Stadt legt Konzept für evidenzbasiertes Management der Pandemie vor

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Foto: Pixabay

Bonn – Die Stadt Bonn setzt ihre Aktivitäten mit Blick auf eine Niedriginzidenzstrategie fort. Hierzu hat der Krisenstab in seiner Sitzung am 5. Mai 2021 einen umfangreichen Beschluss gefasst. Als Basis dieser Strategie werden aktuelle, detaillierte Daten zum Infektionsgeschehen und zu seinen Folgen ausgewertet, um zielgenaue, effektive Maßnahmen ergreifen zu können.

„Wir erhoffen uns kurzfristig die Eindämmung des Infektionsgeschehens, mittel- und langfristig den Verbleib auf einer niedrigen Inzidenz, um damit Öffnungsschritte möglich zu machen“, sagte Oberbürgermeisterin Katja Dörner.

Zur Weiterentwicklung der strategischen Ausrichtung der Pandemiebekämpfung wurde eine ämterübergreifende Projektgruppe eingesetzt, die die strategischen Entscheidungen im Krisenstab vorbereiten wird.

Voraussetzung für dezidierte gezielte Maßnahmen ist ein Konzept, welches auf der Grundlage von validen Datenmodellen kleinräumigere Maßnahmen begründbar ermöglicht. In diesem Zusammenhang hat der Krisenstab am 5. Mai 2021 beschlossen, dass statistische Daten künftig kleinteiliger analysiert und veröffentlich werden sollen.

Kurzfristige Auswertung und Veröffentlichung von Corona-Daten

Die Stadt arbeitet unter Hochdruck daran, auf der Basis statistischer Daten, die in der Stadtverwaltung bereits vorhanden sind, Daten kleinräumig zu analysieren. Dazu gehört die Realisierung eines einheitlich definierten und strukturierten Datenmanagements, das eine Grundvoraussetzung für die geplanten Analysen darstellt. Es bedarf auch automatisierter Schnittstellen zwischen verschiedenen Plattformen, um aufwendige und fehleranfällige manuelle Arbeitsschritte im Umgang mit den Daten zu vermeiden.
Die Inzidenzen auf der Ebene der 62 statistischen Bezirke sollen für die Bürgerinnen und Bürger zeitnah und sukzessive über die Internetseite der Stadt Bonn veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert werden. Sobald die Datenanalyse abgeschlossen ist, werden die Informationen auf www.bonn.de zu finden sein. Im zweiten Schritt sollen die Daten auf der stadteigenen Open-Data-Plattform für die Open-Data-Community zur Verfügung gestellt werden.

Zusätzliche Informationen, zunächst auf Stadtebene, später auch kleinteiliger, werden bereitgestellt, sofern die Datenquellen dazu vorliegen. Bereits jetzt werden veröffentlicht: Fallzahlen und Inzidenz, Verimpfungen, Krankenhausbelegung. Angestrebt werden:

• Inzidenzen nach Alter, Hospitalisierung nach Alter, Intensivstationbelegung nach Alter
• Quarantänen
• Anzahl von Fällen in bestimmen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Altersheime
• Anzahl Tests PCR, Schnelltests und die Zahl der davon positiven Ergebnisse
Um zielgerichteter Maßnahmen entwickeln zu können, sollen die Daten zum Infektionsgeschehen kleinräumgier analysiert werden.

Analyse von Impfdaten

Der Stadt liegen bis auf die Gesamtzahlen verimpfter Dosen in den verschiedenen Prioritäts- und Berufsgruppen keine dezidierten personenbezogenen Daten vor, so dass keine Impfquoten in einzelnen Stadtteilen errechnet werden können. Die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen Lippe verfügen über diese Daten und übermitteln sie an das Robert-Koch-Institut, das sie graphisch auf seiner Website abbildet. Eine Unterteilung nach einzelnen Stadtteilen liegt nicht vor, weshalb sich die Stadt jetzt an all jene Stellen gewandt hat, die solche Daten haben.

Realisierung zielgerichteter Maßnahmen

Konkret bereit die Stadt ein niedrigschwelliges Impfangebot für mögliche Gebiete mit überdurchschnittlichen Inzidenzwerten oder aufgrund der räumlichen Situation stark gefährdete Gebiete, vor, um bei Bedarf schnellstmöglich umgesetzt werden zu können. Dazu werden auch Erfahrungen aus Köln mit einbezogen. Allerdings erfordert eine gezielte Impfaktion unabhängig von der noch geltenden Priorisierung zusätzliche Sonderkontingente an Impfstoff und die Genehmigung einer Ausnahme von der Impfreihenfolge. Das Gesundheitsministerium NRW hatte im 19. Erlass zur Impfung der Bevölkerung gegen Covid-19 zu möglichen Impfungen in sozial benachteiligten Stadtteilen mit einem erhöhten Infektionsgeschehen informiert, dass es kurzfristig mit einem gesonderten Erlass auf die Kreise und kreisfreien Städte zugehen wird. Die Stadt Bonn erwartet deshalb zeitnah landesweite Regelungen und nach Möglichkeit auch weitere Impfstoffzuweisungen.
Zusätzlich wird die Stadt die zielgerichtete Aufklärung intensivieren, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Dazu gehören in erster Linie die Einschaltung von mehrsprachigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den unterschiedlichen Lebensumfeldern und die Bereitstellung von mehrsprachigen Informationen in jeweils geeigneter Form (schriftlich, ggf. Videos). Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Quartieren sollen informieren und zudem klären, welche weiteren Unterstützungsangebote sinnvoll wären.

Weiterhin wird der Ausbau einer niedrigschwelligen Testinfrastruktur weiter vorangetrieben. So könnten Testzentren in Gebieten mit hoher Inzidenz dann zum Beispiel in der Nähe von Supermärkten oder großen Wohnblöcken realisiert werden. Schon jetzt werden interessierte Anbieterinnen und Anbieter von Testzentren gezielt auf Standorte aufmerksam gemacht, wo es noch wenige Testmöglichkeiten gibt. Außerdem wird die zielgruppengerechte kommunikative Begleitung verstärkt, um für regelmäßige Tests zu werben. Dies ist insbesondere für die Bevölkerungsgruppen wichtig, die bisher noch nicht geimpft werden konnten.

Mittel- und langfristige Ziele im Umgang mit Corona-Datenmodellen

Mittelfristig sollen vorhandene Daten verknüpft und gezielt ausgewertet werden, um kleinräumigere Maßnahmen aktiv einzuleiten. Grundlage sind Analysen zu Zusammenhängen von Infektionsgeschehen mit verschiedenen sozioökonomischen Variablen, um daraus zielgerichtete Maßnahmen zu identifizieren. Folgende Fragstellungen sind dabei u.a. von Interesse für die Stadt:

Trend-Betrachtung der 7-Tages-Inzidenz, Korrelation des Infektionsgeschehen mit u.a. Anzahl der Personen pro Haushalt, Gebäudeart (Einfamilienhäuser, Mehrgeschosswohnungen) und Ansteckungsrisiken in ÖPNV, auf Spielplätzen, im Supermarkt.

Die Ergebnisse fließen dann in die infektiologische Strategie des Gesundheitsamtes ein. Dazu ist eine wissenschaftliche Begleitung und Beratung vorgesehen. Die Stadt Bonn steht dafür bereits seit mehreren Wochen im Austausch mit verschiedenen Wissenschaftler*innen und Institutionen.

 

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