Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Die Bonner Nordbrücke wird nicht mehr für den Auto- und Lkw-Verkehr freigegeben. Nach aktuellen Untersuchungen ist die linksrheinische Vorlandbrücke stärker beschädigt als bislang angenommen. Das teilte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder am Freitag nach einer Sitzung des Lenkungskreises von Bund, Land und Kommunen in Bonn mit.
Die beschädigte Vorlandbrücke soll nun vollständig abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums soll das Vergabeverfahren umgehend beginnen. Bereits im Juli könnte mit den Abrissarbeiten gestartet werden. Ziel sei es, die neue Brücke bis Ende 2028 fertigzustellen und wieder für den Verkehr freizugeben.
Schnieder sprach von einer außergewöhnlichen Situation, bei der Schnelligkeit oberste Priorität habe. Ursprünglich war ein Neubau der seit Jahren sanierungsbedürftigen Nordbrücke erst für die 2030er-Jahre vorgesehen.
Bonn erwartet jahrelange Belastungen
Für Bonn und die gesamte Region bedeutet die Entscheidung jedoch eine erhebliche Belastung. Bonns Oberbürgermeister Guido Déus bezeichnete die Nachricht als „schlimme Botschaft“ für die Stadt und das Umland.
„Wir werden mindestens zwei, ich fürchte sogar drei Jahre lang weiterhin eine extrem angespannte und schwierige Verkehrslage im Stadtgebiet haben“, erklärte Déus. Die Auswirkungen der Sperrung seien bereits seit dem 3. Juni in nahezu allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens spürbar.
Rund 100.000 Fahrzeuge nutzten die Nordbrücke bislang täglich. Viele dieser Verkehrsströme verlagern sich nun auf andere Rheinquerungen oder führen durch das Bonner Stadtgebiet. „Wir werden die Verkehrslage nicht vollständig entzerren können“, so der Oberbürgermeister.
Mehr Menschen steigen auf Bus, Bahn und Fahrrad um
Die Stadt Bonn hat bereits verschiedene Sofortmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehören zusätzliche Park-and-Ride-Plätze mit Shuttle-Anbindung, die kostenlose Nutzung von Bus und Bahn bis Ende Juni sowie verkehrslenkende Maßnahmen auf wichtigen Straßen.
Nach Angaben der Stadt zeigen diese Maßnahmen erste Erfolge. Besonders deutlich sei der Anstieg des Radverkehrs: Auf der Kennedybrücke wurden zuletzt rund 19.000 Radfahrende pro Tag gezählt – zuvor waren es etwa 8.000. Auch die Park-and-Ride-Angebote würden verstärkt genutzt.
Weitere Maßnahmen seien bereits in Vorbereitung. Déus betonte zugleich, dass Bonn die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen nicht allein bewältigen könne. Deshalb werde die Stadt Gespräche mit Bund und Land über zusätzliche Unterstützung führen.
Positiv bewertete der Oberbürgermeister die Ankündigung, dass die Nordbrücke für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende ab dem Spätsommer wieder nutzbar gemacht werden soll.
Landrat Schuster fordert gemeinsames Handeln
Auch der Rhein-Sieg-Kreis sieht große Herausforderungen auf die Region zukommen. Landrat Sebastian Schuster sprach von erheblichen Auswirkungen auf Bevölkerung und Wirtschaft.
„Die 100.000 Fahrzeuge, die täglich dort über den Rhein gefahren sind, müssen sich nun bis mindestens Ende 2028 Ausweichrouten suchen oder auf andere Verkehrsmittel umsteigen“, erklärte Schuster.
Er kündigte eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn an, um die Folgen der Sperrung bestmöglich abzufedern. Gleichzeitig begrüßte er die Aussicht, dass noch in diesem Jahr sowohl die Ausschreibung des Neubaus als auch die Abrissarbeiten beginnen sollen.
„Daran kann die Bevölkerung ablesen, dass es vorangeht“, so der Landrat.
Mit dem nun beschlossenen Ersatzneubau steht die Region Bonn/Rhein-Sieg vor einer der größten verkehrlichen Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte. Während Bund, Land und Kommunen auf eine Fertigstellung bis Ende 2028 setzen, wird die Geduld von Pendlern, Unternehmen und Anwohnern in den kommenden Jahren auf eine harte Probe gestellt.









