Bad Honnef. Eine Ära geht zu Ende: Seit dem 1. Oktober werden die acht Häuser von Seminaris Hotels unter dem Dach der Belvilla Deutschland GmbH weitergeführt. Zum Betreiberwechsel blickt Jochen Swoboda auf die vergangenen Jahre zurück – auf die tiefgreifende Veränderung des Unternehmens, wirtschaftliche Erfolge und eine Unternehmenskultur, die seiner Überzeugung nach vor allem von den Menschen geprägt wurde. Sein Abschied ist deshalb auch ein persönlicher Rückblick auf das, was bei Seminaris entstanden ist und über den Betreiberwechsel hinaus Bestand haben soll.
- Ein kleiner Rückblick
- Aus der Transformation wurde unsere eigene Kultur
- Eine lernende Organisation – so viel mehr als ein leeres Schlagwort
- Seminaris war immer mehr als ein Hotelbetrieb
- Wirtschaftlich erfolgreich – und deshalb (zu) attraktiv
- Was ich mir für Seminaris wünsche
- Mein größter Dank gilt den Menschen
- Ich möchte euch allen von Herzen Danke sagen!
- Und was bleibt?
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Partnerinnen und Partner, liebe Wegbegleiter,
zum 30. September endete für Seminaris Hotels eine Ära. Seit 1. Oktober 2026 werden unsere acht Häuser unter dem Dach der Belvilla Deutschland GmbH weitergeführt. Damit verändert sich das Seminaris, welches wir in den vergangenen Jahren gemeinsam aufgebaut und weiterentwickelt haben, grundlegend.
Für mich ist das ein Anlass, nicht einfach eine Übergabe zu verkünden, sondern noch einmal zurückzublicken: auf die vergangenen Jahre, auf das, was wir gemeinsam erreicht haben, und vor allem auf die vielen Menschen, die Seminaris zu dem gemacht haben, was es am Ende war.
Ein kleiner Rückblick

Als ich bei Seminaris angetreten bin, war schnell klar, dass es nicht darum gehen würde, ein paar Prozesse zu optimieren oder an einzelnen Stellschrauben zu drehen. Wir mussten und wollten uns als Unternehmen grundlegend verändern – und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern in unserem täglichen Arbeiten.
Zwischen 2019 und 2024 haben wir deshalb eine Transformation angestoßen, die im Grunde alle Bereiche unseres Unternehmens umfasst hat. Wir haben Strukturen verändert, Verantwortlichkeiten neu verteilt, Entscheidungswege verkürzt und uns sehr intensiv damit beschäftigt, wie wir eigentlich zusammenarbeiten wollen. Vor allem haben wir versucht, mehr Verantwortung dorthin zu geben, wo das Wissen und die Erfahrung liegen – also näher an unsere Teams und in unsere Häuser.
Das klingt im Rückblick vielleicht selbstverständlich, war es zu Beginn dieses Prozesses aber ganz und gar nicht. Veränderung ist selten bequem – und schon gar nicht, wenn Veränderung nicht nur andere Prozesse bedeutet, sondern auch ein anderes Verständnis davon, wie Führung, Zusammenarbeit und Verantwortung funktionieren.
Wir haben dabei sicherlich nicht alles richtig gemacht. Es gab Entscheidungen, die wir später anders getroffen hätten, und Phasen, in denen wir uns gefragt haben, ob wir mit dem eingeschlagenen Weg wirklich richtig liegen. Aber genau das gehört für mich zu einer echten Transformation dazu! Man muss bereit sein, Dinge auszuprobieren, daraus zu lernen und gegebenenfalls nachzusteuern. Genau das haben wir – mit Erfolg – getan.
Aus der Transformation wurde unsere eigene Kultur
Was mich heute besonders freut, ist, dass aus dieser Veränderung mehr entstanden ist als eine andere Organisationsstruktur, denn im Laufe der Jahre hat sich eine ganz eigene Kultur entwickelt.
