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Rhein-Sieg/Bonn

Riesen-Baugebiete im Naturpark weder sinnvoll noch nötig

In der rechtsrheinischen Bergregion informieren BürgerInnen sich gegenseitig über Riesen-Baugebiete und Südtangente

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Karte Baugebiete - Riesen-Baugebiete im Naturpark weder sinnvoll noch nötig

Bonn/Königswinter – Mehr als 200 Interessierte kamen am Sonntag den 3. November in die Reithalle des Vinxeler Heiderhofs zur Infoveranstaltung von und für BürgerInnen aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis.

„Die Agrarflächen im nördlichen Naturpark Siebengebirge dienen dem Klimaschutz, das ist nun wissenschaftlich erwiesen“, erläuterte Susanne Gura vom Verein Lebenswerte Region Bonn-Siebengebirge. Den neuen Ergebnissen des Klimaprojektes ZURES zufolge entsteht im Pleiser Hügelland nachts überdurchschnittlich viel Kaltluft; tagsüber sind die Agrarflächen jedoch wärmebelastet. Bauen wäre doppelt schädlich: Tagsüber würde es noch heißer, nachts würde es viel weniger abkühlen. Der Verein fordert zusammen mit lokalen Bürgerinitiativen, auf die Riesen-Baugebiete zugunsten der öffentlichen Belange zu verzichten. Etwa 50 Hektar Bauland in Roleber, Stieldorf, Oelinghoven und Vinxel werden derzeit in Bonn und in Königswinter in den Ratsgremien diskutiert. Rechtlich gesehen ist sowohl die Fortsetzung des Flächenfrasses als auch die Erhaltung der Kulturlandschaft möglich; laut Baugesetzbuch müssen öffentliche Belange wie Klima- und Umweltschutz gegen private Wohnraum-Belange abgewogen werden. Einmal bebaut, stehen die Naturpark-Flächen künftigen Generationen in der ganzen Region nicht mehr zur Verfügung.

Mit der aktuellen Trendwende in der Immobilienbranche, die von der Empirica AG seit Jahresbeginn beobachtet und vom Institut für deutsche Wirtschaft kürzlich bestätigt wurde, ist die Zeit für eine Streichung der Planungen reif. In Bonn sind etwa 500 genehmigte Wohngebäude noch nicht gebaut, wie die Stadtverwaltung mitteilte; überall ist die Bauwirtschaft stark ausgelastet. „Die hohen Preise durch mehr Bauland senken zu wollen, ist während der anhaltenden Niedrigzinspolitik nicht möglich, denn Immobilien erscheinen immer mehr Geldanlegern, auch aus dem Ausland, als relativ risikoarm, wie das Institut für deutsche Wirtschaft kürzlich berichtet hat. Unsere Region, und vor allem der Naturpark darf aber nicht ausverkauft werden,“ fügte Alfred Dülge von der Bürgerinitiative Stieldorf hinzu.

Das Erzbistum Köln mit seinen Ländereien könnte der größte Profiteur der Königswinterer Bauleidenschaft werden, inklusive Bauland für ein weiteres Einkaufszentrum. „In einem Offenen Brief haben wir kürzlich Kardinal Woelki gebeten, angesichts des Klimawandels mit der Bewahrung der Schöpfung ernst zu machen“, berichtete Edith Kürzinger von der BI Stieldorf. „Der vorhandene Nahversorger ist für unser Dorf völlig ausreichend.“

Auch das Verkehrsgutachten, das im Rahmen der Königswinterer Bauentwicklungs-planung erstellt wurde, rät von weiteren Ansiedlungen in der Bergregion ab. Südtangente und Ennertaufstieg könnten die erwartete Stauzunahme nicht verhindern.

Mit dem Gelände der ehemaligen Landwirtschaftskammer besteht die einmalige Chance für die UN-Stadt Bonn, den Naturpark zu erweitern. Geplant ist aber das Gegenteil von Nachhaltigkeit: Der Abriss des nachweislich weiter nutzbaren Gebäudes, die Fällung des vierzig Jahre alten Parkbaumbestands, und die weitgehende Versiegelung des stadtnahen Kaltluftentstehungsgebiets. Damit brechen CDU, SPD und FDP überdies ihr Wahlversprechen aus der Kommunalwahl von 2014. „Die BürgerInnen akzeptieren den Vertrauensbruch nicht und halten an der ursprünglichen Lösung fest“, berichtete Thorsten Albrecht von der Bürgerinitiative Roleber.

Lebenswerte Region Bonn-Siebengebirge e.V.

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