Bad Honnef-Rhöndorf. Musik auf einem Friedhof als Ort der Ruhe, Erinnerung und inneren Einkehr – diese Idee wollte die Bad Honnefer Pianistin und Organistin Stephanie Troscheit auf dem Waldfriedhof Rhöndorf umsetzen. Die Stadt Bad Honnef hat die Anfrage jedoch abgelehnt.
Troscheit hatte der Stadt ein etwa einstündiges Solokonzert vor der renovierten Kapelle vorgeschlagen. Ihr Programm verbindet ruhige Kompositionen unter anderem von Philip Glass und Hania Rani mit freien Improvisationen. Vorgesehen waren ein Konzertflügel, eine begrenzte Zahl von Sitzplätzen und eine bewusst zurückhaltende Atmosphäre.
Gerade der Ort sei für ein solches Konzert besonders geeignet, argumentierte die Musikerin. Der überdachte Vorplatz der Kapelle mit seinem unmittelbaren Bezug zum Wald biete einen außergewöhnlichen Rahmen für Musik, Stille und Konzentration. Es gehe ausdrücklich nicht um Unterhaltung oder laute Freiluftmusik, sondern um ein Konzert, das sich respektvoll in die Atmosphäre des Friedhofs einfüge.

Stadt lehnt Anfrage ab
Nach interner Prüfung teilte die Verwaltung Troscheit mit, dass weder eine Veranstaltung auf dem Waldfriedhof noch in der dortigen Trauerhalle genehmigt werden könne.
Auf Anfrage von Honnef heute begründete die Stadt die Entscheidung mit der geltenden Friedhofssatzung. Nach § 5 dienten die städtischen Friedhöfe grundsätzlich der Bestattung Verstorbener. Die Friedhofskapelle sei entsprechend ihrer Zweckbestimmung ausschließlich für Trauerfeierlichkeiten vorgesehen.
Musikalische Darbietungen seien auf Friedhöfen allerdings nicht generell ausgeschlossen, erklärte die Pressestelle. Sie könnten beispielsweise Bestandteil von Trauer- oder Gedenkveranstaltungen sein. Ein eigenständiges Konzert ohne Bezug zu einer Trauer- oder Gedenkveranstaltung entspreche dagegen nicht der Zweckbestimmung des Friedhofs.
Damit blieb die Anfrage der Musikerin erfolglos.
Andere Städte öffnen Friedhöfe für Kultur
Dass Friedhöfe auch als Orte kultureller Veranstaltungen genutzt werden können, zeigen Beispiele aus anderen Städten. In Bonn veranstaltet die Fördergesellschaft Alter Friedhof Bonn e.V. gemeinsam mit Partnern Benefizkonzerte und Lesungen in der Ramersdorfer Kapelle. Auch andernorts werden Friedhöfe inzwischen bewusst für kulturelle Formate geöffnet.
Hinter solchen Konzepten steht häufig die Idee, den Umgang mit Tod und Trauer zu verändern und Friedhöfe stärker als Orte der Erinnerung, Ruhe und Begegnung wahrzunehmen. Zugleich soll durch eine neue Nutzung die Bedeutung und langfristige Perspektive solcher Orte gestärkt werden.
Auch auf dem Friedhof in Melle-Wellingholzhausen wird der Friedhof im Sommer zur Konzertkulisse. In Nordwalde fand bereits 2021 ein Nachtkonzert in einer Friedhofskapelle statt – mit Gambensolistin, Cembalo-Organist und drei Solosängern.
In Rhöndorf wird es ein solches Konzert vorerst nicht geben. Die Stadt hält offensichtlich an der bisherigen Zweckbestimmung des Waldfriedhofs und seiner Kapelle fest.
Möglicherweise geht am 8.10.2026 ein Ruck durch die Amtsstuben und Politik. Dann steht die neue Friedhofssatzung auf der Tagesordnung der Sitzung des Umweltauschusses und der könnte sich für eine erweiterte Nutzung der Friedhöfe mit Kultur entscheiden. Denn: Der Tod gehört zum Leben dazu.