Wir haben bei Seminaris versucht, Hierarchien dort abzubauen, wo sie eher im Weg stehen, und gleichzeitig Verantwortung nicht nur zu delegieren, sondern tatsächlich zuzutrauen. Wir wollten Menschen nicht ständig sagen, was sie tun sollen, sondern ihnen den Raum geben, selbst Lösungen zu entwickeln. Die Ergebnisse hätten wir Top-Down nicht besser erzielen können!
Diese Herangehensweise hat auch unser Verständnis von Führung verändert. Für mich war und ist gute Führung weniger eine Frage von Kontrolle als vielmehr von Vertrauen. Wer Menschen Verantwortung gibt, muss ihnen auch zutrauen, dass sie diese Verantwortung übernehmen können. Und wer möchte, dass Menschen sich entwickeln, muss ihnen auch die Möglichkeit geben, Fehler zu machen und daraus zu lernen.
Wo gearbeitet wird geschehen sowieso Fehler, ob ich sie nun zulassen möchte, oder nicht. Entscheidend ist, wie man damit umgeht – als Mitarbeiter:in, als Führungskraft, und auch als CEO.
Unsere Werte – Wertschätzung, Teamstärke, Kommunikationsfreude und Selbstbestimmtheit – waren deshalb für mich nie nur schöne Begriffe für eine Unternehmenspräsentation. Sie haben einfach ziemlich gut beschrieben, was wir uns für unser tägliches Miteinander vorgenommen haben.
Ob wir das immer erreicht haben? Natürlich nicht. Aber wir haben uns immer wieder daran messen lassen.
Eine lernende Organisation – so viel mehr als ein leeres Schlagwort
Besonders wichtig war mir bei der Entwicklung von Seminaris immer, dass wir unsere eigene Transformation nicht nur intern erleben, sondern aus ihr auch etwas weitergeben.
Programme wie WELCOME!, NEEDS!, DREAMS!, PEERS! und FUTUREADY! sind genau daraus entstanden. Sie wurden nicht irgendwo eingekauft und dann über unsere Organisation gestülpt. Sie sind aus unseren eigenen Erfahrungen entstanden – aus dem, was funktioniert hat, aus dem, was nicht funktioniert hat, und aus den vielen Gesprächen, die wir miteinander geführt haben.
Ich finde es rückblickend bemerkenswert, wie viel Wissen und Erfahrung dadurch bei Seminaris entstanden ist – über Führung, über Ausbildung, über persönliche Entwicklung, über Zusammenarbeit und darüber, wie Menschen in einem Unternehmen tatsächlich wachsen können.
Das ist etwas, das bleibt! Und ich hoffe sehr, dass es auch dann bleibt, wenn sich Strukturen und Verantwortlichkeiten verändern.
Seminaris war immer mehr als ein Hotelbetrieb
Vielleicht ist das auch der Punkt, an dem sich am besten beschreiben lässt, was Seminaris für mich noch ausgemacht hat.
Unsere Hotels waren nie nur Orte, an denen Menschen ein Zimmer buchen und eine Nacht verbringen. Natürlich mussten und wollten wir gute Gastgeber sein – das war schließlich unser Kerngeschäft. Aber gerade im Seminar- und Tagungsbereich haben wir immer erlebt, dass es um mehr geht: um Menschen, die zusammenkommen, um Teams, die gemeinsam arbeiten, um Ideen, die entstehen, und manchmal auch um einen Perspektivwechsel, der in einem guten Gespräch seinen Anfang nimmt.
Diese Idee hat unsere Konzepträume und unsere Veranstaltungsformate geprägt. Sie hat aber auch unsere interne Arbeit beeinflusst. Denn wenn wir von unseren Gästen erwarten, dass sie bei uns gute Bedingungen für Austausch, Lernen und Entwicklung vorfinden, dann wollten wir diese Bedingungen auch unseren eigenen Mitarbeitenden ermöglichen.
Ich glaube, dass genau daraus ein Teil der besonderen Identität von Seminaris entstanden ist.
