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Honnef heute - Presse, Nachrichten, News > Alle Artikel > Bonn > „Oh, das Siebengebirge ist für das GOP Bonn wahnsinnig bedeutend“
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„Oh, das Siebengebirge ist für das GOP Bonn wahnsinnig bedeutend“

Letztes Update: 08.07.2026
Honnef heute
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18 Min Lesezeit
Florian Engel GOP 2
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Bonn. Das Bonner GOP feiert zwar erst sein zehnjähriges Bestehen, die Geschichte des Unternehmens reicht jedoch weit über ein Jahrhundert zurück. Ihren Ursprung hat die heutige Varieté-Gruppe im Georgspalast in Hannover. Dort entwickelte sich das GOP bereits in den 1920er Jahren von einem Tanzcafé zu einer bekannten Bühne für Orchester und Unterhaltung.

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Nach der teilweisen Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg wurde das Theater 1948 als Varieté neu eröffnet. Internationale Künstler und bekannte Persönlichkeiten wie Heinz Erhardt, Udo Jürgens oder Caterina Valente traten dort auf. Mit dem Siegeszug des Fernsehens musste das GOP 1962 jedoch schließen.

Erst 1992 ließ die Unternehmerfamilie Grote das traditionsreiche Varieté in Hannover wieder aufleben. Das moderne Konzept mit wechselnden Shows und Gastronomie erwies sich als großer Erfolg und bildete die Grundlage für die Expansion. Nach Hannover entstanden weitere Häuser in Essen, Bad Oeynhausen, Münster, München und Bremen.

Seit Herbst 2016 gehört auch Bonn zur GOP-Familie. Das Theater im Bundesviertel ist der bislang jüngste Standort und hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einer festen Größe im kulturellen Leben der Bundesstadt entwickelt. Kennzeichnend für alle GOP-Häuser sind bis heute regelmäßig wechselnde Showproduktionen mit internationalen Artistinnen und Artisten, die alle zwei Monate ein neues Programm auf die Bühne bringen. Als Jubiläums-Angebot präsentiert GOP Bonn den Jubiläumskracher. Hier mehr …

Honnef heute sprach mit dem Direktor des GOP Bonn, Florian Engel. Seit Oktober 2022 führt er das Bonner Haus.

Florian Engel
Florian Engel, Direktor GOP Bonn

Wenn Sie auf zehn Jahre GOP Bonn zurückblicken: Was war aus Ihrer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor am Standort?

Wir beim GOP sind in allen Häusern recht dezentral aufgestellt, weil ganz klar ist, dass die Häuser sich regional und lokal stark verwurzeln sollen. Und ich glaube, das war auch hier in Bonn entscheidend für den Erfolg: dass wir lokal ganz schnell Anerkennung und Akzeptanz gefunden und so viele Freunde, Unterstützer und Partner gewinnen konnten, die eben auch Dinge mit uns weiterentwickelt haben.

Wenn ich da zum Beispiel an den Karneval denke, an wirkliche Freunde aus dem Karneval – ob das die Ehrengarde ist, mit der wir gemeinsam die Kinderkarnevalssitzung entwickelt haben. Oder ob das die Behinderten-Gemeinschaft Bonn ist, insbesondere Marion Frohn, die uns sehr unterstützt hat, unsere Aktionstage für ein inklusiveres Theatererlebnis zu etablieren. Ob das die Sparkasse KölnBonn ist, die mit uns zusammen in diesem Jahr einen großen Geburtstag feiert, denn die Sparkasse wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Oder ob das unser direkter Nachbar, das Radisson Blu Hotel, ist, mit dem wir ohnehin sehr viele Dinge gemeinsam machen und uns gegenseitig auch in den Kapazitäten ergänzen. Ich glaube, dieses Zusammenspiel unter Freunden und Partnern, das hier wirklich wahnsinnig gut funktioniert, war unser wichtigster Erfolgsfaktor.

Mit welchen Erwartungen ist das Haus damals gestartet – und inwiefern haben sie sich erfüllt oder verändert?

