Ein Einschnitt und eine Chance
Dass die Förderung für das unter anderem geplante Parkhaus am Mobilitätsknoten nicht bewilligt wurde, stellt zweifellos einen Einschnitt dar, auch wenn dies aus meiner Sicht nicht völlig überraschend kam. Das Vorhaben hat damit eine entscheidende Hürde nicht genommen. Gleichzeitig liegt in dieser Entwicklung jedoch auch eine Chance. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die bisherigen Planungen in Ruhe zu überprüfen, neu zu bewerten und weiterzuentwickeln.
Zu groß geplant
Das Projekt war von Beginn an sehr ambitioniert angelegt. Rund 300 Stellplätze, sechs Geschosse, Gesamtkosten des Mobilknoten von etwa 15 Millionen Euro sowie jährliche Betriebskosten von bis zu 400.000 Euro, die die Stadt hätte tragen müssen. Diese Dimension ist erheblich. Ob ein solches Projekt langfristig sinnvoll und wirtschaftlich betrieben werden kann, blieb aus meiner Sicht unbeantwortet.
Hinzu kommt, dass ein Bau dieser Größe mit Turm das Stadtbild am Rhein mit Blick auf den Drachenfels deutlich verändert hätte. Gleichzeitig ist bekannt, dass Park-and-Ride-Anlagen in der Regel kein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell darstellen. Umso wichtiger ist daher die Frage, ob Aufwand und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis stehen.
Entscheidungen brauchen belastbare Grundlagen
Der damalige Bürgermeister und die Verwaltung haben das Projekt mit großem Engagement vorangetrieben. Die Mehrheit im Rat hat diesen Kurs zunächst unterstützt, auch im Hinblick auf die in Aussicht gestellte Förderung. CDU, Bürgerblock und SPD sind diesen Weg mitgegangen.
Rückblickend zeigt sich jedoch, dass zentrale Annahmen der damaligen Verwaltungsspitze nicht ausreichend belastbar waren. Gemeinsam mit anderen habe ich diese bereits früh in mehreren Ausschusssitzungen hinterfragt. Heute lässt sich feststellen, dass sich einige dieser Einschätzungen als nicht tragfähig erwiesen haben. Daraus sollten wir lernen. Gute Politik basiert nicht auf Hoffnung allein, sondern auf verlässlichen Grundlagen.
Risiken früh erkennen und Alternativen prüfen
Auch auf Risiken wurde frühzeitig hingewiesen. Dabei ging es nie um eine grundsätzliche Ablehnung eines Mobilitätsknotens, sondern um dessen konkrete Ausgestaltung.
Bereits damals wurden kleinere, flexiblere und finanzierbare Lösungen diskutiert, verbunden mit einem stärkeren Fokus auf Bus, Bahn sowie den Rad- und Fußverkehr. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Grünen im Planungsausschuss habe ich im vergangenen Jahr einen Antrag für eine realistische, reduzierte Planung eingebracht. Dies hätte der Stadt vermutlich einen Teil der inzwischen entstandenen Planungskosten ersparen können.
Teure Vorleistungen
Bis heute sind rund 400.000 Euro an Planungskosten angefallen. Hinzu kommen zahlreiche Arbeitsstunden innerhalb der Verwaltung. Diese Ressourcen fehlten an anderer Stelle, etwa bei der Entwicklung der Innenstadt oder der Bildungsinfrastruktur.
Gerade deshalb sollte nun kein Weiter so erfolgen. Vielmehr gilt es, die Planungen konsequent an dem auszurichten, was tatsächlich benötigt wird und was die Stadt langfristig leisten kann.
Neue Offenheit nutzen
Positiv ist, dass in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses eine größere Offenheit für alternative Ansätze erkennbar war. CDU, Bürgerblock und auch die neue Verwaltungsspitze zeigen sich zunehmend bereit, einen realistischeren und sparsameren Weg einzuschlagen.
Das ist ein wichtiges Signal. Entscheidend ist nun, dass daraus konkrete Schritte folgen. Es braucht klare Antworten auf zentrale Fragen. Was wird tatsächlich benötigt? Was ist finanzierbar? Und wie fügt sich das sinnvoll in das Stadtbild ein?
Lieber tragfähig als groß
Die Zukunft der Mobilität in Bad Honnef wird nicht durch ein spektakuläres Großprojekt entschieden, sondern durch flexible und anpassungsfähige Lösungen. Modular erweiterbare und regulierte Park-and-Ride-Angebote für Pkw, verbesserte Busverbindungen sowie genügend diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Scooter erscheinen als der sinnvollere Weg.
Solche Maßnahmen sind weniger auffällig, aber häufig nachhaltiger, sowohl finanziell als auch praktisch und im Hinblick auf das Stadtbild.
Technologische Entwicklungen mitdenken
Auch der technologische Fortschritt wird die Anforderungen an Infrastruktur verändern. Autonomes Fahren und neue Carsharing-Modelle könnten dazu führen, dass große Parkhäuser künftig an Bedeutung verlieren.
Gleichzeitig entstehen neue Chancen für den öffentlichen Nahverkehr, etwa durch flexible Bedienformen, die dem Fahrermangel entgegenwirken und den ÖPNV insgesamt attraktiver machen können.
Aus Fehlern lernen
Die aktuelle Situation ist keine Niederlage, sondern eine notwendige Korrektur. Sie bietet die Chance, die Mobilitätsplanung in Bad Honnef realistischer, wirtschaftlicher und zukunftsfester auszurichten.
Dazu gehört auch die Ehrlichkeit, dass Fördermittel von Bund und Land begrenzt sind und künftig eher kleinere Bausteine eines Mobilitätsknotens profitieren dürften. Die Förderung laufender, sogenannter konsumtiver Kosten erscheint angesichts der angespannten Haushaltslagen und der aktuellen politischen Prioritäten auf Ausgabenkürzungen und Mehreinnahmen im Bund weiterhin als sehr unwahrscheinlich.
Künftige Projekte sollten daher noch sorgfältiger vorbereitet werden. Förderperspektiven müssen belastbar sein, Entscheidungen auf stabilen Grundlagen beruhen und Hinweise sowie Kritik frühzeitig ernst genommen werden.
Hinweis
Alle genannten Zahlen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen der Stadtverwaltung im Bürgerinformationssystem und auf Aussagen aus öffentlichen Ausschusssitzungen.