Wirtschaftlich erfolgreich – und deshalb (zu) attraktiv
Zu einem ehrlichen Rückblick gehört für mich aber auch die wirtschaftliche Seite unserer Entwicklung.
Wir haben in den vergangenen Jahren sehr konsequent daran gearbeitet, Seminaris wirtschaftlich nachhaltig und effizient aufzustellen. Wir haben Strukturen vereinfacht, Kosten und Prozesse kritisch hinterfragt, Verantwortung anders organisiert und gelernt, mit unseren Ressourcen bewusster umzugehen.
Das war manchmal harte Arbeit. Aber es war Arbeit, die sich gelohnt hat.
Seminaris war am Ende kein Unternehmen, das aufgrund einer wirtschaftlichen Schieflage einen neuen Betreiber brauchte. Ganz im Gegenteil! Wir haben in den vergangenen Jahren eine wirtschaftlich erfolgreiche und effiziente Organisation aufgebaut. Und genau das machte unsere Häuser und unsere Organisation für andere Betreiber so attraktiv.
Ich finde, dieser Punkt muss bei einem Abschied wie diesem auch einmal ganz klar gesagt werden dürfen.
Der Betreiberwechsel ist deshalb für mich kein Zeichen dafür, dass unsere Arbeit nicht funktioniert hätte. Er ist auch kein Schlussstrich unter eine erfolglose Entwicklung. Die Realität ist eine andere: Wir haben Seminaris so aufgestellt, dass die Gruppe, ihre Häuser und auch das MICE-Geschäft attraktiv für neue Betreiber geworden sind.
Dass es am Ende zu einer Veränderung der Eigentümer- beziehungsweise Betreiberstruktur kommt, ist eine rein unternehmerische Entscheidung und Teil einer Entwicklung, die wir bei Seminaris nicht mehr selbst bestimmen. Nicht alles, was am Ende eines solchen Prozesses passiert, liegt in der Hand der Menschen, die zuvor über Jahre Verantwortung getragen haben – und das akzeptieren wir.
Vielleicht gehört auch genau das zum Loslassen dazu: Man darf stolz auf das sein, was man selbst beeinflussen konnte, ohne für alles verantwortlich sein zu wollen, was danach kommt.
Was ich mir für Seminaris wünsche
Was mich deshalb mehr beschäftigt als die Frage, welche Strukturen künftig auf dem Papier stehen werden, ist die Frage, was von dem bleibt, was wir gemeinsam entwickelt haben.
Ich hoffe sehr, dass unsere Art zu arbeiten nicht einfach mit dem letzten Arbeitstag verschwindet; dass Menschen weiterhin Verantwortung übernehmen dürfen; dass Führung weiterhin mit Vertrauen zu tun hat; dass man sich gegenseitig zuhört, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist; dass Fehler nicht sofort als Scheitern betrachtet werden; und dass der Mut erhalten bleibt, Dinge auch einmal anders zu machen.
Vor allem hoffe ich, dass die Kultur, die in den vergangenen Jahren entstanden ist, weiterhin eine zu Hause findet!
Denn Kultur kann man nicht übergeben wie einen Schlüssel. Man kann sie nicht in ein Konzept schreiben und an einen neuen Betreiber überreichen. Echte Kultur entsteht aus echten Menschen, aus gemeinsamen Erfahrungen und aus dem täglichen Umgang miteinander.
Und vielleicht ist genau das die größte Chance für das, was vor uns liegt: dass etwas von dem, was wir gemeinsam aufgebaut haben, weiterlebt und an anderer Stelle vielleicht sogar wieder aufgegriffen und ganz neu interpretiert wird.
Mein größter Dank gilt den Menschen
Wenn ich am Ende dieser Zeit auf Seminaris schaue, dann denke ich deshalb weniger an Zahlen, Strukturen oder Projekte als an die Menschen dahinter.
