Neue S-Bahn-Züge für die Region: NVR startet Ausschreibung für Neufahrzeuge

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S-Bahn-Wagenkasten - Foto: Neomind

 

Region – Im Kölner S-Bahn-Netz der Zukunft sollen einmal viel mehr Fahrgäste unterwegs sein als heute. Dafür muss nicht nur das Streckennetz deutlich ausgebaut werden. Es werden auch Fahrzeuge benötigt, die ihren Teil dazu beitragen, mehr Kapazitäten sowie Qualität auf der Schiene anbieten zu können. Um diese S-Bahn-Züge zu beschaffen, hat der Nahverkehr Rheinland (NVR) gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als Juniorpartner nun eine Ausschreibung gestartet. Es geht um rund 100 neue Züge. Zum Vergleich: Heute fahren bei der S-Bahn Köln etwa 60 Züge. Die neuen Fahrzeuge werden bis zu 25 Prozent mehr Kapazität bringen und wesentlich mehr Komfort bieten als die derzeitigen. Ein besonderer Clou: Sie lassen sich flexibel an unterschiedliche Nutzungen anpassen.

Für die kürzlich gestartete Ausschreibung der neuen S-Bahn-Züge hat der NVR gemeinsam mit der Industriedesign-Agentur Neomind ein Konzept entwickelt, wie die neuen S-Bahn-Züge gestaltet sein sollen. Zentrale Herausforderung: die teilweise sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Fahrgäste bestmöglich in Einklang bringen und gleichzeitig einen stabilen Betrieb gewährleisten. Im Durchschnitt verbringt ein Fahrgast etwa 25 Minuten pro Fahrt in einer S-Bahn. Dahinter verbergen sich aber gleichermaßen kurze Fahrten in der Innenstadt und lange Reisen von bis zu einer Stunde Dauer. Diesem Spannungsfeld muss der neue Zug gerecht werden. Bei längeren Strecken braucht es mehr Sitzplatzkapazitäten, während für kürzere Strecken möglichst hohe Kapazitäten in Form von Stehplätzen benötigt werden. Ein Mix aus Modulen, die im Zug angeboten werden, soll die optimale Schnittmenge bringen:

• Flexmodul (Vis-à-vis-Sitze, die bei Bedarf umgeschwenkt oder eingefahren werden können)
• Vis-à-vis-Sitzmodul
• Mehrzweck-Modul mit Klappsitzen
• Rollstuhl-Modul mit Klappsitzen und
• Komfortstehplatz-Modul

Bei der Entwicklung der neuen S-Bahn-Züge war dem NVR auch das Thema Flexibilität sehr wichtig: Die Module sollen sich recht kurzfristig verändern oder umbauen lassen, beispielsweise von Sitzplätzen zu Stehplätzen oder von Vierer- zu Dreiersitzgruppen. Bisher waren dafür langwierige Werkstattaufenthalte notwendig, die zukünftig deutlich kürzer ausfallen werden.

Ein absolutes Novum der neuen S-Bahn-Züge ist ein WC in jedem Endwagen: Keine andere S-Bahn mit hochflurigen Fahrzeugen in Deutschland verfügt bisher über WCs. Darüber hinaus sollen zahlreiche Innovationen im Zug den Reisekomfort der Fahrgäste deutlich verbessern. Obligatorisch ist dabei der Einbau von starken WLAN-Routern. Auch das Fahrgastinformationssystem und die Reisendenlenkung sollen mithilfe eines Monitorbandes völlig anders aussehen als noch heute. Dieses Band teilt den Fahrgästen nicht nur den Linienverlauf mit, sondern es zeigt den am Bahnsteig Wartenden auch an, wo in der S-Bahn noch Platz ist. Eine Übermittlung dieser Daten, z.B. auf das eigene Smartphone oder in die Reisendeninformation am Bahnsteig, ist ebenfalls geplant. Das wird den Umstieg der Fahrgäste in Zukunft noch komfortabler und schneller machen – und die Züge damit pünktlicher.

Die Ausschreibung für die neuen S-Bahn-Züge

„Die zahlreichen Vorgaben, die ein potenzieller Bewerber in der Ausschreibung für die neuen S-Bahn-Züge erfüllen muss, haben wir bewusst sehr ambitioniert gestaltet“, betont Sven Kleine, unter anderem stellvertretender Leiter Eigenbetrieb Fahrzeuge beim NVR. „Denn diese Züge sollen in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrswende im Rheinland leisten. Dafür müssen so viele Menschen wie möglich motiviert werden, vom Auto auf die Schiene umzusteigen. Um das zu erreichen, war uns bei der Ausschreibung wichtig, dass die neuen S-Bahn-Züge ein Maximum an Komfort und Funktionalität bieten.“ Ob dann alle Anforderungen auch wirklich kommen werden, wird sich erst durch den Austausch mit der Fahrzeugindustrie im Zuge des Vergabeverfahrens zeigen, das voraussichtlich bis Ende 2023 dauern wird.

Aktuell fahren S-Bahn-Züge aus drei unterschiedlichen Bauserien durch den Bahnknoten Köln, die jeweils aus zwei gekoppelten 70-Meter-Fahrzeugen bestehen. Die S-Bahn der Zukunft wird rund 150 und später rund 170 Meter lang und ein durchgängiger Zug sein. Mit den rund 100 neuen Fahrzeugen ist eine Steigerung der Gesamtkapazität um bis zu 25 Prozent möglich. Das Fahrplanvolumen soll mit den neuen S-Bahn-Zügen von heute rund 12 Millionen auf etwa 23 Millionen Zugkilometer im Zielzustand wachsen.

Fahrzeughersteller aus aller Welt für die neuen S-Bahn-Züge

Nach derzeitigem Stand der Planungen sollen zwischen 2027 und 2029 die neuen S-Bahn-Züge in den Betrieb gehen und nach und nach die alten S-Bahn-Züge ersetzen. Bewerben können sich Fahrzeughersteller aus aller Welt, wenn sie die geforderte technische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Rahmen des Teilnahmewettbewerbes nachgewiesen haben. Der Auftrag wird allerdings nicht mit der Lieferung der neuen Züge enden. Mit Gewinn der Ausschreibung sichert der Hersteller für die gesamte Vertragslaufzeit von rund 30 Jahren zu, dass die Fahrzeuge fahrtüchtig und in gutem Zustand bleiben sowie täglich und dauerhaft verfügbar sind.

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