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Honnef heute - Presse, Nachrichten, News > Alle Artikel > Siebengebirge > Bad Honnef > Rhöndorf > Rhöndorf demonstriert für barrierefreien Bahnhof: Jetzt und nicht irgendwann
TitelRhöndorf

Rhöndorf demonstriert für barrierefreien Bahnhof: Jetzt und nicht irgendwann

Letztes Update: 12.10.2026
Honnef heute
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10 Min Lesezeit
bahnhof rhoendorf 1
Demo Bahnhof Rhöndorf
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Bad Honnef-Rhöndorf. Die Deutsche Bahn will die geplante Personenunterführung und die beiden Aufzüge am Bahnhof Rhöndorf vorerst nicht bauen. Bei einer Demonstration am Montag forderten Bürgerinnen und Bürger, Betroffene und Politiker eine verbindliche Perspektive für den vollständigen barrierefreien Ausbau. Besonders deutlich wurde, was die Entscheidung für Menschen bedeutet, die auf einen barrierefreien Zugang angewiesen sind.

Übersicht
  • Nach 16 Jahren noch immer keine vollständige Barrierefreiheit
  • Bürgermeister teilt die Enttäuschung
  • Jonathan Grunwald: „Das akzeptieren wir nicht“
  • Nell-Breuning-Berufskolleg: „Wir müssen immer noch für unsere Rechte kämpfen“
  • Haus Rheinfrieden: „Barrierefreiheit ist kein Luxus“
  • Claudia Solzbacher: „Wenn nicht jetzt, wird es nicht mehr gemacht“
  • Fachbeirat Inklusion wartet auf Antwort der Bahn
  • Forderung nach einer verbindlichen Lösung
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„Ein Bahnhof für alle, jetzt sofort und nicht irgendwann in unserem Heimatort“: Unter diesem Motto versammelten sich am Montagnachmittag rund 400 Bürgerinnen und Bürger am Bahnhof Rhöndorf. Der Protest richtet sich gegen die Entscheidung der Deutschen Bahn, die ursprünglich vorgesehenen Aufzüge und die neue Personenunterführung nicht wie geplant im Zuge der laufenden Korridorsanierung umzusetzen.

Die Bahn begründet die Verschiebung mit zusätzlichen Arbeiten an der Oberleitung. Zugleich soll die Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden im Dezember 2026 gewährleistet bleiben. Wann die Personenunterführung und die Aufzüge nachträglich gebaut werden sollen, ist bislang nicht verbindlich geklärt.

Nach 16 Jahren noch immer keine vollständige Barrierefreiheit

Peter Profittlich, direkt gewähltes Ratsmitglied für Rhöndorf, hatte gemeinsam mit seiner Ratskollegin Susanne Langguth und weiteren Bürgerinnen und Bürgern zu der Demonstration aufgerufen. Unterstützt wurden sie vom Bürger- und Ortsverein Rhöndorf.

Profittlich erinnerte daran, dass es bereits vor 16 Jahren Proteste für einen barrierefreien Bahnhof gegeben habe. Damals sei der Petitionsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags nach Rhöndorf gekommen und habe die Deutsche Bahn aufgefordert, bis 2018 einen behindertengerechten Zugang zu den Gleisen zu schaffen.

2025 sei dann im Zusammenhang mit der Modernisierung der Strecke ein Förderbescheid der Landesregierung über 16,5 Millionen Euro an die DB InfraGO übergeben worden. Dabei sei ausdrücklich die barrierefreie Gestaltung des Bahnhofs in den Blick genommen worden.

„Nach 16 Jahren des Versprechens und des Ausharrens verlangen wir eine hundertprozentige Umsetzung des barrierefreien Ausbaus“, sagte Profittlich. Die Deutsche Bahn dürfe nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Er forderte die Landes- und Bundespolitik auf, sich mit Nachdruck für einen vollständigen Ausbau einzusetzen.