An die Kolleginnen und Kollegen in unseren Häusern, die jeden Tag dafür gesorgt haben, dass aus einem Hotel ein guter Ort für Gäste wurde. An die Teams in der Zentrale, die in den vergangenen Jahren vieles bewegt und nicht selten auch ausgehalten haben. An die Führungskräfte, die sich selbst verändern mussten, weil sich unser Verständnis von Führung verändert hat.
Und natürlich an all diejenigen, die vielleicht nicht immer im Vordergrund standen, deren Beitrag aber genauso wichtig war.
Ich möchte euch allen von Herzen Danke sagen!
Danke für euer Vertrauen. Danke für eure Geduld. Danke für eure Ideen und eure Kritik. Danke für die Bereitschaft, euch immer wieder auf neue Situationen einzulassen. Und danke für die vielen Dinge, die man in einer Organisation am Ende gar nicht in Zahlen messen kann: füreinander einzustehen, jemanden mitzunehmen, wenn es schwierig wird, einen Kollegen aufzufangen oder einfach an einem langen Tag noch einmal alles zu geben.
Mein Dank gilt genauso unseren Kunden und Geschäftspartnern. Viele von ihnen begleiten uns schon seit Jahren. Wir haben gemeinsam gute Zeiten erlebt, schwierige Zeiten überstanden, Projekte entwickelt, Veranstaltungen durchgeführt und immer wieder nach Lösungen gesucht. Ohne dieses Vertrauen wäre die Entwicklung von Seminaris nicht möglich gewesen.
Und was bleibt?
Vielleicht ist das die schwierigste Frage an einem solchen Punkt: Was bleibt, wenn eine Ära wie die von Seminaris zu Ende geht?
Ich glaube, es bleibt ziemlich viel.
Es bleiben acht Häuser mit ihrer Geschichte. Es bleiben Kunden, Partner und Wegbegleiter. Es bleiben die Erfahrungen aus einer Zeit, in der wir Seminaris grundlegend verändert haben.
Und es bleiben vor allem die Menschen, die diese Veränderung mitgetragen haben.
Auch ich nehme aus dieser Zeit sehr viel mit. Ich habe bei Seminaris gelernt, dass Transformation nicht funktioniert, wenn sie nur von oben verordnet wird. Sie funktioniert dann, wenn Menschen anfangen, sie zu ihrer eigenen Sache zu machen.
Und ich habe gelernt, dass wirtschaftlicher Erfolg und eine menschliche Unternehmenskultur kein Gegensatz sein müssen. Im Gegenteil: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gerade durch die Verbindung von beidem so weit gekommen sind!
Natürlich fällt der Abschied von einem solchen Herzensprojekt schwer. Dafür war die gemeinsame Zeit zu intensiv und Seminaris zu wichtig.
Aber jetzt, am Ende der Ära Seminaris bin ich voller Dankbarkeit und Stolz. Stolz auf das, was wir gemeinsam geschafft haben, auf die wirtschaftliche Entwicklung, auf unsere Häuser, auf unsere Teams und auf den Mut, den viele Menschen gezeigt haben, sich auf eine echte Veränderung einzulassen.
Seminaris wird in dieser Form nicht weiterbestehen. Aber ich hoffe sehr, dass ein Teil dessen, was wir miteinander geschaffen haben, weiterlebt – in den Häusern, in den Menschen und vielleicht auch in der Art, wie künftig über gute Arbeit, gute Führung und gute Hotellerie gedacht wird.
Für mich persönlich ist damit nicht einfach eine berufliche Station zu Ende gegangen. Es endet ein Stück Weg, das mich sehr geprägt hat. Dafür bin ich dankbar.
Und euch allen sage ich: Danke für die gemeinsame Zeit. Danke für das Vertrauen. Und danke dafür, dass wir diese Geschichte gemeinsam schreiben durften.
Herzlichst
Jochen Swoboda
Jochen Swoboda war lange Jahre CEO der Seminaris Hotelkette, mit Standorten in Nürnberg, Potsdam, Leipzig, Berlin, Bad Honnef, Bad Boll und Lüneburg.









