STRG_F-Recherche zeigt: TikTok als Drogenplattform für Kinder und Jugendliche

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Hamburg – Auf TikTok hat sich eine neuartige Drogenszene entwickelt, die bereits Kinder anspricht. Die Kinder und Jugendlichen tauschen dort nicht nur ihre Erfahrungen aus, sondern können auch an harte Drogen kommen. Das ist das Ergebnis einer Recherche des funk-Formats STRG_F im Rahmen des Schwerpunkts „DarkTok“. Damit konfrontiert, sperrt TikTok einschlägige Hashtags nicht. Die Reportage erscheint heute ab 17 Uhr auf dem YouTube-Kanal sowie auf funk.net.

„Wie alt wart ihr, als ihr das erste Mal drauf wart?“, fragt eine Jugendliche in einem TikTok-Clip, der mehr als 2000 Likes zählt. Die Antworten in den Kommentaren fallen besorgniserregend aus. Einige geben an, mit elf, zwölf oder 13 Jahren zum ersten Mal Drogen genommen zu haben. Sie sei 13 Jahre alt gewesen, schreibt eine Nutzerin: „Um genau zu sein vor zwei Wochen das erste Mal.“ Ein Mädchen erzählt, dass sie als Neunjährige drogenverherrlichende Clips auf TikTok gesehen habe und anschließend selbst chemische Drogen habe nehmen wollen. Als Zehnjährige habe sie das dann auch zum ersten Mal getan. Inzwischen finde sie ihre Dealer über TikTok. Einige der Kinder und Jugendlichen filmen sich im Rausch, zeigen sich zu drogenverherrlichenden Rap-Sounds mit erweiterten Pupillen. Unter manchen Clips werden gefährliche Konsum-Tipps geteilt.

Dass sich ein Teil der Drogenszene ins Internet verlagert, ist nicht neu. Inzwischen ist diese Szene auf TikTok abgewandert, wodurch sie deutlich jüngere Nutzer*innen anspricht. Auf TikTok findet die Drogenszene anders als auf anderen Plattformen nicht mehr in geschlossenen Gruppen, sondern öffentlich unter einschlägigen Hashtags statt. Videos über Drogentrips generieren zum Teil Tausende bis Zehntausende Likes.

Zwar sind auf TikTok Hashtags wie #drogen oder #drugs gesperrt, unter Hashtags wie #tanteemma, eine Anspielung auf die Droge MDMA, lassen sich allerdings zahlreiche Videos von Jugendlichen im Rausch finden. Die Drogenszene dreht sich hier vor allem um Ecstasy, aber auch Speed, Crystal Meth und Heroin werden konsumiert. Eine junge Nutzerin zeigt sich bei TikTok offen beim Rauchen von Heroin, eine andere offenbar im Heroin-Rausch. Ihr Clip erhält 4000 Likes. Wenige Tage später meldet sie sich aus dem Krankenhaus, wo sie wegen einer Überdosis behandelt wird.

Nach den Recherchen der Reporterinnen Isabell Beer und Désirée Fehringer verstärkt der Algorithmus von TikTok offenbar die Zugänge zur Drogenszene. Wenn man beispielsweise mehreren jungen Drogenkonsument*innen folgt und einzelne Clips liked, spielt der TikTok-Algorithmus bald fast ausschließlich Videos von jungen Menschen unter Drogeneinfluss aus. Zudem weist die Recherche nach, dass man über Empfehlungen auf TikTok tatsächlich an Kokain und Ecstasy-Pillen kommen kann.

TikTok erklärt auf STRG_F-Anfrage, „die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Community hat für uns Priorität“. Man verbiete die Darstellung, die Werbung oder den Handel mit Drogen und entferne diese von der Plattform. TikTok löschte nach Hinweis durch STRG_F einzelne problematische Videos. Die in der Drogenszene bedeutsamsten Hashtags waren hingegen bis Redaktionsschluss nach wie vor abrufbar.

funk Schwerpunkt „DarkTok“

Seit Sonnabend, 20. August 2022, beleuchtet funk im Schwerpunkt DarkTok die Schattenseiten von TikTok. Mehr als zehn Formate widmen sich verschiedenen Themenbereichen und gehen der Frage nach: Was passiert, wenn problematische und gefährdende Inhalte für junger User:innen leicht zugänglich sind. Der Schwerpunkt von funk soll für einen bewussten Umgang auf TikTok sensibilisieren – nicht durch Verbote, sondern Aufklärung.

STRG_F wird vom NDR für funk produziert. Mehr Informationen sind auf der Formatseite im funk Presseportal zu finden. Interviewanfragen an Isabell Beer und Désirée Fehringer können an presse@funk.net gestellt werden.

 

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