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Honnef heute - Presse, Nachrichten, News > Alle Artikel > Siebengebirge > Bad Honnef > Selhof > Selhof Süd erfüllt bereits heute zentrale Funktionen
SelhofTitel

Selhof Süd erfüllt bereits heute zentrale Funktionen

Letztes Update: 03.07.2026
Honnef heute
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7 Min Lesezeit
selhof sued
Selhof Süd: Grüne Lunge Bad Honnefs
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Bad Honnef. Seit den 1960er/1970er Jahren wird über die Bebauung von Flächen in Selhof-Süd diskutiert. Mit dem Beschluss des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) wurde ein neuer Planungsprozess angestoßen. 2024 beschloss der Rat der Stadt Bad Honnef eine Voruntersuchung für eine mögliche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme.

Übersicht
  • Ein Ort, der bereits wirkt
  • Größenordnung mit weitreichenden Folgen
  • Wohnraumbedarf: Die entscheidende Differenzierung fehlt
  • Nachhaltigkeit: Mehr als Bauweise
  • Ausgleichsmaßnahmen: Kein gleichwertiger Ersatz
  • Infrastruktur: Erfahrung statt Annahme
  • Wachstum: Die Frage nach dem richtigen Maß
  • Der unterschätzte Wert der Fläche
  • Fragen zur politischen Gestaltung: Wer hat hier das Interesse?
  • Eine Alternative: Innenentwicklung konsequent priorisieren
  • Eine Entscheidung mit Tragweite
  • Fazit
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Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gegründet: Grünes Band Bad Honnef. Für sie ist Selhof-Süd „nicht nur Landschaft, es ist ein gelebter Ort der Gesundheit, Erholung und der Begegnung. Genau diese grüne Lunge Bad Honnefs steht jetzt auf dem Spiel“.

Heute Abend fand im Schloss Hagerh0f eine Informationsveranstaltung der Initiative statt (Bericht folgt). Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen teil. Im Vorfeld gab Frédéric Fraund eine persönliche Stellungnahme ab, die hier ungekürzt veröffentlicht wird. Fraund ist Mitglied der Grünen Bad Honnef, Fraktionsgeschäftsführer, Ratsmitglied, Ansprechpartner für den Wahlkreis 120 und Mitglied des Planungsausschusses.

Ein Ort, der bereits wirkt

Während der unerträglichen Hitzewelle der vergangenen Woche bin ich mit Freunden, Kinderwagen und Hund durch das Wäldchen im Selhofer Süden gegangen. Es war einer dieser Tage, an denen die Stadt flimmert und jede Minute im Schatten zählt. Schon nach wenigen Schritten wurde spürbar, was diesen Ort ausmacht: kühlere Luft, Ruhe und Erholung.

Dieser Raum mit angrenzendem Bach entlastet spürbar. Auch der Hundespielplatz war gut besucht. Menschen hielten sich hier auf, weil es einer der wenigen Orte war, an denen es noch erträglich blieb. Genau dieser Raum soll nun in großem Maßstab bebaut werden.

Größenordnung mit weitreichenden Folgen

Zur Diskussion steht Wohnraum für 3.000 bis 5.000 Menschen auf rund 28 Hektar, das entspricht etwa 40 Fußballfeldern. Je nach Ausgestaltung bedeutet das einen Bevölkerungszuwachs von bis zu 20 Prozent für Bad Honnef. Eine solche Größenordnung verändert eine Stadt strukturell und erfordert besonders belastbare Begründungen.

Wohnraumbedarf: Die entscheidende Differenzierung fehlt

Dass Wohnraum benötigt wird, steht außer Frage. Entscheidend ist jedoch, welcher Wohnraum wo geschaffen werden soll. Bad Honnef verfügt bereits heute über erhebliche Potenziale im Bestand: Leerstände und untergenutzte Immobilien, Flächen im Wandel durch Umzüge und Erbfälle, leerstehende Ladenlokale mit Nutzungspotenzial sowie über 900 bereits geplante oder im Bau befindliche Wohneinheiten in erschlossenen Lagen. Diese Möglichkeiten sind weder ausgeschöpft noch konsequent priorisiert. Ein großflächiger Eingriff am Stadtrand ersetzt keine strategische Innenentwicklung, sondern umgeht sie.

Nachhaltigkeit: Mehr als Bauweise

Das Projekt wird häufig als Chance für ein besonders nachhaltiges Quartier dargestellt. Moderne Bauweisen können viel leisten, ändern jedoch nichts an der grundlegenden Standortfrage. Für das Quartier müsste eine heute funktionierende Freifläche versiegelt werden. Untersuchungen vergleichbarer Flächen zeigen, dass solche Grünräume lokal temperaturausgleichend wirken und zur Kühlung bebauter Bereiche beitragen. Nachhaltigkeit bedeutet daher nicht nur, wie gebaut wird, sondern auch, ob an diesem Ort gebaut werden sollte. Ein klimafreundliches Gebäude auf einer klimawirksamen Fläche bleibt ein ungelöster Zielkonflikt.

