Bonn. Die Nordbrücke-Sperrung in Bonn wird für viele Unternehmen zunehmend zum wirtschaftlichen Problem. Eine Befragung von 1160 Betrieben aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zeigt: 92 Prozent sind von der Sperrung betroffen, mehr als 70 Prozent erreichen ihre Unternehmen sowie Kunden- und Auftragsorte deutlich schlechter.
Was bedeutet die Sperrung konkret? Für drei von vier Unternehmen verlängert sich der Arbeitsweg der Beschäftigten, bei rund 65 Prozent dauern Fahrten zu Baustellen oder Terminen länger.
Für Betriebe, deren Mitarbeiter täglich unterwegs sind, wird die gesperrte Rheinquerung damit zur zusätzlichen Belastung – und für manche sogar zum Geschäftshindernis.
Nordbrücke-Sperrung Bonn: Fast jeder fünfte Betrieb lehnt Aufträge ab
Besonders deutlich wird die Dimension bei den Aufträgen. Fast jeder fünfte Betrieb kann Aufträge auf der anderen Rheinseite nicht mehr annehmen.
Betroffen sind vor allem Branchen, die auf kurze Wege angewiesen sind. Handwerk, Logistik und Dienstleistungen können ihre Arbeit nicht einfach ins Homeoffice verlagern. Auch im Einzelhandel und in der Gastronomie berichten Betriebe besonders häufig von Umsatzrückgängen.
Kreishandwerksmeister Michael Christmann sieht darin einen erheblichen Einschnitt für die regionale Wirtschaft. Er fordert von Autobahn GmbH und Bund, die Wiederherstellung der Rheinquerung weiter zu beschleunigen.
Längere Wege kosten Zeit – und zunehmend auch Geld
Die Unternehmen versuchen, die Folgen abzufedern. Rund 30 Prozent haben Homeoffice ermöglicht oder ausgeweitet, ebenfalls etwa ein Drittel setzt auf flexiblere Arbeitszeiten.
Doch diese Lösungen helfen längst nicht allen. Wer Handwerker zu Kunden schicken, Waren transportieren oder Baustellen erreichen muss, bleibt auf funktionierende Verkehrswege angewiesen.
Die Umfrage zeigt zudem, dass sich die Probleme nicht auf die Arbeitswege beschränken. Rund 65 Prozent der Unternehmen brauchen länger für Fahrten zu Baustellen oder Terminen.
35 Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert
Neben den Verkehrsproblemen gibt es offenbar auch Informationsbedarf. 35 Prozent der befragten Unternehmen fühlen sich nicht ausreichend informiert.
Viele Betriebe wünschen sich außerdem eine bessere Abstimmung der Baustellen in Bonn und der Region. Gefordert werden unter anderem mehr Ausnahmeregelungen für Lieferverkehre.
Die Bonner Wirtschaftsförderung verweist auf die städtische Task Force. Sie prüfe, welche Maßnahmen kurzfristig helfen können, die Auswirkungen der Sperrung auf den innerstädtischen Verkehr zu begrenzen, erklärt Sven Schneider, Leiter des Service Centers Wirtschaft.
IHK sieht die Nordbrücke als Warnsignal für weitere Brücken
Für IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille reicht die Bedeutung der aktuellen Sperrung über Bonn hinaus. Die Nordbrücke könne zeigen, wie Infrastrukturprojekte künftig schneller umgesetzt werden könnten.
Hille verbindet die Situation mit dem Zustand weiterer Rheinbrücken. Aus seiner Sicht brauche es mehr Tempo beim Neu- und Ersatzbau, damit sich vergleichbare Situationen künftig nicht wiederholen.
An der Umfrage beteiligten sich neben IHK Bonn/Rhein-Sieg, Handwerkskammer zu Köln, Kreishandwerkerschaft Bonn·Rhein-Sieg sowie den Wirtschaftsförderungen von Bonn und Rhein-Sieg auch der Einzelhandelsverband Bonn Rhein-Sieg Euskirchen und DEHOGA Nordrhein.
Die beteiligten Wirtschaftsorganisationen wollen nach eigenen Angaben weiterhin gegenüber Bund und Land auf eine schnelle Wiederherstellung der Rheinquerung drängen.
Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet die Sperrung bis dahin vor allem eines: mehr Zeit im Verkehr, schwierigere Erreichbarkeit und für manche Betriebe bereits konkrete wirtschaftliche Einbußen.
Redaktion Honnef heute / Quelle: IHK Bonn/Rhein-Sieg, Mitteilung von Jörn Wenge










