Bonn. Der Leerstand in der Bonner Innenstadt nimmt zu. Bei einer Erhebung im Oktober 2026 hat der Einzelhandelsverband Bonn Rhein-Sieg Euskirchen 83 leer stehende Gewerbeeinheiten in Erdgeschosslage gezählt. Das entspricht einer Leerstandsquote von 12 Prozent. Im Februar waren es noch 69 Leerstände bei einer Quote von 10,9 Prozent gewesen.
Für die aktuelle Bestandsaufnahme erfasste der Verband zwischen dem 1. und 16. Oktober sämtliche Gewerbeeinheiten innerhalb des alten City-Rings sowie weitere Nebenstraßen in den Randlagen. Insgesamt wurden 694 Einheiten berücksichtigt.
Handel verliert Anteile, Gastronomie und Dienstleistungen legen zu
Neben dem steigenden Leerstand verändert sich auch die Zusammensetzung der Bonner Innenstadt. Der Handel verliert gegenüber anderen Nutzungen weiter an Bedeutung.
So sank der Anteil des Handels an den belegten Gewerbeeinheiten von 58,1 auf 54,3 Prozent. Die Gastronomie steigerte ihren Anteil von 22,7 auf 23,9 Prozent. Dienstleistungen legten von 19,2 auf 21,8 Prozent zu.
Der Einzelhandelsverband sieht darin eine Entwicklung, die über die reine Zahl leer stehender Ladenlokale hinausgeht. Entscheidend sei auch, welche Angebote neue Mieter in die Innenstadt bringen und ob ein vielfältiger Branchenmix erhalten bleibe.
„Für die Attraktivität der Bonner Innenstadt reicht es nicht aus, dass Ladenlokale irgendwie wieder belegt werden“, sagt Andrea Forst-Raasch, Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen. Wichtig seien vielfältige Angebote, die Menschen zum Einkaufen und zum Besuch der Innenstadt bewegen.
Brüdergasse besonders stark betroffen
Wie unterschiedlich sich der Leerstand innerhalb der Innenstadt entwickelt, zeigt das Beispiel Brüdergasse. Dort stieg die Leerstandsquote von 5,6 auf 27,8 Prozent.
Der Verband sieht einen möglichen Zusammenhang mit den zurückliegenden Bauarbeiten und der dadurch erschwerten Erreichbarkeit. Obwohl die Arbeiten in der Brüdergasse bereits seit vielen Wochen ruhen, verdeutliche die Entwicklung, wie empfindlich einzelne Geschäftslagen auf Einschränkungen reagieren könnten.
Sorge wegen der Nordbrückensperrung
Mit Blick auf die mehrjährige Sperrung der Bonner Nordbrücke befürchtet der Einzelhandelsverband weitere Belastungen für die Innenstadt. Eine erschwerte Anfahrt könne dazu führen, dass weniger Menschen die City besuchen. Das wiederum könnte sich auf die Umsätze von Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsbetrieben auswirken.
Sollten Kundenfrequenz und Umsätze dauerhaft zurückgehen, bestehe mittelfristig die Gefahr eines weiteren Anstiegs der Leerstände. Der Verband fordert deshalb, während der Sperrung alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Erreichbarkeit der Innenstadt möglichst gut sicherzustellen.
Die Nordbrückensperrung sei eine enorme Herausforderung – und das voraussichtlich noch über viele Jahre, betont Forst-Raasch.
Aus Sicht des Verbandes kommt es damit auf zwei Entwicklungen gleichzeitig an: Die Bonner Innenstadt muss für Besucher erreichbar bleiben und ein attraktives Angebot bieten. Denn eine sinkende Leerstandsquote allein wäre noch kein ausreichender Beleg dafür, dass die City als Einkaufsstandort an Stärke gewinnt.
Quelle: Einzelhandelsverband Bonn Rhein-Sieg Euskirchen (redaktionell bearbeitet)