Bürgermeister teilt die Enttäuschung

Auch Bürgermeister Philipp Herzog zeigte Verständnis für den Protest. Die große Zahl der Teilnehmenden mache deutlich, wie wichtig die Zukunft des Bahnhofs für die Menschen in Rhöndorf sei. Die Enttäuschung darüber, dass der Bahnhof nun doch nicht wie ursprünglich geplant vollständig barrierefrei ausgebaut werde, könne er nachvollziehen. Er selbst sei darüber verärgert.

Bei der Modernisierung gehe es um mehr als bauliche Veränderungen, betonte Herzog. Alle Menschen müssten öffentliche Verkehrsmittel selbstständig nutzen können – ob mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen. Besonders denke er dabei an die Schülerinnen und Schüler des Nell-Breuning-Berufskollegs sowie an die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Rheinfrieden.

Für Menschen, die auf einen barrierefreien Zugang angewiesen seien, stellten Treppen ein unüberwindbares Hindernis dar. Fehlende Barrierefreiheit schränke ihre Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe ein. Die Stadt Bad Honnef werde den Prozess eng begleiten. Entscheidend sei, dass die Bahn möglichst bald eine verlässliche Perspektive für die ausstehenden Arbeiten vorlege.

Auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, Martin Metz, unterstützte die Forderung nach einer schnellen Lösung. Das NRW-Verkehrsministerium habe sich erneut an die Bahn gewandt, um Druck zu machen. Metz warnte davor, dass Rhöndorf nach der Korridorsanierung noch lange auf die fehlenden Anlagen warten müsse.

Jonathan Grunwald: „Das akzeptieren wir nicht“

Der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Jonathan Grunwald zeigte sich sowohl als Politiker als auch als Rhöndorfer verärgert. Nach langer Planung werde nun ein Vorhaben, das den Bahnhof vollständig barrierefrei machen sollte, nicht wie vorgesehen umgesetzt.

Besonders kritisch sieht Grunwald, dass mit öffentlichen Mitteln der barrierefreie Ausbau ermöglicht werden sollte, während ein Teil der geplanten Maßnahmen nun auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Nach seiner Darstellung soll zunächst nur der Bahnsteig in Richtung Köln barrierefrei erreichbar sein. Der Zugang zum Bahnsteig in Richtung Koblenz bleibe dagegen weiterhin nicht barrierefrei.

Die fehlenden Arbeiten könnten möglicherweise erst in fünf oder sechs Jahren nachgeholt werden. Das sei für ihn keine akzeptable Perspektive. Grunwald kündigte an, sich auf Landesebene dafür einzusetzen, dass die für den barrierefreien Ausbau vorgesehenen Mittel auch diesem Zweck zugutekommen. Alle politischen Ebenen müssten gemeinsam auf eine möglichst schnelle Lösung drängen.

Nell-Breuning-Berufskolleg: „Wir müssen immer noch für unsere Rechte kämpfen“

Wie konkret sich die fehlende Barrierefreiheit auf den Alltag auswirkt, schilderte eine Schülerin des Nell-Breuning-Berufskollegs. Sie zeigte sich beeindruckt davon, wie viele Menschen sich bei der Demonstration für Inklusion einsetzten. Zugleich kritisierte sie, dass im Jahr 2026 noch immer für Rechte gekämpft werden müsse und die Demonstrierenden auf eine Erklärung der Deutschen Bahn warten müssten.

„Wir haben 2026 und müssen immer noch für unsere Rechte kämpfen“, sagte sie. Gerade die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs seien auf einen barrierefreien Bahnhof angewiesen. Doch seit Jahren werde dieser nicht fertiggestellt.

Auch Eltern mit Kinderwagen sowie Menschen, die auf Rollstühle oder Rollatoren angewiesen sind, könnten nachvollziehen, wie schwierig die Situation sei. Sie kenne viele Schülerinnen und Schüler, die gerne einmal nach Köln fahren würden, dies aber nicht könnten, weil der Bahnhof noch immer nicht barrierefrei sei.

