragen. Gerade vor diesem Hintergrund appelliert sie an Politik und Verwaltung, stärker auf die Bedürfnisse der Bürger einzugehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Ihr Fazit ist zugleich ein leidenschaftlicher Appell: „Mit neuen Ideen und Kompromissen kann man der Entwicklung entgegenwirken. Es lebe der Friedhof!“


Leserbrief:

Bezugnehmend auf die Ratssitzung vom 26.03.2026 und die gestellten Fragen zur Schließung von Grabfeldern auf dem Neuen Friedhof an die Stadtverwaltung Bad Honnef durch den Bürgerblock Bad Honnef und der Volt Partei.

Ich bedanke mich bei diesen Parteien für ihren eingereichten Fragenkatalog.

Ist der Stadtverwaltung bewusst, welche Kosten auf sie zukommen, wenn nur die Hälfte der betroffenen Bürger einer Umbettung zustimmt? Hier könnten ohne Weiteres Kosten von bis zu 500.000,00 EUR und mehr entstehen. Angefangen bei den Umbettungskosten, teilweise Übernahme von Steinmetzarbeiten und von Grabneubepflanzungen, bis hin zur kompletten Übernahme sämtlicher Kosten bei Urnenbeisetzungen ab 2029 beziehungsweise 2037.

Ist eine extensive Pflege der betroffenen Flächen für den Steuerzahler wirklich teurer????

Alleine in meinem persönlichen Fall liegen die Kosten für die Stadt bei ca. 10.500,00 EUR inkl. Umbettung, Steinmetzarbeiten und Grabbepflanzung. Weil die Stadt komplett alle Kosten, laut Schreiben vom 25.03.2026, übernimmt, da bei einer Urnenbeisetzung keine Kosten für das Entfernen von Einfassung und Grabstein anfällt.

Und dies ist Stand März 2026!!

Abgesehen von den finanziellen Belastungen, werden die emotionalen gar nicht berücksichtigt. Es wird nur von Paragraphen geredet und davon, wie teuer es ist, und der Mensch bleibt auf der Strecke.

Eine gute Lösung für alle Betroffenen wird gar nicht angestrebt, und erst nachdem Bürger und Presse es öffentlich gemacht haben, hat die Verwaltung reagiert und die betroffenen Bürger am 25.03.2026 angeschrieben und informiert. Nach Auffassung der Verwaltung, wäre eine frühere Information nicht nötig gewesen, da ja keine Einschränkung der Nutzung vorhanden sei.

Es sollte aber doch klar sein, dass eine „Nutzung“ an einer Grabstätte darin besteht, in ihr beizusetzen, und dies ist für eine Erdbestattung nicht mehr möglich. Die Verwaltung hätte innerhalb von 6 Monaten nach Ratsbeschluss informieren müssen.

Eine Umbettung von Särgen ist nur von November bis Februar zulässig. Muss ich dann im schlimmsten Fall fast 2 Jahre warten, bevor ich eine gleichwertige Grabstätte habe? Wer bezahlt in dieser Zeit die doppelte Pflege? Kann die Verwaltung garantieren, dass bei einer Umbettung die Verstorbenen komplett in der neuen Grabstätte liegen? Oder muss ich meine Eltern an zwei Orten besuchen???

Bei meiner Schwiegermutter ist eine Umbettung der Urne laut Satzung verboten, § 16, Punkt 6, da die Erstbeisetzung bereits 48 Monate zurück liegt. Werde ich in diesem Fall vor einem leeren neuen Grab stehen oder vor einer ungepflegten Grünfläche. Und darf ich dort weiter Blumen zu Gedenktagen niederlegen? Oder besuche ich ein leeres Grab an Gedenktagen. Hätten mein Mann und ich eine grüne Wiese für seine Mutter gewollt, hätten wir kein 2-stelliges Wahlgrab erworben.

Warum bietet man den betroffenen Grabnutzungsberechtigten nicht an, ihre Gräber weiter nutzen zu können, auch für Erdbestattungen, allerdings mit dem Hinweis, dass die Flächen zwischen den verbleibenden Grabstätten nur noch extensiv gepflegt werden?

