Bad Honnef. Bei der vorgezogenen RhineCleanUp-Aktion am vergangenen Samstag in Bad Honnef haben freiwillige Helferinnen und Helfer nicht nur große Mengen Müll aus dem Rhein und den Uferbereichen geborgen. Auch mutmaßliche Kampfmittel wurden entdeckt. Sie wurden an einen sicheren Ort gebracht und bis zum Abtransport durch die Kampfmittelbeseitigung von einem Sicherungsdienst bewacht.
Vor Beginn der Aktion wurden die Teilnehmenden mündlich und durch Plakate darauf hingewiesen, wie sie sich bei möglichen Munitionsfunden verhalten sollen. Auf der Website von RhineCleanUp heißt es: „In Einzelfällen ist Munition aus dem 2. Weltkrieg gefunden worden. Bitte nicht anfassen, sondern umgehend über den Notruf 112 die Behörden informieren.“
Die Funde werfen jedoch eine grundsätzliche Frage auf: Wie sicher können Laien überhaupt erkennen, ob es sich bei einem Gegenstand um harmlosen Schrott oder möglicherweise gefährliche Munition handelt – insbesondere, wenn diese jahrzehntelang im Wasser oder Schlamm gelegen hat?
Auf Anfrage teilt RhineCleanUp mit, das Risiko sei durchaus real. Auf die Frage, wie der Verein die Gefahr grundsätzlich bewertet, heißt es knapp: „Die Risiken sind vorhanden. Und auf jeden Fall größer als in den vergangenen Jahren.“
Eine mögliche Ursache dürfte das derzeitige Niedrigwasser sein. Bereiche, die sonst unter Wasser liegen, werden freigelegt. Dabei kommen nicht nur Müll und Gegenstände aus vergangenen Jahrzehnten zum Vorschein, sondern möglicherweise auch Kampfmittel.
RhineCleanUp weist die beteiligten Gruppen nach eigenen Angaben regelmäßig auf das richtige Verhalten hin. Bereits beim geringsten Verdacht sollen Helferinnen und Helfer den Gegenstand nicht weiter berühren und Polizei, Feuerwehr oder den Kampfmittelräumdienst informieren. Die entsprechenden Hinweise würden per Newsletter und Direktmail an die Gruppen weitergegeben.
Doch reicht das aus? Gerade bei Aktionen, an denen auch Familien sowie Kinder und Jugendliche teilnehmen, ist die Frage berechtigt. Kampfmittel sind nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Nach Jahrzehnten im Wasser können sie stark korrodiert, verschlammt oder beschädigt sein.
RhineCleanUp erklärt, man stehe „im ständigen Kontakt mit den Experten“ und werde die Frage zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen mit ihnen besprechen.
Für Kinder und Jugendliche zieht die Organisation bereits eine klare Grenze: Gruppen mit jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollen nicht in Bereichen tätig werden, die durch das Niedrigwasser freigelegt wurden. „Es gibt leider genug andere Sammelstellen, wo reichlich Müll liegt“, so RhineCleanUp.
Die Vorgabe reduziert das Risiko. Doch auch erwachsene Freiwillige sind in der Regel keine Experten für Kampfmittel. Die Ereignisse in Bad Honnef zeigen deshalb, dass das Thema bei künftigen Säuberungsaktionen stärker in den Mittelpunkt rücken dürfte – insbesondere, solange niedrige Wasserstände bislang unzugängliche Bereiche an Rhein und anderen Gewässern freilegen.
Wie ernst die Gefahr genommen werden sollte, zeigt eine aktuelle Warnung der Stadt Bonn. Sie mahnt, das Rhein-Flussbett derzeit nicht zu betreten. Der niedrige Rheinpegel lege Gegenstände im Flussbett und an den Ufern frei. Darunter könnten sich zahlreiche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg befinden – etwa Bomben, Patronen, Granaten oder Minen.
Besonders problematisch für die Stadt Bonn: Viele dieser Gegenstände seien äußerlich nicht eindeutig als Kampfmittel zu erkennen. Auch scheinbar harmlose Metallteile könnten scharfe Munition sein. Phosphorbomben könnten nach Angaben der Stadt bereits bei Trocknung und Sonneneinstrahlung explodieren.
Die klare Empfehlung der Bundesstadt lautet daher: das Flussbett des Rheins nicht betreten und keine Gegenstände anfassen, einsammeln oder bewegen – insbesondere keine metallenen, runden oder zylindrischen Objekte.
Müllsammelaktionen mit freiwilligen Helferinnen und Helfern sind für Umwelt und Landschaft zweifellos wichtig. Seit 2018 räumen Ehrenamtliche die Ufer der Flüsse auf – zunächst am Rhein von der Quelle bis zur Mündung, mittlerweile auch an 29 weiteren Flüssen. „In den letzten Jahren konnten wir über 100.000 Freiwillige aktivieren, sie haben über 1.000 Tonnen Müll an den verschiedenen Flüssen gesammelt“, berichtet RhineCleanUp.
So sieht es die Stadt Bad Honnef
Honnef heute: Am Samstag fand in Bad Honnef der vorgezogene RhineCleanUp-Day statt. Es wurden Kampfmittel gefunden. Welche?
Stadt Bad Honnef: Bei den meisten verdächtigen Gegenständen stellte sich heraus, dass es sich um keine Kampfmittel handelt. Bei einem verdächtigen Gegenstand handelt es sich um eine 2cm-Sprenggranate. Aufgrund des anhaltenden Niedrigwassers werden derzeit auch an zahlreichen anderen Stellen entlang des Rheins verdächtige Gegenstände untersucht. Allein am Sonntag führte der Kampfmittelbeseitigungsdienst nach unseren Informationen mehr als ein Dutzend weitere Untersuchungen in anderen Städten am Rhein durch.
Wurden die Kampfmittel von den Helferinnen und Helfern zu einer Sammelstelle gebracht oder wurden anwesende Fachleute zur Begutachtung zur Fundstelle gerufen? Wie wurden die Kampfmittel gesichert und wann wurden sie vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entsorgt?
Nach dem Fund wurde umgehend der Kampfmittelbeseitigungsdienst verständigt. Bis zu dessen Eintreffen wurde die Fundstelle durch einen Sicherheitsdienst gesichert. Die Mitarbeitenden des Kampfmittelbeseitigungsdienstes untersuchten den Gegenstand vor Ort, bestätigten, dass es sich lediglich bei einem der verdächtigen Gegenstände um ein Kampfmittel handelt, und stellten dieses sicher.
Es ist bekannt, dass im Rhein und an den Ufern immer wieder Kampfmittel aus den Weltkriegen gefunden werden. Wo zieht die Stadt bei Aktionen wie RhineCleanUp die Grenze zwischen einem vertretbaren Restrisiko und einem nicht mehr verantwortbaren Risiko?
Die Sicherheit der Helferinnen und Helfer hat bei der Müllsammelaktion oberste Priorität. Im Vorfeld haben sich die Organisatoren daher intensiv mit möglichen Gefahren und den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandergesetzt, sich von der Initiative RhineCleanUp beraten lassen und die zuständigen Stellen einbezogen beziehungsweise informiert.
Alle Helferinnen und Helfer erhalten vor Beginn der Aktion eine Einweisung. Zusätzlich weisen Plakate vor Ort auf wichtige Verhaltens- und Sicherheitsregeln hin. Dazu gehört ausdrücklich auch der Hinweis, wie bei einem möglichen Kampfmittelfund vorzugehen ist.