Als wir vor zehn Jahren gestartet sind, sind wir natürlich – wie bei jeder Neueröffnung – mit der Erwartung gestartet, dass das erste Jahr unglaublich viel abfordert und vielleicht auch etwas holprig ist. Im zweiten Jahr holpert es meist schon weniger, und ab dem dritten Jahr ist man in der Regel auf einer guten Fahrt und kommt auch wirtschaftlich gesehen in einen sehr positiven Bereich. In unserem Fall war das tatsächlich anders. Sie wissen alle: Wir hatten diesen kleinen Virus über drei Jahre, und der hat uns als Freizeit- und Kulturunternehmen natürlich aus der Bahn geworfen. Das hat auch dazu geführt, dass wir einen langen Atem gebraucht und im Grunde vor vier Jahren noch einmal so etwas wie ein zweites Opening gemacht haben. Heute sind wir mit diesem Standort allerdings sehr, sehr erfolgreich. Und alle Erwartungen, die wir uns ohne Corona vielleicht schon fünf Jahre früher erfüllt gewünscht hätten, haben sich mittlerweile erfüllt.

Wie hat sich Ihr Publikum in Bonn in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Es hat sich tatsächlich deutlich verjüngt. Wir sind ja als Varieté eine Theaterform, die eine sehr große Range, also eine sehr breite Klientel anspricht: von Kindern über Familien bis hin zu Senioren, von Firmen bis hin zu privaten Paaren. Von daher sind wir eine Theaterform, die sehr gemischt ist und vielleicht auch eine jüngere Klientel anspricht, als es zum Beispiel die Oper tut. Hinzu kommt natürlich, dass Kinder und Jugendliche uns immer sehr wichtig waren. Mit Aktionen wie „Kids für Nix“ sprechen wir auch sehr gezielt ein junges Publikum an. Das hat tatsächlich sehr gut funktioniert. Insgesamt kann man sagen: Unser Publikum ist tatsächlich einen Ticken jünger geworden.

Gab es in diesen zehn Jahren einen Moment, in dem der Standort besonders unter Druck stand oder sogar infrage stand?

Ja, tatsächlich, den gab es. Ich habe eingangs erzählt, dass nach einer Eröffnungsphase die Corona-Jahre natürlich nicht geplant waren. Und man muss schon sagen, dass die Familie Grote als Eigentümer und Betreiber des Theaters einen sehr langen Atem hatte. Natürlich hat man in dieser Zeit aber auch kritisch auf die Situation geschaut. Ich meine, wir sind ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Alle Häuser finanzieren sich ausschließlich selbst, ohne staatliche Hilfen. Von daher musste man natürlich auch kritisch daraufschauen und sich die Frage stellen, wie lange man sich das leisten kann.

Wie stark hat die Corona-Pandemie das GOP Bonn getroffen – und was hat sich dadurch dauerhaft verändert?

Die Corona-Pandemie hat ja nicht nur das GOP getroffen. Die Corona-Pandemie hat das Freizeit- und Dienstleistungsgewerbe im Allgemeinen getroffen. Aber es gab hier im GOP Bonn vielleicht eine Besonderheit, die anders war als bei so manch anderem Betrieb oder auch bei anderen GOP Standorten: Bonn ist das jüngste Haus. Bonn hat 2016 eröffnet und war natürlich noch nicht in der Form am Markt etabliert, dass jeder das Programm und den Qualitätsstandard von GOP kannte.

Die Familie Grote hatte sich als Eigentümerin recht früh entschieden, immer dann, wenn man am Markt sein durfte, auch wieder am Markt zu sein. Das heißt: In dem Moment, in dem die Verordnungen gelockert wurden, haben wir im Rahmen der Möglichkeiten und im Rahmen dessen, was uns zur Verfügung stand, natürlich auch den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Das war Segen und Fluch zugleich, wenn man heute zurückschaut. Denn wir waren natürlich früh wieder am Markt und dauerhaft am Markt. Auf der anderen Seite haben wir über drei Jahre aber auch nicht den Standard praktiziert, den wir eigentlich haben, sondern letzten Endes das getan, was man tun durfte.

An Standorten, an denen man bereits fest verankert ist, ist das kein Problem, weil jeder weiß, was dort „normal“ ist. In Bonn war das durchaus herausfordernd, weil viele Gäste natürlich dann auch in dieser Zeit aus dem Haus gegangen sind mit einer Erfahrung oder einem Standard, der gar nicht unserer Norm entsprach, und sich das dann auch verankert hat. Sicherlich war es auch so, dass wir in dieser Zeit Ressourcen herunterfahren mussten, um das wirtschaftlich zu stemmen. Von daher konnte in dieser Zeit auch kein normaler Standard geboten werden. Das ist sicherlich etwas, was in Bonn schwieriger war als an anderen Standorten, die schon seit Jahrzehnten am Markt sind.