Laut § 34 der neuen Satzung sind Nutzungsberechtigte sowieso verpflichtet, 30 cm im Umfeld der Grabstätte selbst zu pflegen. Und neue Nutzungsrechte werden, wie auch jetzt schon, nicht mehr vergeben. So könnte die Stadt im Sinne der Steuerzahler sparen. Und die Flächen sollen ja auch nicht entweiht werden, sondern für Pandemiezwecke erhalten bleiben.

Und wie verhält es sich mit dem letzten Reihengrab in Feld R6 auf dem Neuen Friedhof, das bereits seit Ende 2019 abgelaufen ist (Foto). Seit über 5 Jahren sollte dieses Grab, wie alle anderen in diesem Reihenfeld, abgeräumt sein. Warum besteht dieses Grab immer noch? Laut Satzung werden Reihengräber nach Ablauf der Ruhefrist (25 Jahre) automatisch durch die Stadt abgeräumt. Warum dieses Grab nicht?? Und wurde anderen Nutzungsinhabern von Reihengräbern die gleiche Möglichkeit angeboten??

Wurde dem Inhaber der noch verbliebenen Grabstätte eine Umbettung angeboten und sind Grabverlängerungsgebühren angefallen und bezahlt worden? Als Inhaber einer Wahlgrabstätte muss ich meine Grabstätte immer wieder neu ankaufen und bezahlen. Dieses eine Reihengrab blockiert ein ganzes Feld.

Ich fühle mich als Bürger 2. Klasse, wenn ich sehe, wie auf dem gleichen Friedhof mit zweierlei Maß gemessen wird. Und wie emphatisch man in Aegiedienberg mit den Bürgern umgeht. Und hier soll kein Grabfeld geschlossen werden, sondern es sollen nur keine Sargbestattungen mehr stattfinden.

Seit meiner Betriebsübernahme vor über 30 Jahren setze ich mich für den Erhalt der Friedhofskultur ein. 2019 konnte endlich ein Sternenkinderfeld auf dem Neuen Friedhof errichtet werden und 2023 wurde das Sternenkindergrab auf dem Alten Friedhof in einen würdigen Ort verwandelt. Beide Gräber pflege ich und bepflanze sie jahreszeitlich im Ehrenamt, da junge Familien in dieser Situation einen würdigen Ort zum trauern haben sollten.

Und im Zuge der öffentlichen Abschlussprüfung der Friedhofsgärtner*innen im letzten Jahr, entstand auf dem Neuen Friedhof eine Grabmusteranlage.

Die Stadt Bad Honnef hat seit über 10 Jahren einen ausgearbeiteten Plan für ein Urnengemeinschaftsgrabfeld bzw. Gemeinschaftsfeld inkl. Erdbeisetzungen vorliegen. Hiermit könnten Freiflächen wieder belebt werden, denkmalgeschützte Grabstätten und Ehrengräber neu belegt und alte Reihengrabflächen wieder genutzt werden.

Dieses Konzept würde den Friedhof im Ganzen wieder attraktiver machen und Abgänge zu Friedwäldern oder anderen Angeboten (Michaelsgarten in Siegburg) verhindern.

Dass sich die Friedhofskultur immer weiter zurückentwickelt, ist leider nicht aufzuhalten, aber mit neuen Ideen und Kompromissen mit Bürgern, denen die Friedhofskultur etwas bedeutet, kann man dieser Entwicklung entgegen wirken.

Ich würde mir gerade bei einer christlich-demokratisch geführten Verwaltung mehr Empathie bei diesem Thema für alle Betroffenen wünschen, und ich hoffe, dass mit meinen Vorschlägen ein Kompromiss für Bürger, Stadtverwaltung und Steuerzahler gleichermaßen gefunden wird.

Es lebe der Friedhof!
Manuela Brammer
Friedhofsgärtnermeisterin

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SCHLAGWÖRTER:BrammerNeuer Friedhof
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