Haus Rheinfrieden: „Barrierefreiheit ist kein Luxus“

David Weber, der für das Haus Rheinfrieden und das Nell-Breuning-Berufskolleg sprach, brachte die Forderung auf den Punkt: „Barrierefreiheit ist kein Luxus, sondern ein Muss.“

Er verwies auf die Lebensrealität von Menschen mit Behinderungen. Inklusion bedeute, Hindernisse zu beseitigen – und nicht, Betroffene auf Umwege oder Sonderlösungen zu verweisen. Ein Bahnhof müsse so gestaltet sein, dass Menschen ihn selbstständig nutzen könnten.

Die Forderung nach einem barrierefreien Zugang betrifft damit nicht nur einzelne Reisende. Sie entscheidet darüber, ob Menschen mit eingeschränkter Mobilität selbstbestimmt unterwegs sein und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Claudia Solzbacher: „Wenn nicht jetzt, wird es nicht mehr gemacht“

Claudia Solzbacher, die bei der Demonstration für den Fachbeirat „Menschen im Alter“ sprach, rückte die demografische Entwicklung in den Mittelpunkt. Bad Honnef gehöre zu den Städten mit dem höchsten Anteil älterer Menschen im Rhein-Sieg-Kreis. Umso unverständlicher sei es, dass die Bahn die absehbaren Anforderungen an eine barrierefreie Infrastruktur nicht ausreichend berücksichtige.

Ein Bahnhof, dessen Bahnsteige nicht ohne fremde Hilfe erreichbar seien, werde zu einer vermeidbaren Grenze. Barrierefreiheit sei ein wesentlicher Bestandteil einer senioren- und behindertengerechten Stadt. Dazu gehörten selbstverständlich auch öffentliche Verkehrsmittel.

Solzbacher verwies außerdem auf die soziale Bedeutung der Bahn: „Ein Zug ist eben nicht nur ein Zug, sondern eine Verbindung zwischen Menschen.“ Gerade für ältere Menschen und Angehörige könne die Möglichkeit, selbstständig zu reisen, entscheidend sein, um Kontakte aufrechtzuerhalten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Im Namen des Fachbeirats forderte Solzbacher deshalb den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs. Die Entscheidung müsse noch einmal überprüft werden. Es gehe um eine Infrastruktur, die über Jahrzehnte Bestand haben solle. Ihre größte Sorge formulierte sie deutlich: „Wenn nicht jetzt, wird es nicht mehr gemacht.“

Fachbeirat Inklusion wartet auf Antwort der Bahn

Auch Frau Holpert vom Fachbeirat Inklusion der Stadt Bad Honnef kritisierte die Entscheidung. Der Fachbeirat habe sich nach Bekanntwerden der Pläne mit einem Schreiben an die DB InfraGO gewandt, bislang jedoch keine Antwort erhalten.

Holpert kritisierte, dass beim Bahnhof Rhöndorf offenbar der Zeitplan Vorrang vor der Barrierefreiheit habe. Das sei gerade in einer Stadt problematisch, in der viele Menschen auf barrierefreie Wege und öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien. Die Busse könnten innerhalb Bad Honnefs genutzt werden – doch am Bahnhof ende die selbstständige Weiterfahrt für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Sie regte an, auch Alternativen zu Aufzügen zu prüfen. Möglicherweise könnten Rampen eine Lösung sein, um die Bahnsteige barrierefrei zu erreichen.

Forderung nach einer verbindlichen Lösung

Die Rednerinnen und Redner machten deutlich, dass es den Demonstrierenden nicht um Protest um seiner selbst willen geht. Sie verlangen, dass die bereits lange geplante Barrierefreiheit am Bahnhof Rhöndorf tatsächlich umgesetzt wird. Die laufende Streckensanierung sehen sie als Gelegenheit, die notwendigen Arbeiten ohne eine weitere jahrelange Verzögerung zu erledigen.

Eine verbindliche Perspektive für den Bau der Personenunterführung und der Aufzüge steht weiterhin aus. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie vorerst nicht wissen, wann sie den Bahnhof vollständig selbstständig nutzen können.

 

demo bahnhof rhoendorf
Über 400 Teilnehmer kamen zur Demo an der Unterführung in die Karl-Broel-Straße

 

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