Mittlerweile kann man aber sagen – und das auch mit Stolz –, dass wir das gut überwunden haben. Wir haben jetzt seit guten vier Jahren einen Qualitätsstandard, den wir sehr stabil halten können. Und das, was man in den letzten vier Jahren bei uns kennengelernt hat, ist das, was GOP auch wirklich ist.

Sind die Besucherzahlen und die Auslastung inzwischen wieder auf dem Niveau vor der Pandemie?

Nicht nur auf dem Niveau vor der Pandemie, sondern tatsächlich auch über dem Niveau vor der Pandemie. Wir sind wirtschaftlich sehr stabil und erfreuen uns einer sehr großen Akzeptanz sowie hoher Besucherquoten. Von daher möchte ich an dieser Stelle wirklich auf Holz klopfen: Wir dürfen uns aktuell wirklich nicht beschweren. Wir haben im Schnitt rund
10.000 Besucher im Monat, und das ist natürlich großartig.

Welche aktuellen Herausforderungen beschäftigen Sie derzeit am meisten – eher Kostenentwicklung, Personalmangel oder verändertes Freizeitverhalten?

Ach, wissen Sie, all diese Punkte sind eigentlich keine Entwicklungen der Neuzeit, auch wenn man sie manchmal gerne so darstellt. Natürlich ist die Personalsituation in Deutschland momentan besonders. Aber es gibt ja immer zwei Seiten der Medaille. Ich glaube, uns ist es gelungen, an einem in Anführungsstrichen leer gefegten Markt Personal zu finden, in einer Zeit, in der jeder andere behauptete, es gebe keins.

Man muss sich halt auch verändern. Man muss diesen Wandel mitleben und ihn in der Kostenstruktur, in der Personalstruktur und eben auch im veränderten Freizeitverhalten mitmachen. Aber das ist auch kein Zustand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt kommt, sondern ein permanenter Zustand. Dieser Wandel ist fortlaufend und ich glaube, dass wir uns dem sehr agil und sehr flexibel immer wieder stellen.

Welche Rolle spielt die Gastronomie heute für das Gesamterlebnis und die Wirtschaftlichkeit des Hauses?

Das ist relativ einfach zu beantworten, zumindest was den wirtschaftlichen Teil betrifft: Die Gastronomie hat bei uns einen Anteil von ungefähr 40 Prozent am Gesamtergebnis. Und welche Rolle spielt sie für das Gesamterlebnis? Eine sehr, sehr große. Denn per Definition funktioniert Varieté nur mit Gastronomie. Viele wissen das gar nicht: Zirkus, Kabarett und Varieté gehören zwar alle zu einer Familie, aber tatsächlich definiert sich der Begriff Varieté eben über diese Darbietungen – Akrobatik, Musik und Comedy – immer in Verbindung mit Gastronomie. Fehlt die Gastronomie, ist es im Grunde auch kein Varieté mehr.

Wie wichtig sind Firmenveranstaltungen und Events für das GOP Bonn geworden?

Enorm wichtig. Ich habe ja vorhin erzählt, dass wir rein privatwirtschaftlich finanziert sind. Nur vom Individualgeschäft allein können wir nicht existieren. Für uns sind Firmenveranstaltungen monetär betrachtet erheblich. Sie haben darüber hinaus aber noch einen ganz anderen positiven Effekt: Sie bringen uns natürlich auch viele Menschen ins Haus, die ansonsten vielleicht gar nicht ins Theater gegangen wären. Weil sie das Haus nicht kannten oder vielleicht auch mit Varieté gar nicht vertraut waren. Von daher ist das Thema Firmenveranstaltungen für uns nicht nur monetär ein wichtiges Tool, sondern tatsächlich auch aus Akquise-Sicht. Es bringt uns unfassbar viele neue Kontakte.

Welche Rolle spielt das GOP in der Kulturlandschaft der Stadt Bonn?

Ich glaube schon, dass wir eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielen. Als wir vor zehn Jahren an diesen Standort gekommen sind, gab es natürlich auch eine Standortanalyse. Man hat sich ja für Bonn entschieden, weil genau ein Varieté im weiten Umkreis gefehlt hat. Das gab es schlicht und ergreifend nicht.