Ausgleichsmaßnahmen: Kein gleichwertiger Ersatz

Eingriffe in Natur und Wasserhaushalt lassen sich theoretisch ausgleichen. In der Praxis bedeutet das jedoch, dass Ausgleichsflächen häufig räumlich getrennt entstehen, ihre ökologische Wirkung oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten eintritt und die Qualität gewachsener Strukturen selten erreicht wird. Die konkreten Funktionen vor Ort wie Kühlung, Wasserspeicherung und Grundwasserbildung gehen hingegen unmittelbar verloren. Ein Ausgleich ist möglich, aber kein gleichwertiger Ersatz.

Infrastruktur: Erfahrung statt Annahme

Häufig wird betont, die notwendige Infrastruktur werde parallel entwickelt. Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten zeigen jedoch ein wiederkehrendes Muster: Der Verkehr nimmt unmittelbar zu, Kitas, Schulen und der öffentliche Nahverkehr stoßen früh an ihre Kapazitätsgrenzen, und Erweiterungen erfolgen oft erst mit deutlicher Verzögerung. Für bestehende Quartiere bedeutet das eine reale Mehrbelastung über Jahre hinweg.

Wachstum: Die Frage nach dem richtigen Maß

Ein Bevölkerungszuwachs von bis zu 20 Prozent ist kein moderates Wachstum, sondern ein erheblicher Eingriff in die städtische Balance. Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob Bad Honnef sich entwickeln soll, sondern in welchem Tempo und in welcher Größenordnung. Stadtentwicklung braucht Maß, Einbettung und Steuerung, nicht allein Dynamik.

Der unterschätzte Wert der Fläche

Selhof-Süd erfüllt bereits heute zentrale Funktionen: Kühlung an Hitzetagen, Rückhalt und Versickerung von Niederschlägen sowie direkt nutzbarer Erholungsraum. Diese Funktionen bestehen bereits und wirken unmittelbar. Gerade ihre Kombination macht die Fläche besonders wertvoll und schwer ersetzbar.

Fragen zur politischen Gestaltung: Wer hat hier das Interesse?

In der Debatte um Selhof-Süd wird bislang kaum hinterfragt, wer dieses Projekt konkret vorantreibt und welche Interessen dabei eine Rolle spielen. Warum erhält gerade dieses 28-Hektar-Projekt eine so hohe Priorität, obwohl andere Flächen und der Bestand noch nicht ausgeschöpft sind? Welche wirtschaftlichen, planerischen oder politischen Interessen stehen hinter dieser Schwerpunktsetzung? Solche Zweifel verschwinden nicht durch Schweigen, sondern nur durch Transparenz, Offenheit und eine kritische Öffentlichkeit.

Eine Alternative: Innenentwicklung konsequent priorisieren

Die eigentliche Zukunftsaufgabe liegt darin, vorhandene Flächen intelligenter zu nutzen: durch die Aktivierung von Leerständen, die Umnutzung von Bestandsgebäuden, Nachverdichtung in erschlossenen Bereichen und die Beschleunigung bereits geplanter Projekte. Diese Ansätze sind komplexer als Neubauten auf der grünen Wiese, aber langfristig nachhaltiger und stadtverträglicher.

Eine Entscheidung mit Tragweite

Die Ziele des Projekts sind an und für sich nachvollziehbar: Wohnraum schaffen, moderne Quartiere entwickeln und Zukunft sichern. Doch es bleibt die zentrale Frage, ob dieses konkrete Vorhaben dafür geeignet ist. Derzeit spricht vieles dafür, dass grundlegende Zielkonflikte entstehen zwischen Innen- und Außenentwicklung, Klimaschutz und Flächenverbrauch sowie kurzfristigem Bedarf und langfristiger Verantwortung.

Fazit

Selhof-Süd ist kein beliebiger Standort, sondern ein funktionierender Teil des städtischen Gefüges. Ein Eingriff dieser Größenordnung lässt sich nur rechtfertigen, wenn Notwendigkeit, Nutzen und langfristige Tragfähigkeit klar belegt sind. Genau dieser Nachweis ist nicht überzeugend erbracht.

Zur Information: Frédéric Fraund gehört dem Stadtrat an, wurde jedoch nicht als Direktkandidat im Wahlbezirk 120 gewählt. Unabhängig davon ist er für die Grünen Ansprechpartner in diesem Wahlbezirk.

 

 

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