Villa Schaaffhausen erwacht aus Dornröschenschlaf

Von Christine Pfalz

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Fabiano Pinto (l.), hier Im Hof der Villa Schaaffhausen, mit (v.l.) Eigentümer Frank Lotz, Architekt Klaus Niehoff und Bürgermeister Otto Neuhoff | Foto: Christine Pfalz

Bad Honnef-Rommersdorf – Die Villa Schaaffhausen im Bad Honnefer Stadtteil Rommersdorf erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf. Nach 13 Jahren, die seit der ersten Ankündigung eines Bauvorhabens vergangen sind, sind die Fortschritte deutlich zu sehen: Der Turm der Villa wurde bereits abgerüstet. Vor dem Tor sprudelt die Römerquelle wieder und das provisorische Schild „Kein Trinkwassser“ wird auch noch durch ein schickeres ersetzt werden.

Villa und Turm werden in einer Farbegestrichen, die auf einem Foto aus den 1920er Jahren zu sehen ist. Die Sandsteinelemente, Verzierungen an den Türmchen, Simsen und unter dem Dach, kommen dadurch besser zur Geltung und wirken plastisch. 1984 war die Eintragung in die Denkmalliste erfolgt, deshalb werden Arbeiten innen und außen in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde ausgeführt. Den hohen energetischen Auflagen muss gefolgt werden. Blockheizkraftwerk und Photovoltaikanlagen werden eingebaut. Die Fenster haben eine automatische Lüftung, so dass frische Luft nachströmt. Bei Sturm schließt sich die Lüftung automatisch. Brandschutz und Brandmeldeanlage werden auch im alten Rittersaal berücksichtigt.

Bürgermeister Otto Neuhoff: „Das Ensemble ist für den Ortsteil Rommersdorf wichtig und von großer, auch emotionaler Bedeutung. Mit viel Liebe und Akribie wird das Denkmal bewahrt, einer Nutzung zugeführt und der Park wird erhalten. Die Bürgerinnen und Bürger werden die Schönheit des Ensembles genießen können.“

Immer wieder gibt es Überraschungen und Bausünden kommen ans Tageslicht. Eigentümer Frank Lotz weiß, dass sie aus allen Jahrhunderten stammen und nicht nur aus den letzten Jahrzehnten. Ein Balken in der Villa ist völlig morsch und zerbrochen, weil über ihm ein Badezimmer eingebaut war und das Wasser sich seinen Weg gebahnt hatte. Zwei Stockwerke türmen sich noch über diesem schadhaften Balken auf, die gesichert werden müssen. Sondermüll wurde unter einer Betonplatte gefunden. Ein weiterer tragender Balken ist morsch und muss Stück für Stück aus der Bruchsteinmauer herausgeschält und erneuert werden.

Das ist das Vorhaben:
– Der öffentlich zugängliche Teil der Parkanlage muss wiederhergestellt oder neuangelegt werden.
– Der Römerbrunnen an der Schaaffhausenstraße bleibt erhalten.
– Die Fassaden, Dächer, Dachaufbauten, Fenster und Außentüren der Villa werden im Sinne des Denkmalschutzes saniert.
– Es entstehen 25 Wohnungen in den vier Neubauten mit um die 2.800 Quadratmetern Wohnfläche und 10 Wohnungen im Denkmal mit um die 1.250 Quadratmetern Wohnfläche.
– In der Tiefgarage werden 42 Stellplätze entstehen, für die Neubauten 6 Außenstellplätze. Die Pkw-Stellplätze auf dem Gelände der Villa müssen wiederhergestellt werden. Hier werden 31 Parkplätze angelegt.
– Es bestehen Auflagen zu einer ökologischen Baubegleitung.

Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt nach Angabe des Eigentümers Parkensemble Schaaffhausen GmbH und Co. KG, eine Tochter der Prinz von Preussen Grundbesitz AG (PvP), um die 25 Mio. Euro. Die Fertigstellung des Denkmals Villa Schaaffhausen ist für Ende 2022 geplant, das „Parkensemble Neubau“ wird voraussichtlich im Sommer 2023 fertiggestellt.

Zur Geschichte:
1770 bildeten zwei historische Weingüter das heutige Grundstück der Villa Schaaffhausen. 1846 wurde das Gut vom Fabrikanten Hubert Schaaffhausen gekauft, dessen Sohn Hermann Schaffhausen (1816-1893) Geheimer Medizinalrat und Bonner Universitätsprofessor war und die moderne Paläoanthropologie begründete. Er ist durch seine Arbeiten zum 1856 entdeckten Neandertaler-Fund bekannt. Er führte ein offenes Haus, wissenschaftlich arbeitende und adelige Menschen gaben sich in der Villa Schaaffhausen die Klinke in die Hand. Nach dem zweiten Weltkrieg war in der Villa ein Kinderheim untergebracht. Viele Bad Honnefer Bürgerinnen und Bürger erinnern sich noch an das Familien- und Gesundheitszentrum, dass von 1988 bis 2012 dort geführt wurde. Erholung und Entspannung mit Ayurveda-Kuren, Seminare und Ausbildungen zu gesundheitlichen Themen wurden angeboten. Wenn das Ensemble dann fertig ist, werden Hinweistafeln auf die historische Bedeutung aufmerksam machen.

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