Es gibt in Bonn eine ganz große Vielfalt an Bühnen, an freien Bühnen und städtischen Bühnen. Aber Varieté und Kabarett in dieser Form gab es so noch nicht. Natürlich gibt es die Springmaus und das Pantheon, da gibt es auch Schnittmengen. Aber ein reines Varieté, auch mit dieser gastronomischen Leistung, da sind wir, glaube ich schon, das kann ich so sagen, einzigartig in der Region. Und wenn ich mir jetzt anschaue, wie unsere Besucherzahlen sind und wie groß die Akzeptanz ist, würde ich sagen: Ja, wir spielen schon mit in der Kulturlandschaft in Bonn.

Wo sehen Sie noch Potenzial für eine engere Zusammenarbeit mit anderen Kultur- oder Veranstaltungspartnern in Bonn und der Region?

Ich glaube, wir arbeiten schon sehr eng zusammen. Man darf da zum Beispiel an Veranstaltungen wie die Bonner Theaternacht erinnern, bei der alle Theater an einem Strang ziehen und gemeinsam schauen, dass dieses Event so in dieser Form stattfinden kann. Oder auch an die Theatergemeinde Bonn, über die es verschiedene Abonnements aus unterschiedlichen Theatern gibt, um den Besuchern eine Vielfalt zu bieten.

Ich glaube also, dass diese Zusammenarbeit schon sehr eng ist. Auch der Austausch unter den Theaterleitern oder unter den künstlerischen Leitungen ist recht groß. Man hilft sich, man mag sich, man kennt sich. Und ich glaube, das ist schon auf einem sehr, sehr hohen Niveau.

Gibt es eine Produktion oder einen Abend, der Ihnen aus den vergangenen zehn Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, es gibt tatsächlich eine Produktion, die ich persönlich wahnsinnig mochte und die auch vom Publikum sehr honoriert wurde: Das war die Show „WET“. Sie gilt als die weltweit erfolgreichste Varieté-Show, die überhaupt jemals gespielt wurde.

Diese Show hat auch mich sehr berührt, weil sie mich in meinem persönlichen Geschmack wahnsinnig abgeholt hat. Das lag letzten Endes auch am Spiel mit den Elementen. Es wurde dort unfassbar viel mit dem Element Wasser gearbeitet.

An dieser Stelle kann ich auch mit großer Freude ankündigen, dass wir den Gedanken der Stärke der Elemente, in dem Fall noch einmal das Element Wasser, aber auch Feuer, im nächsten Jahr wiederfinden werden: in einer Show, auf die ich mich schon heute sehr freue – nämlich „FLOW“. Diese feiert im August kommenden Jahres Premiere.

Wie hat sich das Varieté als Kunstform in den letzten Jahren verändert – und wohin entwickelt es sich?

Na ja, es hat sich als Kunstform insofern gar nicht so weit verändert, weil Varieté ja irgendwie in seiner Art und Weise schon festgeschrieben ist. Varieté besteht in der Darbietung immer aus einem sehr, sehr hohen Anteil Artistik. Es besteht immer auch aus einem Anteil Musik und Comedy und es ist meist auch Tanz mit dabei. Artistik ist dabei immer der Hauptanteil. Alle anderen Komponenten sind die Gewürze, sage ich immer so schön.

Natürlich verändert sich Varieté fortlaufend in der Technik und in den Bildern, weil sich einfach der modische Geschmack verändert. Aber Varieté als Varieté ist eigentlich das geblieben, was es auch klassisch immer war. Natürlich wird Musik an die heutige Zeit angepasst. Natürlich werden Witz und Comedy ins Hier und Jetzt übertragen. Man will ja modern wirken und nicht antiquiert.

Und als Medium aus dem Siebengebirge: Wie bedeutend ist die Region für das GOP Bonn?

Oh, das Siebengebirge ist für das GOP Bonn wahnsinnig bedeutend. Natürlich ist unser Hauptmarkt die Stadt Bonn. Aber Bonn ist eben keine Metropole mit ein paar Millionen Einwohnern. Deshalb sind für uns gerade die angrenzenden Regionen und Gebiete sehr wichtig. Dazu gehören das Siebengebirge, das Ahrtal, die Eifel, auch das Bergische und natürlich Köln – das wollen wir nicht ganz weglassen. Unser Einzugsgebiet reicht sehr intensiv bis runter nach Koblenz und Montabaur. Von daher ist die Region für uns ein ganz wichtiger Bestandteil.

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SCHLAGWÖRTER:GOP BonnVarieté
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Gründer und Chefredakteur von Honnef heute. Ich berichte unabhängig und mit Leidenschaft über die Lokalpolitik, Wirtschaft, Sport, Kultur und das Leben in Bad Honnef und der Region.
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